Royal Blood: Großes Potenzial auf kleinem Bildschirm

Emily Schuhmann

Den Sprung auf das Mobiltelefon wagen aktuell immer mehr Spiele. Das koreanische Royal Blood ist ein neues MMO für unterwegs. Wir wollten wissen, was es zu bieten hat.

Massively Multiplayer Online-Games oder kurz MMOs sind nirgendwo so erfolgreich wie in Südkorea. Vielleicht sollte ich wirklich darüber nachdenken, dort hinzuziehen? Seit Jahren habe ich so ziemlich jedem im Westen veröffentlichten Videospiel dieser Art eine Chance gegeben. Die Suche nach einem neuen Abenteuer war allerdings nicht sonderlich oft von Erfolg gekrönt. Wie nennt man das noch gleich, wenn man immer dasselbe tut und einen anderen Ausgang erwartet? Durchhaltevermögen? Ach nein, Wahnsinn.

Es sollte niemanden überraschen, dass Südkorea auch das Land ist, in dem seit einer Weile MMOs auf mobilen Geräten durchstarten. Das bei uns am 5. Juni erschienene, kostenlose Royal Blood ist einer der neuesten Anwärter auf die Krone. Unter anderem konkurriert es dabei mit Lineage 2: Revolution, einem mobilen MMO, das allein in Südkorea im ersten Monat über 175 Millionen US-Dollar generierte. Eine stattliche Zahl für ein Freemium-Spiel.

Royal Blood: Offizieller Trailer zum Mobile-MMORPG.

Das für Royal Blood verantwortliche, in Seoul ansässige Unternehmen Gamevil ist ein Underdog im stark umkämpften Markt. Um aus der Masse hervorzustechen, setzen sie auf eine besonders schön aussehende Welt voller Spieler. Wenn du es selbst ausprobieren willst, sollte sich dein Smartphone deshalb auch auf dem Level eines iPhone 6, Samsung Galaxy S4 oder höher befinden.

Gamevil entschied sich bei der Entwicklung für Unity, weil sie damit bereits Erfahrung haben. Interessanterweise sind mehr als die Hälfte aller Mitarbeiter Künstler. Dementsprechend hochwertig müsste zumindest die Grafik sein – ob das tatsächlich der Fall ist, wollte ich selbst herausfinden und habe mich deswegen Kopf über ins Abenteuer gestürzt.

Geduld ist eine Tugend

Erst einmal sollten sich alle Schlechtinternetler da draußen auf etwas gefasst machen, denn bevor du überhaupt zum Spielen kommst, heißt es erstmal den Download starten. Und das dauert sogar mit einer schnellen Leitung eine ganze Weile. Die währenddessen ablaufende Anime-Sequenz ist beim ersten Mal schick anzusehen, wiederholt sich aber immer und immer wieder – und wird deshalb auch mit der Zeit langweilig.

Was als nächstes kommt, gehört zu meinen Lieblingsbeschäftigungen: Charaktererstellung. Hier leider etwas eingeschränkt, aber die Grafik überzeugt absolut. Zur Auswahl stehen vier Klassen, alle menschlich. Krieger, Schütze, Magierin und Bardin kannst du optisch anpassen, aber Geschlecht und Körperform sind tabu. Ach und übrigens: jede Klasse kannst du nur einmal erstellen. Also aufgepasst, denn deinen Charakter zu löschen dauert tagelang.

Normalerweise liebe ich es, meine Charaktere so einzigartig wie möglich zu machen, aber meine niedliche Bardin ist eher Standard. Das liegt schlicht daran, dass deine Anpassungen in Zwischensequenzen keine Rolle spielen, sondern ein standardisierter Charakter eingeblendet wird. Und ich kann das ja mal so gar nicht ausstehen, wenn meine mühsam individualisierte Figur im Spielgeschehen anders aussieht als in Cutscenes. Da nehme ich sogar pinke Haare in Kauf.

Aller Anfang ist gar nicht mal so schwer

In einem kurzen Tutorial stellt dir das Spiel in überraschend gutem Deutsch die Steuerung vor und bietet dir den Einstieg in die Geschichte. Erwarte hier keine Neuerfindung des Rads: du bist wie so oft eine Hoheit und musst dich einiger Dämonen entledigen. Die Präsentation ist dafür stimmig.

Steuern kannst du deinen Charakter mit einem virtuellen Joystick und Knöpfen auf der rechten Seite des Bildschirms, mit denen du Attacken ausführst. Auch der Stellungswechsel (Witz komm raus, du bist umzingelt) ist möglich. Bei der Bardin bedeutet das beispielsweise das Umschalten zwischen aggressiven und unterstützenden Fähigkeiten.

Wer schön sein will, muss leiden

Was sich bereits zu Anfang bemerkbar macht, ist der Leistungshunger der App. Willst du die schöne Optik so richtig genießen, werden sogar aktuelle Handy-Modelle zum Handwärmer. Im Winter wäre das vielleicht ganz nützlich, aber jetzt im Sommer ist es ziemlich unpraktisch.

Nach dem Tutorial landest du in einer kleinen Stadt, in der es vor Spielern nur so wimmelt. Ein gutes Zeichen, auch wenn Schützen und Magierinnen eindeutig den Großteil der Bevölkerung ausmachen. Warum das so ist, darauf gehe ich gleich ein.

Die Handlung geht weiter und führt dich in das erste große Gebiet. Selbst laufen ist übrigens out. Absolut alles kann automatisiert werden, ein Klick auf die Questanzeige genügt zum Beispiel, um zum Ziel zu laufen. Sogar das Kämpfen lässt sich stark vereinfachen. Das entspricht absolut nicht meinem Geschmack, aber jedem Tierchen sein Pläsierchen.

Neben den Quests, die die Geschichte vorantreiben, gibt es auch massenweise Aufgaben im Stil von „töte 20 Wölfe“. Spannender sind die sogenannten Fetch Quests, in denen du zu einer besonderen Mission teleportiert wirst. Problematisch: Die Belohnungen werden nach der Höhe des verursachten Schadens zugewiesen. Hier hast du die Erklärung für das erhöhte Aufkommen der beiden reinen Schadensklassen. Etwas unglücklich gelöst.

Und was kommt nach der Wolfsjagd?

Wenn du mal keine Lust auf Monster töten, Erze schürfen und die Handwerkskunst hast, dann erwarten dich gleich mehrere PvP-Modi. Vor allem die riesigen Schlachtfelder, auf denen sich zwei Armeen von bis zu 70 Spielern gegenüberstehen, sind eine Besonderheit von Royal Blood. Als bekennender PvE-Bevorzuger war ich sehr überrascht, als sich die kleinen Arenen, in denen du drei gegen drei spielst, als mein liebster Zeitvertreib herausstellten.

Grund dafür war eines meiner ersten Matches. Meine beiden Teamkollegen waren quasi sofort tot und ich dachte bereits ans Aufgeben, habe mich dann aber doch noch dagegen entschieden. Zwei leicht angeschlagene Gegner waren noch am Leben und ich bin einfach zu stur. Immer in Bewegung bleibend verkettete ich meine Attacken, wechselte vom unterstützenden in das aggressive Skillset und wieder zurück und langsam aber sicher schmolz die Gesundheit meiner Feinde wie Eis in der Sonne. Mit Lebenspunkten im einstelligen Bereich konnte ich den Sieg schließlich davon tragen. Was für ein Adrenalinschub!

Zwischen Standard und Spaß

Unter der Haube ist Royal Blood ein nettes, aber gleichzeitig auch ziemlich normales MMO. Allerdings lässt sich wirklich nicht leugnen, dass es für ein Handyspiel einfach großartig aussieht. Dazu trägt bei, dass die UI-Elemente der Anzeige erst Schritt für Schritt hinzugefügt werden. Zu oft habe ich Spiele direkt wieder von meinem Smartphone gekickt, weil mich die tausend Optionen in den Wahnsinn trieben.

Dem Marketing nach präsentiert sich das Spiel zwar vor allem als aufsteigender Stern am PvP-Himmel, aber es sollte tatsächlich für jeden etwas dabei sein. Aufpoppende Nachrichten zu Angeboten im Echtgeldshop können zwar etwas nerven, aber immerhin kannst du auch problemlos zocken, ohne dein Sparschwein zu plündern.

Auf mich warten auf jeden Fall noch viele Raids, Story-Missionen und Kämpfe gegen andere Spieler. Wer weiß, vielleicht sieht man sich ja mal auf dem Schlachtfeld oder in der Arena?

Royal Blood ist seit dem 5. Juni 2018 für iOS und Android verfügbar. Hast du das mobile MMO schon ausprobiert oder bist du kein Fan des Genres? Welche Klasse liegt dir am meisten?

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