Sea of Thieves im Test: Geschichten von Hühnern, Grog und neuen Freunden

Victoria Scholz

Sea of Thieves wird als wohl bestes Spiel aller Xbox-Exklusivtitel 2018 gehandelt. Was du in dem Spiel machen kannst? Erzähle Geschichten, trinke Grog, finde Schätze und lerne Hühner kennen. Aber reicht das, um dich lange bei Laune zu halten?

Wenn du keine Zeit hast, den gesamten Test zu lesen, findest du unten eine Zusammenfassung samt Wertung. 

Schon lange habe ich mich nicht mehr so sehr auf ein Spiel gefreut. Jeder Trailer, jede News und jede noch so kleine Ankündigung nahm ich voller Vorfreude ins Visier. Schon vor der Veröffentlichung von Sea of Thieves war mir klar, dass ich in diesem Spiel Abenteuer erlebe, die ich später als kleine Anekdoten bei Freunden zum Besten geben kann.

Und da ich Leser meiner Texte auch als meine Freunde bezeichne, darfst du jetzt eine Auswahl der besten Abenteuer, die ich in Sea of Thieves erlebt habe, lesen. Zunächst wäre da die Geschichte von einer bösen Crew, die auf zwei nackte Musiker schoss:

Die Geschichte von einer bösen Crew, die auf zwei nackte Musiker schoss

Die folgende Geschichte ereignete sich in den ersten Stunden meines bis dato noch kurzen Piratenlebens in Sea of Thieves. Ich wollte nicht allein spielen, also habe ich einen Freund gezwungen, sich meiner Crew anzuschließen. Er hatte dementsprechend richtig viel Lust zu spielen – nicht. Auf dem Schiff angekommen, zog er seine Kleidung aus, schnappte sich ein Instrument und fing an zu spielen. Ich resignierte schließlich: Segel im richtigen Winkel platzieren, lenken, die Karte studieren und den Anker setzen – das war mir allein zu viel. Also holte ich die Ziehharmonika heraus und spielte mit.

Den Klängen der Musik lauschend bemerkten wir erst viel zu spät, dass parallel zu uns ein großes Schiff segelte. Sie zündeten ihre Kanonen und schossen. Zu unserem Glück konnten die drei feindlichen Piraten aber nicht zielen und verfehlten uns ein ums andere Mal. Wir tanzten um die fliegenden Kanonenkugeln herum und lachten ins Mikrofon. Vom Ehrgeiz gepackt, unser Schiff zum Sinken zu bringen, kümmerten sich die anderen kein Stück darum, wohin sie die Wellen trugen. Nach kurzer Zeit hörten wir nur noch den Krach, als die Galeone mit voller Geschwindigkeit auf eine Insel auffuhr und wegen der dadurch verursachten Schäden schließlich sank. Wir spielten weiter Musik, waren nackt, fröhlich und genossen den schönen Sonnenuntergang.

Das Ende dieser Geschichte siehst du auch noch mal in diesem Video:

Die Geschichte in Sea of Thieves von einer bösen Crew, die auf zwei nackte Musiker schoss.

Sea of Thieves kommt vom britischen Entwicklerstudio Rare, das seit 2002 zu Microsoft gehört. Rare entwickelt seit über 30 Jahren Spiele, darunter Donkey Kong Country, Conker‘s Bad Fur Day und GoldenEye 007. Besonders mit ersterem hat das Studio damals bewiesen, dass sie grafisch anspruchsvolle Titel kreieren können. Sea of Thieves ist einer davon. Während ich von Quest zu Quest segelte, konnte ich nicht aufhören, das Wasser und den Himmel anzusehen.

Rare Replay ist ein Spielepaket mit allen Klassikern vom Entwicklerstudio. Welche Titel dabei sind, siehst du hier:

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Neben der umwerfenden Grafik sind aber auch die Details im Spiel atemberaubend. Rare arbeitet eng mit der Community zusammen und fügt so nicht nur Ideen von Spielern ein, sondern auch die Personen selbst. So findest du in Steine geritzt oder unter „Wanted“-Postern in der Taverne die Namen von Spielern. Details wie ein hell leuchtender Nordpolarstern, der mich auch ohne Kompass leitet oder aber das Verhalten von Schlangen, wenn ich ihnen Musik vorspiele (dann werden sie nämlich zahm), hauen mich um. Neben großen Schätzen und kleinen Missionen bietet Sea of Thieves also noch viel mehr.

Einigen Spielern reichen die Inhalte jedoch nicht, um das Piratenabenteuer als vollwertiges Spiel zu sehen. Dem will Rare mit regelmäßigen Content-Updates entgegenwirken. So soll sich zum Beispiel das Verhalten des Kraken mit jedem Update verändern, damit du bei jeder Begegnung vor einer neuen Herausforderung stehst. Den Kraken habe ich auch getroffen. Mein Leben hat er aber dabei verschont, nicht jedoch das Leben anderer…

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Die Rache des toten Hühnchens

Es ist schwierig, gute Crewmitglieder zu finden. Aus diesem Grund schipperte ich oft allein durch die drei Kartenabschnitte von Sea of Thieves. Ich schaute mir die drei Fraktionen genauer an. Für eine davon, den Handelsbund, müssen gewitzte Piraten Hühnchen, Schweine, Schlangen oder goldene Tiere einfangen – klingt nach einem Job für mich! Meine Aufgabe war es, ein rotes und ein schwarzes Huhn einzufangen und zu einem Außenposten zu bringen. Ich segelte durch die schönen Weiten von Sea of Thieves, legte bei der ersten Insel an und fand die beiden gewollten Hühner. In der Nähe war aber auch ein drittes, weißes Huhn. Ich wollte sie nicht trennen, also packte ich sie alle auf mein Schiff. Als ich sie, wie von der Quest befohlen, verkaufen wollte, wusste ich nicht, was ich mit dem weißen Huhn machen sollte, also blieb es auf meinem Schiff und wurde fortan mein Begleiter. Das Gegacker des Hühnchens war über zahlreiche Ingame-Tage hinweg meine einzige Kommunikation. Gemeinsam mit Captain McChicken, wie das Huhn fortan hieß, bereiste ich die Weltmeere, grub Schätze aus und trank Grog.

Eines Tages aber kamen andere Spieler. Sie waren zu viert – wir hatten keine Chance. Unser Schiff sank. Ich konnte Captain McChicken nicht retten. Es war zu spät. Als ich nach meinem Tod wieder spawnte, schwor ich Rache. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, dass Captain McChicken in seinem nassen Grab einen neuen, tentakeligen Freund fand.

Als ich die Widersacher aufspürte und ihre Spielernamen über ihren Köpfen sah, wusste ich, dass jetzt die Zeit der Rache gekommen war. Ich war bereit, sie Liam-Neeson-mäßig fertigzumachen. Ich näherte mich dem Schiff, als ich auf einmal riesige Tentakel aus dem Wasser aufsteigen sah. Aus der Ferne beobachtete ich, wie sich der Kraken am gegnerischen Schiff zu schaffen machte und die Galeone sank. Ich hörte ein leises Gackern und lächelte.

Sea of Thieves setzt nicht auf große PvP-Gefechte oder ein umfangreiches Level-System. Suchst du nach viel Action, wirst du neben den Skelett-Forts kaum fündig. Diese Festungen stellen aber eine wahre Herausforderung dar. Hier besiegst du Wellen von Skelettgegnern, deren Ende ein Bossgegner ist. Mit dem Sieg warten zahlreiche Schätze und viel Gold auf die siegreiche Crew.

Mit diesem Gold kannst du wiederum Skins für deine Waffen oder auch dein Schiff kaufen. Später soll es auch Items geben, die du gegen Echtgeld erwerben kannst. Diese Gegenstände greifen aber nie ins Spielgeschehen ein. Es wird sich dabei vermutlich um Haustiere wie Affen handeln. Diese sollst du dann sogar als Kanonenfutter auf andere Schiffe oder Inseln feuern können.

Die Steuerung des Schiffs ist ziemlich einfach. Neben dem Steuerrad und dem Anker kannst du die Segellänge und den -winkel einstellen. Mit einer Crew ist die Steuerung des Schiffs leichter, während du die Abläufe allein mehrmals üben musst, damit sie funktionieren. Spielst du allein oder mit einem Freund, bekommst du ein kleines Schiff gestellt, das sich einzeln dennoch gut steuern lässt. So ist beispielsweise die Karte der offenen Welt so gut platziert, dass du dich beim Steuerrad nur kurz umdrehen musst, um sie zu lesen.

Was für ein Spiel will Sea of Thieves also sein?

Betrunken auf hoher See

Ein Freund und ich brachten gerade die erbeuteten Truhen zum Außenposten, um sie gewinnbringend zu verkaufen. Es war schon spät und dunkel. Nur eine Wolke in Form eines Schädels waberte über uns, der Mond leuchtete hell, sogar der Nordpolarstern war zu sehen. Neben uns ankerte ein weiteres Schiff. Wir schauten die anderen Piraten an, öffneten das Emote-Kreismenü und winkten. Sie holten ihre Instrumente heraus und spielten eine lustige Melodie. Danach kamen sie mit auf unser Schiff. Wir tranken bis tief in die Nacht Grog, schalteten Push-to-Talk an und unterhielten uns über unsere Abenteuer.

In den darauffolgenden Ingame-Tagen trafen wir uns immer wieder, sprachen kurz, tanzten und tranken Grog. Wir sind jetzt über Xbox Live befreundet. Bald werden wir gemeinsam Sea of Thieves spielen und Abenteuer schreiben.

In Sea of Thieves entscheidest du, wie du mit anderen Spielern umgehst. Als ich fremden Seeräubern begegnet bin, ging das größtenteils friedlich aus. Sie fragten, wie es mir geht oder was wir schon alles erlebt haben. Einige schlossen sich mir und meinen Freunden an und lösten mit uns die Rätsel der Schatzkarten. Wer also nach actiongeladenen PvP-Kämpfen sucht, sollte sich hier eher Spiele wie Blackwake ansehen. Auch eine umfangreiche Story wirst du nicht finden.

Bis jetzt schafft das Spiel, schöne und vor allem witzige Stunden nach dem Feierabend (oder dem Schulschluss) mit Freunden zu füllen. Willst du herausfinden, ob dich Sea of Thieves langanhaltend begeistern kann, empfehle ich dir den Xbox Game Pass. Mit ihm kannst du 14 Tage lang kostenlos eigene Piratengeschichten schreiben.

Mein Fazit zu Sea of Thieves

Während ich Sea of Thieves spielte, habe ich viel gelacht und viele Menschen kennengelernt. Das Spiel gibt dir nicht vor, wie du es zu spielen hast. Du entscheidest, was du erleben willst. Die Emotes, Musikinstrumente und Grogbecher reichen bereits aus, um Geschichten zu schreiben.

Sea of Thieves ist wunderschön anzusehen, die Gameplay-Mechaniken sowie die Steuerung sind einfach. Stirbst du, spawnst du nach einem kurzen Besuch des Geisterschiffs (eine Art Ladebildschirm) neu. Wird dein Schiff von anderen versenkt, erscheint auch das wieder. Du hast also nichts zu verlieren, weshalb die Community in Sea of Thieves ruhiger und netter ist als beispielsweise bei kompetitiven Spielen.

Es macht einen großen Unterschied, ob du Sea of Thieves allein oder im Team spielst. Mit anderen habe ich die Zeit beim Entdecken und Kämpfen vergessen. Als ich allein gespielt habe, wurde mir schnell langweilig. In dieser Zeit hatte ich das Gefühl, lediglich Schätze zu grinden, um Gold für Skins zu bekommen – was auf Dauer wirklich ermüdet.

Wird dir gefallen, wenn du mit Freunden am Abend 2 bis 3 Stunden Abenteuer erleben und lachen willst.

Wird dir nicht gefallen, wenn du lieber allein segelst, eine atemberaubende Story suchst oder immer neue Herausforderungen brauchst.

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