3. Charakter-Editoren: Einer von Vielen

Jonas Wekenborg 6

Nicht groß anders spielt es sich bei Online-Rollenspielen ab. Hier ist es besonders wichtig, dass man sich von der großen Masse abhebt. Ob in den Weiten des Star Wars-Universums oder auf den Straßen von San Paro, Azeroth oder den fantastischen Gebieten eines japanophilen Free2Play-Rollenspiels – überall besteht der Anspruch nach Individualität.

Nehmen wir Star Wars: The Old Republic als Beispiel. Möglicherweise haben sich die Entwickler bei BioWare zu lange der Lektüre der Klonkriegs-Literatur gewidmet, denn was uns hier an Charaktergenerierung geboten wurde, ist ein übler Scherz. Zwar haben wir diverse Rassen zur Auswahl, doch bis auf ein paar Metallplatten im Gesicht, einigen Tentakeln oder wenig schicklichen Hautfarben unterscheiden sich hier die verschiedenen Charaktere kaum voneinander.

Dabei hat es Urgestein World of Warcraft doch anno dazumal so gut vorgemacht, wie man unterschiedliche Rassen darstellt. Mit mittlerweile fünf unterschiedlichen Rassen pro Fraktion besitzt man schon einmal eine gute Chance, nicht wie einer der anderen Raid-Partner auszusehen. Die Möglichkeiten in sich waren zwar beschränkt, doch immerhin erkannte Blizzard bald, dass ein Ingame-Frisör die Spielerschaft um einiges glücklicher machte.

Es gibt allerdings auch Spiele, die einen extrem ausgeprägten Charakter-Editor besitzen, in denen dann die anderen wichtigen Features ein wenig zu kurz geraten sind. Bestes Beispiel hierfür stellt sicherlich All Points Bulletin: Reloaded dar. Selten habe ich so viele Einstellungsmöglichkeiten für die Individualisierung gesehen, nie habe ich im Spiel einen Charakter getroffen, der mir nur ansatzweise ähnlich war. Über das Gameplay möchte ich an dieser Stelle allerdings kein Wort verlieren.

Behandlung der Symptome:

Eine Entscheidungsneurose kann nur durch kalte Gegenwehr behandelt werden. Viele Betroffene leben allerdings ihr Leben lang damit, Spiele nicht bis zum Ende mit ein und demselben Charakter durchzuspielen. Mitunter schaffen sie es gar nicht.

Heutige Spiele in der Zeit hochauflösender Texturen konzentrieren sich allzu häufig auf andere wichtige Elemente, vergessen dabei aber oft, dass ein Rollenspiel eben dadurch lebt, dass sich der Spieler in die Rolle des Protagonisten hinein fühlen kann. Daher wird es, bis eine Heilung für die Charakter-Generatoren Hass-Liebe von Rollenspielern gefunden wurde, weiterhin heißen: Wer die Wahl hat, hat auch die Qual.

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