Robinson - The Journey im Test: Blick in die VR-Zukunft, die spielerisch in der Vergangenheit hängt

Martin Eiser 3

Crytek weiß, wie aus einer Plattform das Beste herausgeholt werden kann. Auch Robinson: The Journey schaut als Spiel wirklich schön aus und zeigt, zu was PlayStation VR imstande ist. Warum es trotzdem nur eine teure VR-Demo geworden ist, erklärt unser Test.

Robinson: The Journey - E3 2016 - An Adventure Begins.

Wer an Jurassic Park denkt, hat wahrscheinlich auch sofort diesen ersten wirklich epischen Moment im Kopf. Als eine starke Erschütterung in den Wasserbechern im Auto sichtbar wird, herrscht für einen Augenblick absolute Anspannung. Kurz darauf taucht der Tyrannosaurus Rex auf und lässt Dir das Herz noch weiter in die Hose rutschen. Nicht ohne Grund ist der Film und vor allem diese Szene ein echter Klassiker geworden, und die Faszination an Dinosauriern bis heute ungebrochen – für das kommende Jahr bastelt etwa Sony an Horizon: Zero Dawn.

Aufbauend darauf hätte auch Robinson: The Journey ein Meisterwerk werden können. Dank virtueller Realität geht es schließlich erstmals ganz nah ran an den Urzeitwesen. Tatsächlich gibt es auch ein paar Momente, in denen ich laut „Wow!“ rufen musste, weil plötzlich ein riesiger Dinosaurier vor mir aufgetaucht ist. Leider ist das nicht besonders oft der Fall, und einige Mechaniken machen das Adventure zu einer echten Spaßbremse, die noch dazu recht kurz ausfällt, aber trotzdem den vollen Preis dafür verlangt.

Die Tücken von VR

Nervig ist bereits die Steuerung. Einerseits gibt es das typische VR-Problem: Wie bei vielen PSVR-Titeln erfolgt eine Drehung in festen Abständen, die sich dadurch etwas abgehackt anfühlt. Im Gegenzug soll Dir aber mit Hilfe dieses Tricks weniger schnell schlecht werden. In den Einstellungen kannst Du zwar auf eine freie Steuerung umstellen, allerdings kann ich das aus den erwähnten Gründen nicht empfehlen – ein ansonsten flauer Magen zwingt Dich dann zu mehr Pausen. Du hast also die Wahl zwischen körperlichem Wohlbefinden oder einer natürlichen Bewegung.

Wirklich störend ist jedoch, dass der Charakter gern mal irgendwo hängen bleibt. Der Grund dafür hängt mit den engen Grenzen der Welt zusammen, in der Du Dich bewegst. Nicht immer ist sofort ersichtlich, wo Du entlang laufen kannst und wo nicht. Selbst auf kleinste Anhöhen kommt der Charakter manchmal nicht rauf. Insbesondere weil die urzeitliche Welt sehr gut getroffen ist – abgesehen von ein paar wirklich schwachen Texturen im Dschungel – stören solche Unterbrechungen im Spielfluss.

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Einen interessanten Kompromiss hat das Studio für die Hände gefunden, der aber ähnlich unbeholfen wirkt wie die Laufbewegung. Der Arm mit dem Scan- und Gravitations-Werkzeug in der Hand ändert seine Position auf dem Bildschirm im Grunde nie, denn er ist fest an Deine Kopfbewegung gebunden. Du kannst also nur in die Richtung zielen, in die Du schaust. Und obwohl das Ding an einen Move-Controller erinnert, wird diese Steuerungsmöglichkeit nicht unterstützt. Dadurch fühlen sich viele Bewegungen nicht so authentisch an, wie sie könnten.

In Robinson: The Journey hast Du drei Aufgaben. Zum einen sollst Du die Umgebung erkunden und dafür die Tierwelt scannen, um mehr Daten zu erhalten. Mit dem entsprechenden Werkzeug zielst du auf das gewünschte Lebewesen und sammelst alle grünen Punkte ein, die im Scan-Modus sichtbar werden. Bei größeren Tieren werden auch rote Punkte angezeigt, die Du auf jeden Fall meiden solltest, da sonst die Sammlung für dieses Tier zurückgesetzt wird. Auch hier gibt es Frustmomente, weil das Erfassen der Punkte etwas ungenau ist.

Hübsch, aber frustrierend

Der andere Aspekt des Spiels ist die Erkundung und das dazugehörige Lösen von Rätseln. Während Du langsam durch die Welt spazierst – Rennen ist auch in Gefahrensituationen nicht möglich, da Dir ja sonst schlecht werden könnte – stößt Du immer wieder auf Hindernisse. Mal musst Du für Wasser sorgen, um Pilze aufgehen zu lassen, damit sie Dir Halt beim Klettern geben können. An anderer Stelle musst Du Dein niedliches, kleines Haustier Laika, ein Baby-Tyrannosaurus, auf ein paar Pflanzenfresser jagen, damit sie Platz machen. Für die meisten Dinge brauchst Du Dein Gravitationswerkzeug, um Wrackteile zu bewegen.

Die Aufgaben sind simpel, aber leider trotzdem nicht immer ersichtlich. Wer Adventures gewohnt ist, kennt vielleicht so etwas wie ein Inventar – selbst wenn es rudimentär ist. In Robinson: The Journey wird aber nie erklärt, warum der Überlebende, den Du steuerst, so wirklich gar nichts tragen kann. Und auch viele kreative Lösungen unterbindet das Spiel in seiner eigenen beschränkten Logik. Um die Pilze mit Wasser zu versorgen, wollte ich sogar Gefäße mit dem Gravitationswerkzeug mit Wasser füllen. Ab einer bestimmten Entfernung zum Ursprung verschwinden diese Objekte aber automatisch.

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Das Problem an dieser Stelle ist, dass Dir bei einem solchen halbwegs real wirkenden Szenario ganz andere Ideen für den Lösungsweg im Kopf herumschwirren, aber das Spiel oft auf eher plumpe Antworten setzt und versucht, diese gut zu verstecken – etwa durch einen unscheinbaren Vorsprung an der Seite eines Fensterrahmens. Keines der Rätsel in Robinson: The Journey ist wirklich fordernd. Selbst die kleinen Stromkreis-Puzzle mit Deinem schwebenden Roboter-Begleiter Higs sind rasch gelöst.

Bei manchen Aufgaben bin ich mir auch bis jetzt nicht sicher, ob ich sie wirklich gelöst habe, oder ob es nur ein Bug im Spiel war. Hoch in den Bäumen im Dschungel sind an einem gespannten Seil zum Wechseln der Seite ein paar Hindernisse im Weg. Beim Rüberrutschen stößt Du damit zusammen und stürzt ab. Zuvor habe ich gelernt, dass ich diese Hindernisse mit Gegenständen aus dem Baum schießen kann. Funktioniert hat es an der Stelle aber nicht. Stattdessen habe ich beim Rutschen im Sekundentakt immer wieder einen Arm losgelassen. Irgendwie hat es funktioniert, aber warum, das weiß ich nicht. An anderer Stelle hat das automatische Speichersystem offenbar einen wichtigen Fund nicht richtig gezählt, ohne, dass ich die Stelle wiederholen konnte.

Mein Test-Fazit zu Robinson: The Journey:

Robinson: The Journey war einer jener Hoffnungstitel, die zeigen sollten, was VR heute leisten kann. Ich bin tatsächlich etwas ernüchtert, denn irgendwie fühlt sich auch dieses Vollpreis-Spiel noch immer wie eine etwas längere Demo an. Das Adventure demonstriert wirklich gut, wie hübsch auch eine größere, offen gehaltene Welt mit PlayStation VR ausschauen kann. Abgesehen von ein paar schwachen Texturen hier und da, gibt es ein paar traumhaft schöne Orte. Spielerisch zeigt es mir aber eher, dass die Stärken von Crytek wahrscheinlich in einem anderen Genre liegen.

Die Spielzeit von Robinson: The Journey variiert ein wenig danach, wie schnell Du die Logik des Spiels verinnerlicht hast und wie gut Du bereits mit virtuellen Welten klarkommst. Einige können das Ende bereits nach drei Stunden erreichen, andere werden deutlich mehr Zeit investieren. Doch egal, wie lange du am Ende mit der Reise beschäftigt bist, wirklich befriedigend ist das Adventure zum Vollpreis nicht – vor allem nicht mit den vielen kleinen Bugs und der fehlenden Move-Steuerung. Und so werde ich auch die wenigen schönen Momente mit Robinson: The Journey wahrscheinlich schon bald vergessen haben. Schade.

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Die Test-Wertung zu Robinson: The Journey findest Du weiter unten.

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