Rise of the Tomb Raider Test: Aufstieg einer Videospiel-Ikone?

Dominic Stetschnig 4

Die Grabräuberin ist auf dem Weg nach oben: In Rise of the Tomb Raider will die jung gerebootete Version von Lara Croft uns erneut beweisen, dass sie nicht bereit ist, sich den Abenteurer-Thron mit Nathan Drake zu teilen. Inwiefern ihr das gelang, konnten bisher nur Besitzer einer Xbox One herausfinden. Ab heute ist die PC-Version erhältlich und wir fragen uns: Schafft die Archäologin den Absprung von der Konsole?

Rise of the Tomb Raider Test: Aufstieg einer Videospiel-Ikone?
Rise of the Tomb Raider Launch-Trailer.

Ein Mädchen gegen das Böse

Die Croft ist alt geworden. Kaum zu glauben, aber die ehemals als Pixel-Busenwunder verkaufte Grabräuber-Granate feiert im nächsten Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum. Mittlerweile hat sie sich allerdings vom Silikon- zum Polygon-Wunder gewandelt und versucht, mit imposanter Grafik und besonderen Momenten die Gunst der Videospieler zurückzuerlangen. Im mittlerweile zweiten Teil des zweiten (!) Reboots der Serie schlüpft ihr erneut in die Haut einer deutlich jüngeren Lara, die auf der Suche nach einem uralten Artefakt und dem Vermächtnis ihres verstorbenen Vaters ist.

Dabei fokussiert die Story zwar auf sie als Protagonistin, die Handlung wird aber durch zahlreiche Nebencharaktere und durch den andauernden Konflikt mit einem gnadenlosen Antagonisten vorangetrieben: Der Orden der Trinity ist eine Sekte, die über Leichen geht, um die Welt an sich zu reißen - dabei liefern sie sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der heranwachsenden Archäologin. Sie lernt dadurch, dass der beste Weg zum Überleben das Töten ist - aber hey, irgendwas muss man sich ja von der mittlerweile über einen selbst hinausgewachsenen Kopie abschneiden!

Bilderstrecke starten
20 Bilder
Diese Spiele dürfen auf deiner PS4 auf keinen Fall fehlen.

Offene Welt, offene Gräber

Der Vorgänger mit dem simplen Titel Tomb Raider hat den Kurs gesetzt: Die neue Lara ist jung, zerbrechlich und muss erst einstecken um zu lernen, wie man austeilt. Und das neue Image kam gut bei den Fans an! Weniger jedoch, dass durch die Umstellung auf ein Open-World-Prinzip die klassischen Grab-Rätsel für viele zu kurz gekommen sind. Höhlenerkundungen mit Schalter-Rätseln wurden durch Jagd- und Crafting-Einlagen ersetzt.

Auch der zweite Teil mit dem Titel Rise of the Tomb Raider beruft sich auf eine offene Spielwelt, gibt jedoch den Spielern öfter die Gelegenheit, Gräber zu plündern. Eine ähnliche Abfolge der gameplaybezogenen Schwerpunktverlagerung durften wir bereits bei Uncharted feststellen: Während im ersten Teil das Erledigen von Gegnerwellen im Vordergrund stand, schraubte man die Schusspassagen in Uncharted 2: Among Thieves zurück und nutzte die freigeräumte Spielzeit für Rätsel und Erkundungstouren.

Rise of the Tomb Raider verfolgt ein ähnliches Prinzip: Zusätzlich zu den optional erkundbaren Gräbern gibt es nun auch einige für die Story relevante Grabstätten, die teilweise enorm große Ausmaße annehmen und zu begeistern wissen.

Generell lassen sich die Locations wirklich sehen: Das Insel-Setting des Vorgängers wurde um ein paar Elemente erweitert; fast schon zu den Wurzeln zurückkehrend stürzt ihr euch im modischen Parka durch das Hochgebirge oder schleicht knapp bekleidet durch sandige Dünen. Dabei spart das Spiel nicht an beeindruckender Grafik und noch beeindruckenderen „Wow“-Momenten. Es wird euch einige Male passieren, dass ihr aus einer dunklen Höhle heraustretet und plötzlich vor einem malerisch ausgeleuchteten Panorama steht, das euch fast dazu auffordert, ein paar Minuten inne zu halten. Dürft ihr auch, sollte euch nicht eine Zwischensequenz den Moment ruinieren.

Lust bekommen? Hier kannst du Rise of the Tomb Raider bestellen! *

Womit wir zu einer Schwachstelle stoßen, für die ich wenig Verständnis habe: Seitdem der Charakter von Lara ausgearbeiteter ist und mehr Wert auf Story gelegt wird, bin ich eigentlich davon ausgegangen, dass filmisch erzählte Zwischensequenzen mich in die Handlung hineinziehen. Nun, nicht nur, dass die deutsche Synchronisation sehr zu wünschen übrig lässt (ich weiß, es ist ein leicht gefundenes Fressen auf einer lokalen Synchro rumzuhacken, aber um Himmels willen, was ist denn da bitte falsch gelaufen?!) - auch Aufbau und Dynamik der Zwischensequenzen erinnern teilweise an die Inszenierungskunst einer Schultheater-AG. Da hätte man seine Hausaufgaben durchaus machen können, um nicht meterweit hinter dem Hollywood-Touch von Uncharted zurück zu liegen.

Neues Modell, alte Teile

Ansonsten würde ich eigentlich gerne über die Neuerungen von Rise of the Tomb Raider sprechen, doch die halten sich (abgesehen von den zahlreicheren Tombs) wirklich in Grenzen. Jetzt kann man darüber philosophieren, ob das denn etwas Gutes oder etwas Schlechtes ist. Der Vorgänger war ein richtig gutes Spiel, darin besteht kein Zweifel. Und getreu nach dem Credo „Never change a running system“ macht Lara in ihrem neuen Abenteuer auch wirklich nichts falsch. Neue Settings, neue Charaktere, altbekannte Spielmechanik.

An Basis-Lagern könnt ihr wie gehabt die Schnellreisefunktion benutzen, eure Fähigkeiten im Skill-Tree verbessern und Waffen-Upgrades basteln. Diese werden durch Erfahrungspunkte, die ihr im Verlauf des Spiels sammelt, finanziert. Der Eispickel bleibt weiterhin euer bester Freund, sowohl in den gewagten Klettereinlagen als auch im Nahkampf.

Immerhin blieb mir eine Befürchtung erspart: Nachdem man in zahlreichen Gameplays vorab Lara als blutrünstige Killermaschine dargestellt hat, die ihre Feinde niedermäht wie ein Vertikutierer mit Pferdeschwanz, dachte ich, dass der Action-Fokus auf das Töten noch stärker bedient wird als beim Vorgänger. Das Gegenteil ist der Fall: Fast immer habt ihr die Möglichkeit, zu schleichen und komplett ohne Konfrontation die Gegner zu umgehen. Jede Möglichkeit, die ihr wählt, macht Sinn, selbst wenn eure Widersacher nicht immer besonders klug reagieren. Das wiederum mündet in der Stärke, die Rise of the Tomb Raider innehält: Ohne euch zu überladen, bietet euch der Titel eine Spielerfahrung, in der ihr selbst das Tempo vorgeben könnt und euer Handeln einen Zweck erfüllt. Selbst die zahlreichen Neben- und Sammelquests machen in das Spieluniversum eingebunden Sinn, ohne euch zu sehr vom Kern des Spiels abzulenken.

Unser Test-Fazit zu Rise of the Tomb Raider

Rise of the Tomb Raider bietet sehr gute Action-Kost mit Einbußen, die größtenteils nicht spielerischer Natur sind. Unausgereifte Zwischensequenzen und die marginalen Unterschiede zum Vorgänger sind die größten Macken, die der Titel vorzuweisen hat. Leider ist zweitgenannter Punkt das, was dem Titel vielleicht sogar letzten Endes das Genick brechen könnte: Microsoft hat sich von der Zeitexklusivität des Titels für die Xbox One (Besitzer einer PlayStation 4 kommen wahrscheinlich erst im November 2016 in den Genuss des Spiels) sicher ein schlagendes Kaufargument für die eigene Konsole im Weihnachtsgeschäft erhofft. Das wird leider nicht geliefert, da man im Grunde genommen ein Spiel bekommt, welches schon zwei Jahre alt ist. Da sieht es auch für den PC nicht anders aus.

Rise of the Tomb Raider ist also ein „freudiges Schmankerl“ für alle Besitzer einer Xbox One und eines PCs, die immer neidisch auf den Uncharted-Hype am anderen Ufer des Konsolen-Sees blicken. Schade drum, denn das Potential hätte der Titel wirklich gehabt. Lara hat sich schon zwei Mal neu erfunden, neue Maßstäbe zu setzen, wäre auch für dieses Spiel drin gewesen. Stattdessen weiß man, was man bekommt - aber das ist ja oft auch nicht die schlechteste Option.

Zum Test stand uns die Version für Xbox One und den PC zur Verfügung. Die Version für PlayStation 4 erscheint im November 2016.

Die GIGA GAMES Wertungsphilosophie

Wie gut kennst du Tomb Raider? (Quiz)

In wenigen Tagen wird Rise of the Tomb Raider veröffentlicht und um euer Wissen rund um Lara Croft noch einmal aufzufrischen oder der ganzen Welt zu beweisen, was für ein großer Fan ihr seid, haben wir hier ein Quiz für euch. Viel Erfolg!

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Weitere Themen

Neue Artikel von GIGA GAMES

  • Spiele, die dich fürs Bösesein belohnen

    Spiele, die dich fürs Bösesein belohnen

    Warum werden Protagonisten in Spielen eigentlich immer dazu aufgefordert gut zu handeln? Es wäre doch wesentlich interessanter die Wahl zu haben, ob du dich moralisch einwandfrei oder eher fragwürdig verhältst. Wir von GIGA GAMES haben eine Liste mit Spielen zusammengestellt, die dich selber darüber entscheiden lassen und dich für böse Handlungen belohnen.
    Steffen Marks
  • Dragon Quest Builders 2: Alle Räume und Sets - Baupläne mit Liste

    Dragon Quest Builders 2: Alle Räume und Sets - Baupläne mit Liste

    In Dragon Quest Builders 2 bestimmen die platzierten Gegenstände in einem Raum darüber, was für eine Art Raum er wird. Auf diese Weise könnt ihr Küchen, Bäder, Schlafzimmer und viele weitere Zimmer bauen. Doch welche Gegenstände führen zu welchem Raum? Unsere Liste mit allen Bauplänen verrät es euch.
    Christopher Bahner
  • FaceApp lässt ikonische Videospielcharaktere alt aussehen

    FaceApp lässt ikonische Videospielcharaktere alt aussehen

    Bereits 2017 hat FaceApp das Netz erobert und Menschen auf allter Welt digital altern lassen. Jetzt erfreut sich das Programm erneut großer Beliebtheit, sodass auch wir erneut die Chance genutzt haben, unsere Lieblingshelden und -heldinnen ins virtuelle Altersheim zu schicken.
    Lisa Fleischer 1
* Werbung