Bevor du dich meldest, hast du deine Biohazard-Brille auch aufgesetzt? Nein – aber du würdest gerne wissen, was das überhaupt sein soll? Mit Capcoms neuer Biohazard-Brille fühlt sich alles so blutig-grau und eklig an, wie in Resident Evil 7. Obwohl du ein anderes Spiel als Resident Evil 7 spielst! Zauberei? Voodoo? Oder ist gar... ein böser Virus Schuld, der uns alle in widerliche Ungeheuer verwandelt? Ich weiß es nicht. Was ich jedoch weiß ist, dass Resident Evil 2 im Remake nur mit der Biohazard-Brille gespielt werden kann. Zu diesem Soundtrack. Zum Glück hast du die Brille aber automatisch auf der Nase, wenn du das Spiel startest.

 

Resident Evil 2

Facts 
Resident Evil 2
Neben ein paar blutig-schönen Einblicken in diverse Trailer, durfte ich das Remake von Resident Evil 2 eine Stunde anspielen. Ob es dem Original völlig gerecht wird, kann ich dir in dieser kurzen Vorschau also nur bedingt sagen. Im Spiel wird die originale Story übernommen, mit den Charakteren des 1998 erschienen Spiels.

Es gibt sicherlich jede Menge schlimmere Beleidigungen als, „Das fühlt sich ja fast wie Resident Evil 7 an!!11!“ Eigentlich ist es wohl ein Kompliment, denn wenn von einem Spiel kopiert, warum dann nicht Resident Evil 7? Eklatant auffällig sind die Übereinstimmungen allerdings schon – du darfst dich auf dasselbe Inventar freuen, ähnliche Gegenstände, ähnliche Symbole, ähnliche Objekte in der Welt. Ähnliche Geräusche. Es ist ein bisschen so, als hätte jemand einen Holzscheit vom Resi 7-Baum gesägt und Resident Evil 2 hineingeschnitzt.

Neben Resident Evil 7 ist allerdings auch ziemlich viel Resident Evil 2 im Remake – genauso, wie es sein sollte. Oder?

Alles eine Frage der Perspektive

Wie kann ein Remake derart gestaltet werden, dass neue sowie alte Fans mit ins Boot springen? Wird ein Spiel neu überarbeitet; und ich rede nicht davon, dass allein die Grafik aufgehübscht wird – was auch Remastered genannt wird – sondern von einer tatsächlichen Neuauflage, ist das gar keine so leichte Aufgabe. Und warum? Das muss doch schließlich sehr viel einfacher sein, als sich ein gänzlich neues Spiel auszudenken, oder?

Womöglich nicht, denn die Originale hinter Remakes liegen zumeist einige Jahre in der Vergangenheit, und die Videospieleindustrie befindet sich im ständigen Wandel. Ein besseres Beispiel als Resident Evil 2 ist dabei kaum zu finden: Und ja, ich rede hier über die ikonische feste Kameraperspektive, die einige Fans des Originals gerne im Remake gesehen hätten. Dabei ist kaum zu bestreiten, dass gerade diese starre Sicht durchaus Vorteile hatte; darin, cinematischen Sequenzen zu ermöglichen und auch den Aspekt des Unbekannten zu stärken. Immerhin konntest du zumeist nicht sehen, was um dich herum passierte.

Was du vielleicht schon wusstest, aber ich sage es dennoch: Diese Art der Kameraperspektive war zur Zeit der Entwicklung von Resident Evil 2 ein notgedrungenes Muss, da die technischen Möglichkeiten zur Darstellung eines 3D-Raumes in der Zeit noch nicht ausgereift waren. Wäre es also eine gute Idee, diese Perspektive allein aus der Nostalgie heraus zu behalten? Vielleicht nicht – weswegen sich das Resident Evil 2-Remake auch dagegen entschieden hat; du spielst in einer halb-über-die-Schulter-schauen-Third-Person-Perspektive, ähnlich wie in Dead Space oder Batman: Arkham City.
Was durchaus sehr gut funktioniert: Abgesehen davon, dass ich die ganze Zeit mit einer Resident Evil 7-Brille herumgeschlichen bin und allein deswegen gern in der First-Person-Sicht gespielt hätte – was im Spiel nicht möglich ist – schafft es das Remake so, eine Brücke zwischen dem älteren Zombie-Survival-Spielen und der heutigen Generation zu schlagen. Es fühlt sich gut an, in den brutalen Fleischer-Action-Szenen wie auch in jenen leeren Korridoren, durch die du ängstlich schleichst.
Natürlich wäre es möglich gewesen, eine Option zum Wechsel der Kameraperspektive einzubauen. Die gibt es nicht.

Und all das Blut

Wo kommt denn all das Blut her? Ah, das kam aus deinem Display gespritzt, als du Resident Evil 2 gespielt hast. Verstehe. Wie schon Resident Evil 7 – und nein, damit höre ich in diesem Artikel nicht mehr auf – ist das Remake zu Resident Evil 2 selten blutig und ekelhaft. Schießt du einem Zombie ins Gesicht, kann schon einmal der ganze Kopf aufplatzen. Welche Flüssigkeiten aus anderen Monstern im Spiel quellen, wage ich derweil nicht zu vermuten, aber es sind viele und in große Menge, gemischt mit Gedärmen und Körperteilen. Klingt super? Dann wirst du Resident Evil 2 sicherlich mögen.

Auch schlecht sieht es nicht aus: Über einen neu überarbeiteten Feuchtigkeits-Effekt glänzen nicht nur Wände und Böden, sondern auch die Körper der Zombies sowie die Augen der Charaktere. Ist es feucht ist es echt, scheint hier die Direktive zu sein und sie funktioniert seltsamerweise. Während du durch eine Art eklig-feuchte Badeeinrichtung rennst, mit der Taschenlampe leuchtest und jeder Blutspitzer glitzernd reflektiert wird, ist es umso schauriger, solltest du plötzlich Tap Tap Tap Licker-Füßchen auf nassem Boden hinter dir hören:

PlayStation Unterground: Resident Evil 2 - Licker Gameplay

Und weißt du, was noch schlimmer als Licker-Füßchen ist? Die Anzahl der Patronen, die du in einem Licker versenken musst, damit er stirbt. Es ist nicht gerade einfach, nicht zu sterben. Von wegen Headshot und dann gut – selbst, wenn du einen Headshot schaffst, was bei der Steuerung auf der PS4 ein kleines Wunder ist, haut das noch keinen Standard-Zombies um. Ganz abgesehen von einem Licker.

Das Remake ist schwerer, als ich erwartet hatte – und das ist durchaus positiv. Du rennst nicht im Sinne von Resident Evil 5 durch die Gegend und knallst massenhaft Zombies ab; du bist stattdessen vorsichtiger und achtest zudem auf deine Munition. Als ich mit meinem Kollegen René spielte, konnten wir in der kurzen Zeit nicht jeden Raum akribisch nach Patronen absuchen, allerdings wäre es eigentlich nötig gewesen. Ähnlich wie in – du weißt, was jetzt kommt – Resident Evil 7. Dennoch war es ein bisschen lustig, als ich alle unsere Munition in einem Level verschossen hatte, und meinen Controller an René weitergab. Hier ist übrigens sein Eindruck vom Spiel.

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Resident Evil 2 bleibt auch im Remake ein schauriges Spiel; nicht derart schockierend wie Resident Evil 7, aber zumindest doch schaurig. Der Schwierigkeitsgrad sowie die Gore-Effekte tragen effektiv dazu bei, Angst zu schüren; aber ist es dieselbe seltsam-mysteriöse Atmosphäre wie im Original? Nein, ist es nicht. Resident Evil 2 ist in vielerlei Hinsicht mehr ein Spiel aus dem Jahre 2018, als ein Spiel aus den 1990ern. Das ist wohl die wichtigste Erkenntnis, die mir das einstündige Anspielen beschert hat. Abgesehen davon, dass ich Resident Evil 7 ziemlich vermisse.

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