Resident Evil 7 im Test: Auferstanden von den Toten

Martin Eiser 3

Mit einem Paukenschlag meldet sich Resident Evil zurück. Capcom hat Surival-Horror auf den neuesten Stand gebracht, um Dir damit gehörig Angst einjagen zu können. Warum an Resident Evil 7 kein Weg vorbeiführt und warum es so gut geworden ist, kannst Du im Test nachlesen.

 

Resident Evil 7 im Test.

Eigentlich habe ich nur nach meiner Freundin Mia gesucht, von der ich eine merkwürdige Botschaft erhalten habe. Nun sitze ich aber gefesselt am Tisch mit dieser verrückten Familie und kann kaum sagen, wer mir am meisten Angst macht. Die Mutter ist sehr laut und keift, der Vater ist cholerisch und brutal und der Sohn Lucas erscheint mir komplett unberechenbar. Und dann ist da links von mir noch die Großmutter im Rollstuhl, die fast komplett regungslos da sitzt, aber ich spüre, wie mich ihre glasigen Augen trotzdem die ganze Zeit beobachten.

Als die Situation kurz eskaliert, verlassen drei Bakers den Raum und ich bleibe mit der Alten allein. Ich muss hier raus – und zwar schnell! Doch die Flucht aus diesem Alptraum bringt mich an meine Grenzen. Egal, in welchen Raum ich vordringe, überall erwarten mich neue ekelerregende Details, kaum ein Ort scheint sicher. Alles fault vor sich hin und ein merkwürdiger Schimmel durchzieht das Haus. Was zur Hölle ist hier passiert? Wo ist Mia? Und warum wollen mich diese Hinterwäldler in ihre Familie aufnehmen?

Erst nach etwa 15 Stunden habe ich das Geheimnis gelüftet.

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Zurück zum Anfang

Wofür steht Resident Evil? Das ist eine Frage, die sich nicht nur die Anhänger gestellt haben, sondern auch Capcom selbst. In den letzten Jahren versuchten Entwickler die Reihe zu modernisieren und haben dafür viel Kritik eingesteckt. Insbesondere an Resident Evil 6 wurde viel herumgenörgelt, obwohl selbst dieser Teil seine Fans gefunden hat. Das 20-jährige Jubiläum im letzten Jahr war ein guter Anlass, um in sich zu gehen und sich dem Erbe bewusst zu werden. Wohin soll die Reise eigentlich gehen?

Einen Vorgeschmack lieferte The Beginning Hour, eine kurze Demo des Spiels zur E3 im letzten Jahr. Dieser spielbare Ausschnitt bekam viel Aufmerksamkeit und gab es viele positive Rückmeldung, weil er in den Mittelpunkt rückte, was zuletzt vernachlässigt wurde: Es gab wenig Action, aber dafür viel Spannung. Vom Stil her erinnerte die Demo ein wenig an das ebenfalls gefeierte P.T., das eingestellte Projekt von Hideo Kojima, aus dem eigentlich Silent Hills werden sollte. Neben dieser Tatsache verriet die Demo auch den Schauplatz für Resident Evil 7: eine abgelegene Farm in Louisiana, das Zuhause von Familie Baker.

Durch das Haus erinnert der Einstieg sehr an das Erstlingswerk, bei dem Du Dich durch eine Villa kämpfen musstest. Tatsächlich werden in der Demo aber nicht alle Facetten von Resident Evil 7 gezeigt. Es gibt im fertigen  Spiel einen fließenden Übergang zwischen dem klassischen Horror und Spannung hin zu Action und Gore, ausgeschmückt mit Survival-Aspekten, in denen Du unter Mangel an Ressourcen um Dein Leben kämpfst und ruhigeren Passagen, in denen Du rätseln lösen musst. Dir werden immer wieder die Gelegenheiten gegeben, um etwas zu Verschnaufen, nur um kurz darauf neue Grenzen auszuloten. Es gibt ein paar schwächere Momente, in denen es etwas an Überraschung fehlt, aber die markieren noch lange nicht das Ende.

Resident Evil 7 – Ganze 8 Minuten Gameplay.

Moderner Horror

In Resident Evil 7 erwarten Dich viele vertraute Elemente. Du kannst nur an festen Orten speichern, an denen ein Kassettenrekorder steht. Gleichzeitig funktionieren diese Räume immer auch als sichere Orte, an denen Dir keine Gefahr droht. Neben einem Messer, einer Pistole und einer Schrottflinte kannst Du später noch weitere Waffen finden. Die meisten Sachen sind aber gut versteckt oder können nur über das Lösen von Rätseln erlangt werden – genau wie die grünen Pflanzen zur Heilung und andere nützliche Gegenstände. Und Dir wird auch recht früh beigebracht, dass Weglaufen eine Option ist. Es geht nicht darum, zu gewinnen, sondern darum, zu überleben.

Bei Deiner Flucht kannst Du zwar keine Fallen bauen oder Gegenstände vor Türen schieben wie beispielsweise in Left 4 Dead. Resident Evil 7 bietet eben keine offene Sandkasten-Welt zum Austoben, sondern ist an vielen Stellen sogar ziemlich statisch und gebunden an Skripte. Trotzdem hast Du viele Freiheiten bei Deinem Vorgehen und erkundest Deine Umgebung immer ein Stück weiter – auch mit der Möglichkeit, zurückzugehen. Da wo Dich das Spiel einschränkt, macht es das nur, um Dir eine spannende Geschichte zu erzählen. Fast alles fühlt sich logisch und plausibel an und Du wirst Dich entsprechend gern bis zum Ende durchkämpfen.

Obwohl ich kein Freund von sogenannten Jump-Scares bin, bei denen Du in einem überraschenden Moment sehr unerwartet erschrocken wirst, haben mich diese Momente in diesem Spiel nicht gestört. Sie treten nicht permanent auf, sind gut platziert und sind vor allem nicht das einzige Mittel, mit dem Resident Evil 7 Dir Angst macht. Sie sind daher als eine gute Ergänzung zu verstehen und keine plumpe Panikmache. Gleiches trifft auf den Ekel zu, der Dich durch Gore- und Splatter-Effekte permanent begleitet. Im Laufe des Spiel stumpfst Du zwar etwas ab, aber gegen Ende legt dafür das Tempo zu und die Auflösung der Geschichte kommt voran, so dass sich die Atmosphäre im Spiel ohnehin verändert.

Luft nach oben

Etwas enttäuscht bin ich von der technischen Umsetzung. Abgesehen davon, dass grafisch wahrscheinlich noch etwas mehr drin gewesen wäre und nicht alle Texturen gelungen sind, ist die Soundkulisse etwas schlicht geraten. In einem Spiel, in dem ich so sehr auf jedes Geräusch achte – vor allem auf Schritte – erwarte ich einfach mehr Liebe zum Detail. Außerdem ist es schade, dass die Künstliche Intelligenz nicht öfter zum Tragen kommt, sondern durch feste Skripte gelenkt wird. Manche Figuren gehen sehr spezifischen Mustern nach, die Du leicht ausnutzen kannst. Das schadet etwas dem Angstgefühl und der Panik.

Allerdings kann ich jedem nur empfehlen, Resident Evil 7 mit VR zu spielen. Es ist eine großartige Erfahrung und auch über einen längeren Zeitraum hatte ich keine Probleme – weder mit der Steuerung, noch mit etwaiger Übelkeit. Mir hat die virtuelle Realität sogar geholfen, mit dem Horror umzugehen. Für mein Umfeld wirkte ich wahrscheinlich sehr schreckhaft – ich bin auch gelegentlich zusammengezuckt. Tatsächlich war ich aber zumindest innerlich deutlich entspannter. Sich mit einer einfachen Kopfdrehung umschauen und um die Ecke schielen zu können, hat mir ein sicheres Gefühl gegeben. Außerdem hat das Zielen fantastisch für mich funktioniert, da es direkt an die Kopfbewegung gekoppelt ist. Du fühlst Dich mittendrin im Geschehen und das ist viel besser als gedacht.

Mein Test-Fazit zu Resident Evil 7

Resident Evil 7 ist so etwas wie ein Neuanfang und gleichzeitig besinnt es sich auf seine Wurzeln. Nachdem es zuletzt Kritik an der Ausrichtung der Reihe gab, bringt dieser Teil besser auf den Punkt, wofür Resident Evil steht und gleichzeitig bricht es trotzdem nicht mit der jüngeren Entwicklung. Du bekommst eine gut abgestimmte Mischung aller Elemente, jedes davon gut dosiert und bis zum Ende genießbar. Vielleicht willst Du darin nur einen faden Einheitsbrei erkennen, bei dem keine Facette ausreichend gewürdigt wird. Tatsächlich ist diese Komposition aber ein wesentlicher Grund, warum Resident Evil 7 so abwechslungsreich und spannend ist.

Die Modernisierung der Survival-Horror-Reihe ist geglückt und ich hoffe, dass Capcom an dieser Formel festhält und sie lediglich verfeinert. Zudem hoffe ich inständig, dass bei einem Nachfolger im Vorfeld nicht mehr so viel Überzeugungsarbeit notwendig ist. Es ist so viel zu Resident Evil 7 gezeigt worden, dass einem nicht ganz unerheblichen Teil des Spiels die überraschenden Momente fehlten. Und aus diesem Grund will ich mich auch kurz fassen. Resident Evil 7 ein Best of von dem, was die Reihe populär macht – es verbindet Horror, Spannung, Rätsel, Action, Gore und den schonungslosen Kampf ums Überleben.

Endlich ein Grund zur Panik!

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