Darum stehst Du wirklich auf Horror-Games

Richard Benzler

Resident Evil 7 wird am 24.01. auf die Menschheit losgelassen und zur Feier dieses Ereignisses haben wir uns wissenschaftlichen Beistand gesucht, um das absolute Kernelement der Reihe zu erörtern: Angst…

Resident Evil 7 in der Vorschau.

Klingt banal, ist aber leider keine Selbstverständlichkeit mehr… Mit der Angst steht und fällt ein Horrorspiel. Und es benötigt einiges an Fingerspitzengefühl seitens der Entwickler, um im Spieler beißendes Unbehagen auszulösen. Billige Jump-Scares kann jeder.

Aber warum erfreut sich Angst (in Form von Spielen) überhaupt einer derartig großen Beliebtheit? Eine alternative Bezeichnung für Videospiele lautet »Interaktive Unterhaltungssoftware«, doch worin besteht der Unterhaltungswert in Panik und Herzrasen?

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Da wir in der Redaktion keine gescheiten Antworten auf all diese Fragen hatten, holten wir uns kurzerhand einen Sachkundigen ins Boot: Prof. Dr. Borwin Bandelow, ein renommierter Psychiater und Neurologe mit Spezialisierung auf Angsterkrankungen, stand uns Rede und Antwort.


Die wichtigsten Ecksteine aus unserem Gespräch haben wir hier für Dich zusammengetragen:

GIGA GAMES: In Horror-Spielen setzt sich der Spieler bewusst angsteinflößenden Situationen aus. Warum tut sich ein Mensch so etwas freiwillig an?

Prof. Dr. Bandelow: Es gibt eine Lust an der Angst. Beispiel Achterbahn: Dort suggeriert uns unser primitives Angstsystem, dass wir in der nächsten Kurve rausfliegen, und es werden Angsthormone im Gehirn ausgeschüttet. Gleichzeitig werden – wie in jeder Stresssituation – Endorphine ausgeschüttet, das sind Wohlfühlhormone, die Euphorie auslösen, damit wir den Stress besser überstehen. Wenn wir dann die Kurve überleben, sind die Angsthormone weg, nur die Endorphine sind noch im Blut – dafür zahlen wir die 8 Euro.

GIGA GAMES: Wie kommt es, dass Angst und Spaß in Spielen überhaupt verzahnt sind? Schließen sich beide Gefühlslagen nicht gegenseitig aus?

Prof. Dr. Bandelow: So paradox es klingt, Menschen spielen Horror-Games um ihre Angst abzubauen … erst wird dem Gehirn eine täuschend echte Angst-Situation generiert, so dass man denkt, mittendrin zu sein. Dann kommt die Erleichterung, dass es nur ein Spiel ist.

Welches Familienmitglied der Bakers bist Du?*

GIGA GAMES: Kann dieser Horror-Kick abhängig machen oder andere negative, gesundheitliche Konsequenzen nach sich ziehen?

Prof. Dr. Bandelow: Wenn man zu viele Horror-Darstellungen konsumiert, kann man abstumpfen … aber eine Horror-Sucht ist selten.

GIGA GAMES: Nun sind Horror-Spiele eine sehr immersive Erfahrung. Inwieweit verändert die aktive (simulierte) Teilnahme am Horror die Wirkung auf die menschliche Psyche?

Prof. Dr. Bandelow: Immersive Spiele mit vielen grafischen Details kommen der Realität sehr nahe, und unser primitives Angstsystem im Gehirn lässt sich leichter täuschen, wenn das Spiel grafisch sehr detailreich ist.

GIGA GAMES: Sogenannte Virtual-Reality-Brillen ermöglichen es dem Träger, das Geschehen hautnah aus der Ich-Perspektive wahrzunehmen. Wie schätzen Sie diese Entwicklung ein?

Prof. Dr. Bandelow: Auch das kann dazu führen, dass der Spieler noch weiter in das Geschehen eintaucht und der Angst-Lust-Effekt stärker wird.

Auferstanden von den Toten: Resident Evil 7 im Test*

GIGA GAMES: Wie urteilen Sie über den gängigen Vorwurf der klassischen Medien, dass Videospiele verdummen, abhängig oder gewalttätig machen?

Prof. Dr. Bandelow: Leute, die diese Theorie verfolgen, argumentieren damit, dass gewalttätige Menschen, zum Beispiel Amok-Läufer, vor ihren Taten vielfach Shooter gespielt haben, aber man darf nicht Ursache und Wirkung verwechseln. Wer von Natur aus aggressiv ist, wird auch gerne Shooter konsumieren – das heißt aber nicht, dass friedliebende Menschen durch solche Spiele aggressiv werden.

GIGA GAMES: Diese abschließende Frage dürfen Sie gerne mit einem Schmunzeln beantworten: Vor was haben Sie Angst?

Prof. Dr. Bandelow: Als Angstforscher wird von einem ja verlangt, dass man sich Vogelspinnen auf den Kopf setzt oder auf ein 10-Meter-Sprungbrett klettert, vor solchen Dingen habe ich aber genauso viel Angst wie alle anderen.


 Wir bedanken uns bei Prof. Dr. Borwin Bandelow für dieses Gespräch!


Ob Resident Evil 7 tatsächlich die versprochene Horror-Offenbarung dieses Jahres wird, zeigt sich spätestens ab dem 24. Januar, denn dann erscheint der Capcom-Schocker für PC, Xbox One und PS4. Auf die ersten Eindrücke all jener Wahnsinnigen, die diese Tortur in VR absolvieren, sind wir ganz besonders gespannt… Moment mal… das sind ja wir…!?!

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