Resident Evil 2 im Test: Zum Glück nicht totzukriegen

Daniel Kirschey 1

Resident Evil 2 ist wieder da. Blutiger, prächtiger und immer noch so intensiv wie damals? Das erfährst du hier im Test.

Resident Evil 2 im Test: Zum Glück nicht totzukriegen

Es ist dunkel im Raum. Ich sitze auf meiner Couch, stiere auf den Bildschirm – neben mir sitzt meine Angst, düster und bedrohlich. Ab und zu schaut sie mich an, meistens dann, wenn sie stärker, präsenter wird, lächelt und fragt mich: „Warum tust du dir das an? Hör doch einfach auf, dich zwingt ja keiner.“

Dass es so einfach ist, stimmt natürlich nicht: Ich Dödel habe mich sofort gemeldet, als es darum ging, wer aus der Redaktion den Test zum Remake von Resident Evil 2 macht. Ich liebe Horrorspiele so sehr, wie sie mich ängstigen. Also für den Test muss ich Resident Evil 2 schließlich spielen, durchhalten und kann keine längeren Pausen einlegen. Das lässt meine Angst anwachsen, so sehr, dass sie Formen annimmt und schlussendlich neben mir auf der Couch Platz genommen hat – ich nenne sie Pavor und beginne ein Zwiegespräch mit ihr.

Altes Haus, Pavor, lange nicht mehr gesehen“, greine ich ihm begrüßend zu. Er schaut mich mitleidig an: „Warum tust du dir das an?“ Warum wohl, denke ich, „Ich mache mir zwar in die Hosen – bildlich gesprochen, aber es ist einfach zu gut. Eigentlich laufe ich die meiste Zeit als Leon nur hin und her, hole einen Gegenstand aus dem Wäscheraum der Polizei-Station und setze ihn im Gang zu den Vernehmungszimmern ein, um ein Stückchen weiterzukommen. Doch auf dem Weg dorthin kann so viel passieren. Das lässt mich nicht los.

In der Haut von Ada darf ich dann noch eine Hacker-Kanone bedienen, mit der ich verschlossene Türen öffnen und eine ziemlich brenzlige Situation überstehen muss. Auch wenn es dieses Hacker-Werkzeug im Original nicht gab: Sie passt und fühlt sich nicht falsch an.

Das Remake von Resident Evil 2 unterscheidet sich in einigen Punkten vom Original:

  • Keine Panzersteuerung
  • mehr Blut und Gedärme
  • keine feste Kamera-Perspektive, Kamera blickt über die Schulter
  • keine festen Hintergründe
  • veränderte Rätsel
  • mehr Handlung

Ankunft in Raccoon City & erste Rätsel

Doch Stopp. Bevor ich erzähle, warum das Spiel großartig ist – vielleicht kennt der eine oder andere Resident Evil 2 noch nicht: Spielte der erste Teil der Kult-Serie noch in einem scheinbar verlassenen Herrenhaus, verschlägt es den angehenden Polizisten Leon S. Kennedy im Remake des zweiten Teils ins Polizeipräsidium der Stadt Raccoon City. Eigentlich hat er sich auf seinen ersten Tag eingestellt, am Ende ist es jedoch wohl der letzte Tag von Raccoon City. Denn wieder einmal hat die Umbrella Corporation für ein Untoten-Problem gesorgt.

Meine Aufgabe als Leon ist im Grunde einfach: überleben und einen Weg aus der Polizeiwache herausfinden. Pavor neben mir räuspert sich: „Da hinter der Ecke, ich wette mit dir, da ist wieder so ein Licker, die Musik schwillt nämlich an. Aber irgendwie unsinnig ist das ja schon, die Medaillons der Statuen einsammeln, um einen Geheimweg aus der Polizeiwache zu finden.

Ich zucke mit den Schultern und versuche den Controller noch etwas fester zu halten; mein Herz pocht: „Na ja, das war ja nicht immer eine Polizeistation. Früher war es ein Museum, deshalb gibt es ja auch noch die große Bibliothek und Statuen – beispielsweise.“ Habe ich noch genug Munition für einen der blinden Licker, die aussehen, als hätte ihnen irgendein verrückter Wissenschaftler am lebendigen Leib die Haut abgezogen und sie auf alle Viere gezwungen? Nur noch drei Schuss im Magazin. Den Licker werde ich damit nicht schaffen.

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Blut, Gewalt & Horror

In Ordnung, ich schleiche an ihm vorbei!“ Meine Angst neben mir, baut sich kraftvoll auf, gewinnt an Masse. Selbst für einen normalen Zombie sind manchmal die drei Kugeln zu wenig. Manche von ihnen stehen auch nach sechs Schüssen in den Kopf nochmal auf. Statt Kanonenfutter ist die Bedrohung der wandelnden Leichen echt. Capcom sei Dank, kann ich sie mit zwei oder drei Schüssen in ein Bein flachlegen, sodass sie nur noch langsam herum robben können. Dabei geht Resident Evil 2 nicht zimperlich mit Blut, Gedärmen und Schleim um. Angeschossene Leichen sehen feucht und schmatzend aus. Resident Evil 2 ist in Deutschland dank der USK-Wertung von ab 18 komplett ungeschnitten.

So ekelhaft Zombies aussehen, so effektvoll ist die Musik und Geräuschuntermalung, treffe ich auf welche. Gurgelnd und schreiend taumeln sie auf mich zu und das auch erstaunlich schnell. Sogenannte Jump Scares setzen, wie wir alle wissen, auch auf laute Geräusche. Unendlich viele gibt’s in Resident Evil zum Glück nicht, doch einige scheinen auch eine Eigendynamik statt geplante Scripts zu sein. Steht direkt hinter einer Tür der eben umgelegte Zombie wieder auf, sitzt die Angst fest und mächtig im Sattel, springt der Untote mir im Moment des Türöffnens ins Gesicht.

Leveldesign & Spieldauer

Hör doch einfach auf dich zu quälen, Daniel“, stichelt mich meine Angst. „Nein, das Level- und Rätsel-Design ist einfach zu gut“, erwidere ich. Auch wenn der Vergleich im ersten Moment merkwürdig klingt, ich habe in Resident Evil 2 immer wieder diese typischen Aha-Gedanken, die ich sonst aus den Souls-Spielen kenne – wenn ich unerwarteterweise nach ein paar fiesen Kämpfen und einem Aufzug später plötzlich wieder in der Eingangshalle der Polizeiwache stehe.

So spielt es sich als Leon in Resident Evil 2.

Resident Evil 2: Gameplay Trailer - Leon und Ada.

Sie ist sozusagen der Feuerbandschrein in Resident Evil 2: Ich bin beispielsweise auf dem Weg zum S.T.A.R.S-Büro, komme gerade so an ein paar Untoten und Zombie-Hunden vorbei, schleiche in den Aufenthaltsraum, öffne eine Tür und schwupps, bin ich wieder in der Bibliothek, die direkt zur Eingangshalle führt. Die ganzen Abkürzungen führen mich meist wieder an den Anfang zurück.

Übrigens: Statt der Panzersteuerung aus dem originalen Teil, schaue ich Leon oder Claire, die sich im Laufe des Spiels immer wieder begegnen, über die rechte Schulter und kann die Kamera drehen, wie ich will.

Trotz des Umstands, dass meine Angst, Pavor, mir inzwischen im Nacken statt neben mir auf der Couch sitzt, spiele ich weiter. Ich will wissen, wie es weiter geht; ich will alle Aufzeichnungen finden, die Licht in die Angelegenheit bringen. Die Notizen bringen mir auch, ohne die Immersion zu brechen, einige wichtige Aspekte bei: Wie ich aus Schießpulver neue Munition mache oder die Pflanzen für den gewollten Effekt richtig vermische. Alles ist aus einem Guss.

Machen dir die Zombies zu viel Angst oder du kannst mit einem Controller einfach nicht gut zielen, bietet dir Capcom einen assistierten Modus an, der dir beim Zielen hilft und der den Schwierigkeitsgrad etwas senkt, aber nichts von seinem Grusel dadurch verschenkt.

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Meine Angst hätte nie gedacht, dass ich durchhalte, bis zum Ende durchspiele – das erreiche ich nach etwa acht Stunden. „Ich kriege dich schon noch klein“, flüstert mir Pavor leise zu und ich starte die Kampagne mit Claire Redfield. „So einfach bekommst du mich nicht los“, presst die Angst grinsend zwischen den Zähnen hervor. Ich kann einfach nicht aufhören, ich spiele weiter. Zwar ähnelt sich die zweite Kampagne deutlich der von Leon, trotzdem gibt es genug Unterschiede, dass sich ein Durchgang trotz meiner Nemesis Pavor lohnt – auch weil sich die Kampagne mit Claire etwas actionreicher spielt.

Wird dir gefallen, wenn du auf Horrorspiele stehst, die weniger auf Action und viel mehr auf intensive Spannung und Überlebenskämpfe setzen.

Wird dir nicht gefallen, wenn du auf Actionspiele mit vielen Waffen und noch mehr Munition stehst oder du Angst nicht aushalten kannst.

Wirst du Resident Evil 2 spielen oder kannst du mit Horrorspielen nicht umgehen? Wie gelingt es dir am besten die Angst auszuhalten? Schreib uns deine Meinung zu zum Remake von Resident Evil 2 in die Kommentare.

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