Resident Evil: Wir blicken zurück auf 20 Jahre Horror-Geschichte

Sebastian Moitzheim 5

Die Resident Evil-Reihe, deren erster Teil heute vor 20 Jahren erschien, ist eines der beliebtesten und einflussreichsten Horror-Franchises der Videospielgeschichte. Wir geben einen Überblick über die Geschichte der Reihe und überlegen, vor welchen Herausforderungen die Macher des nächsten Resident Evil-Spiels stehen.

Resident Evil: Wir blicken zurück auf 20 Jahre Horror-Geschichte

Heute vor 20 Jahren wurde Resident Evil (in Japan als Biohazard bekannt) von Capcom veröffentlicht - der erste Teil einer Reihe, die bis heute fast synonym mit dem Survival Horror-Genre ist. Die Resident Evil-Reihe wurde über 20 Jahre mit regelmäßigen Fortsetzungen und Spin-Offs weitergeführt, und zumindest die direkten Fortsetzungen erhielten bis vor wenigen Jahren stets gute Kritiken. Resident Evil überlebte ein Quasi-Reboot, das das Spielprinzip grundlegend veränderte, und gehört zu den ganz wenigen Videospiel-Franchises, deren Verfilmungen erfolgreich waren (und für die sich Zuschauer und Macher nichtmal schämen müssen).

Resident Evil hat Surival-Horror nicht erfunden, sondern perfektioniert

All das ist besonders bemerkenswert, da Resident Evil das Genre, für das es bis heute wie kein anderes Genre steht, nicht begründet hat: Das war eher das drei Jahre vorher erschienene Alone in the Dark. Resident Evil übernahm davon das Setting – ein mysteriöses Anwesen, was, zugegeben, auch einfach naheliegend für ein Horror-Game ist -, die Zombies als Gegner und das grundlegende Gameplay, ein Mix aus Erkunden, Rätsel lösen und Kämpfen gegen die Zombies. Dennoch wurde es nicht als Abklatsch, sondern als konsequente Weiterentwicklung des Spielprinzips wahrgenommen. Resident Evil, unter der Leitung von Erfinder und Produzent Shinji Mikami, erweiterte die Formel und betonte Aspekte des Gameplays, die essentielle Features des Survival Horror-Genres wurden: Konnte man in Alone in the Dark noch relativ problemlos unbewaffnet gegen die Zombies bestehen, war man in Resident Evil ohne Waffen oder Munition wenn nicht wehrlos, dann den Zombies doch klar unterlegen. Ressourcen- und Inventar-Management wurden so noch wichtiger als in Alone in the Dark, und das Gefühl, den Zombies nahezu hilflos ausgeliefert zu sein, war noch stärker.

Die komplexe Backstory des Universums und der Charaktere half außerdem, Resident Evil eine Identität zu geben, die origineller war als das Spielen mit Versatzstücken aus Horror-Literatur und -Filmen aus Alone in the Dark. Dass diese Story um die finsteren Machenschaften der Umbrella Corporation über alle Resident Evil-Veröffentlichungen weiter erzählt wurde, kann Neulinge oder Gelegenheitsspieler abschrecken (ich habe zum Beispiel nur den Hauch einer Ahnung, worum es in den Spielen gehen soll, obwohl ich zumindest fast alle Teile der Kern-Reihe gespielt habe), stärkt aber die emotionale Bindung der Hardcore-Fans und macht die Resident Evil-Spiele, was die Story angeht, nahezu einzigartig in der Videospiel-Geschichte – lediglich einige wenige Reihen, wie Metal Gear Solid und einige Beat’em Ups, können auf eine über ähnlich lange Zeit erzählte (und ähnlich komplizierte), fortlaufende Geschichte zurückblicken. Von Anfang an gab es außerdem Story-Entscheidungen, die den Verlauf der Geschichte und sogar das Ende des Spiels beeinflussten, womit Resident Evil den Spielern/Spielerinnen mehr Freiheiten gab, als viele andere Spiele es damals taten (und einen aktuellen Trend vorwegnahm).

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Resident Evil 4 - Die Neuerfindung der Reihe

Bis 2004 erschienen zwei weitere Spiele (1998 und ’99) der Hauptreihe sowie eine Reihe von Spin-Offs. Sie vergrößerten das Resident Evil-Universum, vertieften die Hintergrundgeschichte und betrachteten sie aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Beginnend mit Resident Evil Codename Veronica (2000) erschienen Resident Evil-Games außerdem nicht mehr nur noch für die PlayStation, sondern auch für PC und Konkurrenzkonsolen, was die ohnehin schon beachtliche Fangemeinde noch vergrößerte. Dasselbe Spiel ersetzte auch als erstes die vorgerenderten Hintergründe der Vorgänger durch volle 3D-Kulissen. Auch die ersten Teile wurden später auf andere Konsolen portiert, und 2002 erschienen für den GameCube ein erweitertes und grafisch modernisiertes Remake des ersten Teils sowie ein Prequel unter dem Titel Resident Evil Zero. Die Entwicklung von Resident Evil 4 allerdings gestaltete sich problematisch: Lag den ersten beiden Fortsetzungen und den meisten Spin-Offs mehr oder weniger das klassische Gameplay des ersten Teils zu Grunde (mit einer leichten Verschiebung Richtung Action in Teil 3), wollte Mikami im vierten Teil etwas Neues wagen. Dafür beauftragte er zunächst Hideki Kamiya, einen der Designer von Resident Evil 2 und 3. Sein Ziel war es, ein „stylisches“ und „cooles“ Actiongame zu erschaffen – was ihm auch gelang, allerdings entfernte sich das Konzept, das er gemeinsam mit dem Autor von Resident Evil 2, Noboru Sugimura, entwickelt hatte, in Mikamis Augen zu weit von den Survival Horror-Wurzeln des Originals (wobei jetzt, da bin ich mir sicher, so mancher alteingesesse Fan mit den Augen rollen wird, wenn er daran denkt, was dann wirklich aus Resident Evil 4 wurde). Aus diesem verworfenen Konzept für Resident Evil 4 wurde später der erste Teil der Devil May Cry-Reihe.

Mindestens drei weitere Konzepte für Resident Evil 4 wurden entwickelt und verworfen, wobei die Entwicklung der verschiedenen Versionen unterschiedlich weit fortgeschritten war – vom groben Konzept bis hin zum spielbaren Prototypen. Letztlich übernahm wieder Mikami die Leitung, mit dem Ziel, Resident Evil von Grund auf neu zu erfinden. Das Ergebnis war ein Resident Evil 4, das näher an einem Third Person Shooter als am Puzzlebox-Gameplay der Vorgänger war, und das von den Fans gemischt aufgenommen wurde: Manche vermissten das subtilere Gameplay und die dichte Atmosphäre der Vorgänger. Wichtige Elemente dieses klassischen Gameplays, wie die Ressourcen-Knappheit und das Inventar-Management, waren allerdings auch im vierten Teil enthalten. Nur wehrlos fühlte man sich hier selten.

Heute gilt das 2005 zunächst für den GameCube erschienene Resident Evil 4 als moderner Klassiker und ist wohl der Teil der Reihe, der neben dem ersten am meisten Einfluss auf andere Entwickler hatte – allein die Schulterperspektive, bei der sich die Kamera mit dem Protagonisten bewegte, war enorm einflussreich und ist heute Standard in Third Person Actionspielen.

Die Zukunft von Resident Evil

Leider konnten die folgenden Spiele in den Augen vieler Kritiker und Fans nicht die Qualität von Resident Evil 4 halten: Resident Evil 5 (2009) wurde positiv, wenn auch nicht begeistert aufgenommen, allerdings fehlte es gegenüber Teil 4 an Innovation, und die Reviews zu Teil 6 (2012) fielen gemischt aus. Die beiden episodischen Resident Evil: Revelations-Spiele stießen allerdings auf positive Resonanz und der finanzielle Erfolg blieb bestehen.

Es wäre also falsch, die Zukunft der Resident Evil-Reihe als „ungewiss“ zu bezeichnen: Der konstante finanzielle Erfolg von sowohl den Spielen als auch dem mittlerweile ebenfalls sechs Teile umfassenden Filmfranchise garantieren eine Fortsetzung, und das ungebrochene Fan-Interesse deutet auf weiterhin überdurchschnittlichen Erfolg hin. Offiziell angekündigt wurde Resident Evil 7 bislangallerdings nicht, auch wenn der neue Produzent Masachika Kawata kein Geheimnis daraus macht, dass das Spiel in Arbeit ist. In unmittelbarer Zukunft steht lediglich ein Remake des zweiten Teils als neue Resident Evil-Veröffentlichung an. Die durchwachsenen Kritiken von Teil 6 legen nahe, dass eine erneute Generalüberholung des Spielprinzips notwendig wäre – was besonders deshalb eine Herausforderung für Capcom werden könnte, weil Shinji Mikami, der federführend bei den beiden Meilensteinen des Franchise war, das Studio nach Resident Evil 4 verlassen hat.

Hinzu kommt, dass Horror-Fans derzeit nicht gerade über einen Mangel an Veröffentlichungen klagen müssen – im Indie-Sektor erscheinen unzählige neue Horror-Games, die oft eindeutig von Resident Evil beinfluss sind und teils ganz bewusst Fans der Resident Evil-Reihe anvisieren, die nach den letzten, actionorientierteren Veröffentlichungen enttäuscht vom Resident Evil-Franchise waren (siehe zum Beispiel Amnesia: The Dark Descent und SOMA). Dieses neue (oder anhaltende) Interesse an klassischem Survival-Horror ist auch den Verantwortlichen bei Campcom aufgefallen: Laut Kawata sollen kommende Resident Evil-Teile den Fokus wieder mehr auf die Horror-Elemente legen. Wie gesagt: Sorgen muss man sich deshalb wohl keine um die Resident Evil-Reihe machen. Aber nachdem es in der Wahrnehmung vieler dem eigenen Vorbild den Rang abgelaufen hat, über 20 Jahre Maßstäbe im Horror- und Actiongenre setzte und schon einmal einem so grundlegenden Wandel unterzogen wurde, dürfte es spannend werden, zu beobachten, wie Resident Evil sich auch unter diesen neuen Konkurrenten behaupten wird.

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