Robinson – The Journey: Die Dinos zeigen, wie VR klappen könnte

Lukas Flad 4

Riesige Dinosaurier und eine unerforschte Welt – Crytek weiß genau, wie man den inneren Entdecker wachrüttelt. Wenn das ganze Abenteuer dann aber auch noch mit VR-Unterstützung realisiert wird, dann sollten auch Personen, die eigentlich keine Dinos mögen, genau hinsehen: Willkommen in der Welt von Robinson: The Journey.

Als sich die Türe meiner Kapsel öffnet, blendet mich die Sonne. Ich kneife die Augen etwas zusammen und sehe dabei zu, wie sich die Welt vor mir auftut. Pflanzen, Bäume und große Felsbrocken schmücken die Landschaft. Ich laufe ein paar Schritte nach vorne und sehe mich um. Ich befinde mich auf einer Art Anhöhe. Hinter mir zieht sich eine riesige Felswand in die Höhe und vor mir, vor mir sind die Dinosaurier.

Robinson The Journey - PlayStation VR Trailer.

Robinson: The Journey heißt das neueste Spiel aus dem Hause Crytek. Pünktlich zur Veröffentlichung von PlayStation VR will der Frankfurter Entwickler deutlich machen, dass die virtuelle Realität nicht nur kleine Demos, sondern auch volle Spielerfahrungen hervorbringen kann. Dafür wirst Du auf einen fremden Planeten geschickt, der von Dinosauriern und einem großen Geheimnis bewohnt wird.

„Crytek hat schon immer die Idee von Immersion geliebt“, meint Art Director Pascal Eggert, „und wir lieben es einfach, Leute in andere Welten zu entführen.“ Die Demos, welche man vor zwei oder drei Jahren gespielt hat, hätten immer nach demselben Muster funktioniert: Entwickler stellen sich die Frage, was in VR funktioniert und was nicht und setzten das dann eben um. Crytek ging aber noch einen Schritt weiter: „Wir stellten uns einfach die Frage, wie würde sich das VR-Erlebnis denn anfühlen, wenn es ein komplettes Spiel wäre?“

Langsam, gaaanz langsam

Eggert beschreibt Robinson: The Journey als ein „Detektiv-Puzzle-Spiel im Weltraum“ und scheint damit die Quintessenz des Spiels wirklich perfekt wiederzugeben: Erkunden, Entdecken, Rätsel lösen und Geheimnisse aufdecken. Es sind diese vier Punkte, die das Adventure von Spielern fordert.

Du schlüpfst in die Rolle von Robin, einem Jungen, der auf dem fremden Planeten Tyson III die Hinterbliebenen eines Raumschiffabsturzes zu finden versucht. Viel mehr wollte mir Crytek über den Hintergrund und die Handlung nicht verraten und das ist auch verständlich, immerhin stellt das Lösen des Geheimnisses die Hauptmotivation im Spiel dar.

Während Robin die wilde Vegetation des Planeten durchquert, wird er von zwei weiteren Charakteren begleitet. Der schwebende KI-Roboter HIGS und Laika, die nicht etwa ein Hund, sondern ein waschechter Baby-Tyrannosaurier ist. Während der runde Ball Robin mit lustigen Sprüchen und Hinweisen unterhält und so die Geschichte vorantreibt, hilft Laika ihm unter anderem dabei, manche der zahlreichen Rätsel zu lösen. Letztere machen einen wichtigen Teil in Robinson: The Journey aus. Besonders da sie das ohnehin schon langsame Gameplay nochmals angenehm ruhiger machen.

Du bewegst Dich mittels der sogenannten Snap-Rotation durch die Welt von Robinson. Das bedeutet, dass Du die Kamera mit den Schultertasten immer nur eine gewisse Anzahl an Grad nach rechts oder links bewegen kannst – sie rastet also nach jeder Bewegung ein. Das hat den einfachen Grund, dass vielen Menschen sehr leicht schlecht wird, wenn sie eine VR-Brille für eine längere Zeit tragen. „Wir müssen ein Spiel machen, das zwar beeindruckende Szenen enthält, aber vom Gameplay her eher auf das Sehen und das Denken eingeht“, beschreibt Eggert den Prozess hinter der Entwicklung. Sobald es im Spiel zu hektisch wird, brechen demnach viele ab.

Es ist also gut, dass Crytek bei Robinson: The Journey ein paar Gänge zurückschaltet, schnelle Bewegungen sehr sparsam einsetzt und dann auch mal das Tempo komplett herausnimmt, um Dich vor die bereits erwähnten Rätsel zu stellen. Bei diesen ist es wichtig, die Umgebung genau zu durchforsten, da es überall kleine Hinweise gibt, die zur Lösung beitragen. Da musst Du mal ganz klassisch einem Kabel auf dem Boden folgen und im nächsten Moment mit Roboter HIGS einen Stromkreis schließen. Der Schwierigkeitsgrad der Rätsel ist allerdings nicht allzu hoch, da das Spiel eben für jeden etwas bieten will und das Eintauchen in die Welt nicht durch langes Nachdenken unterbrochen werden soll.

Damit die Action dann aber nicht ganz fehlt, hat Crytek unter anderem einzelne Kletterpassagen ins Spiel eingebaut. Die hier verwendete Steuerung wurde auch schon bei The Climb verwendet, einer VR-Klettersimulation für die sich das Studio ebenfalls verantwortlich zeigt.

Dinosauriern auf der Couch begegnen

Crytek möchte mit Robinson: The Journey das VR-Erlebnis so angenehm wie nur möglich machen. Dazu gehört auch, dass man das Spiel bequem von der Couch aus spielen kann – so würde es zumindest Eggert gerne sehen. Und diese Designentscheidung ist auch an unterschiedlichen Stellen zu spüren: Etwa dadurch, dass die Move-Controller nicht unterstützt werden, sondern lediglich auf die normalen Controller zurückgegriffen wird. Schließlich wäre es ungemütlich, sich auf der Couch auch noch viel bewegen zu müssen. Du sollst einfach in die Welt von Robinson eintauchen und das funktioniert wirklich gut.

Überall gibt es was zu sehen. Es kriecht, es schwirrt, und, wenn man mal die Augen schließt und aufmerksam hinhört, dann verursacht alles auch eigene Geräusche. Das sorgt nicht nur für eine dichte Atmosphäre, sondern motiviert, jeden einzelnen Winkel des Planeten erkunden zu wollen. Nicht unbedingt den gesamten, dafür aber zumindest einige Areale darf man während des Abenteuers entdecken. Diese sind der Reihe nach angeordnet und werden immer düsterer.

Ebenfalls beeindruckend gruselig sind die Hauptattraktionen, die Dinosaurier. „Neunzig Prozent real, zehn Prozent fiktiv“, sagt Eggert auf die Frage, wie viel Freiraum man den Designern denn gelassen hat. Und tatsächlich erinnern die Dinos trotz kleinerer Anpassungen (beispielsweise einem Horn auf dem Kopf) an jene große Lebewesen, die man sich eben so vorstellt. Dreißig Kreaturen haben es ins fertige Spiel geschafft und jede von ihnen gibt es noch in unterschiedlichen Varianten. Für Dinosaurier hat man sich übrigens entschieden, weil „gewaltige Dinge in VR super funktionieren“.

Die Entscheidung Robin auf einem fremden Planeten stranden zu lassen, entstand unter anderem durch die momentanen Fortschritte in der Wissenschaft. „Man sucht derzeit nach erdähnlichen Planeten und das begeistert uns alle. Das ist ein spannendes und interessantes Thema“, sagt Eggert und fügt gleich noch hinzu: „Außerdem kennen die Leute die richtige Welt und wir wollen nicht, dass sie herumlaufen und sagen, dass das aber nicht so aussieht wie in echt.“

Besonders der letzte Punkt war den Entwicklern wichtig: Da VR-Titel den Spieler unmittelbar in eine virtuelle Welt versetzten. Und wenn er diese Welt dann direkt vor sich sieht, beginnt er auch automatisch diese nachgebaute Umgebung mit der realen abzugleichen. Indem Crytec den Handlungsort nun auf einen weit entfernten, erdähnlichen Planeten verfrachtet haben, wollen sie diesem Drang des Spielers vorbeugen. Die Umschreibung Eggerts „eine Alien-Version von der Erde“ kreiert zu haben, ist daher gar nicht so verwerflich.

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Ein immersives Abenteuer

Während meiner kurzen Reise durch die Welt der lebenden Dinosaurier wurde bereits die Richtung deutlich, in die sich Crytek mit Robinson: The Journey bewegt: ein altes Adventure-Game. Eggert sieht darin ein Genre, das „schon seit viel zu langer Zeit vernachlässigt“ wurde – zumindest im AAA-Segment. Dass sich Crytek dem nun annehmen will, ist wunderbar und es sieht momentan auch danach aus, als wäre das Entwicklerstudio damit erfolgreich.

Viele kleine Ideen sorgen für eine eindrucksvolle VR-Erfahrung. Zum Beispiel erlaubt es mir eine Spielmechanik, die verschiedenen Kreaturen zu scannen und anschließend einen Datenbankeintrag zu erhalten. Dadurch erfahre ich immer mehr über den mysteriösen Planeten und auch das abgestürzte Raumschiff am Horizont. Das ist zwar nicht neu, sorgt aber in Verbindung mit VR dafür, dass ich meinen Kopf drehen und recken muss, um das gewünschte Endergebnis zu erzielen.

Zugegeben, ich bin eine dieser kritischen Stimmen, wenn es um VR in der Spielebranche geht. Zu unsicher ist mir das Konzept, da ich das Wort Motion Sickness nur hören muss, um Übelkeit zu verspüren. Es mag nun an PlayStation VR, der Cry-Engine oder an der Tatsache liegen, dass ich das VR-Erlebnis eben schon gewohnt bin, aber ich glaube, dass Crytek mit Robinson: The Journey auf einem guten Weg ist. Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, um die virtuelle Realität in Videospielen auch für Gelegenheitsspieler interessant zu machen.

Die Herangehensweise ist gut. Crytek will gar nicht erst ein ursprünglich für die „normale“ Spielerfahrung konzipiertes Spiel in die virtuelle Welt portieren, sondern versucht gleich vorweg das Spiel nur für VR zu entwickeln. Das dieses Konzept gut funktioniert, hat mir Robinson: The Journey während des Anspielens gezeigt. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, wie gut die Welt gefüllt und wie packend die Geschichte inszeniert wird. Insgeheim freue ich mich aber schon darauf den Dinosauriern nochmals einen Besuch abzustatten, denn so könnte ein Vollpreistitel in VR wirklich funktionieren.

Robinson: The Journey wird noch in diesem Jahr für die PlayStation 4 erscheinen. Du benötigst logischerweise PlayStation VR, um das Spiel zu spielen.

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