Ich hasse es, in Spielen zu sterben – aber ich liebe Sekiro: Shadows Die Twice

Marina Hänsel

Ich hasse schwere Spiele. Ich hasse es, mehrmals in Spielen zu sterben; und ich rede nicht von einer kleinen Abneigung, die jeder verspürt, wenn er verliert. Nein, ich bin ein grauenhafter Verlierer: Ich werde wütend, schreie und beende das Spiel schließlich, um mich nicht mehr damit abgeben zu müssen. Stolz bin ich darauf nicht, ich würde gerne gut verlieren können – aber so bin ich eben: Ein schlechter Verlierer. Wie ich From Softwares Sekiro: Shadows Die Twice mögen kann, wäre mir vor einigen Tagen noch ein völliges Rätsel gewesen.

Lieber Mitkämpfer: Das ist die Kolumne einer Person, die den Soulsborne-Spielen bisher erfolgreich ausgewichen ist. Mir ist klar, dass du womöglich mehr weißt, als ich; der du all das bereits in anderen Titeln von From Software durchlebt hast. In dem Falle: Hab Nachsicht!

Ich wusste nicht, dass Soulsborne-Spiele mehr als pure „Fuck You“s sind, die regelmäßig konsumiert und ertragen werden müssen, um bis zum Ende durchzustehen. Ich dachte mir, ja, ein so schwer erkämpfter Sieg mag eine größere Ladung an Endorphinen in meinem Körper freisetzen – gut möglich. Was ich nie erlebt habe, da ich stets mit anderen Souls-Veteranen vor Dark Souls oder Demon Souls saß; ihre Worte in meinen Ohren, „Jep, und da drüben ist noch der Boss, den kannst du so besiegen – oder nein, versuch‘ es einfach, wie du möchtest!“ gefolgt von einem wissenden Lächeln, als ich verwirrt und gepeinigt darniederlag.

Es gibt keine Worte für das, was ich damals empfand. Wut? Nein, zu wenig. Hass? Ein bisschen. Verzweiflung? Das Gefühl des Versagens, das Gefühl, wertlos zu sein? Das Gefühl, als einziger im Raum nicht verstehen zu können, wie es jemand ertragen kann, derart gepeinigt zu werden?

Ich entschied also: Nein, die Soulsborne-Titel sind nichts für mich. Vielmehr noch habe ich mich immer gefragt, wie irgendjemand diese Spiele mögen kann und dann dachte ich: Wahrscheinlich ist es einfach das kompetitive Element in all dem. Der Schwanzvergleich, meine ich: ICH, der große ICH, habe Dark Souls durchgespielt – und du nicht! Allein für diesen Kick müssen sich all diese Menschen durch die From Software-Spiele gezwungen haben. Richtig?

Falsch.

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You and I should get along so awfully

Es begann alles mit einer tödlichen Wette zwischen Kollegen: Redakteurin Kamila und ich sind dem Soulsborne-Genre über Jahre hinweg erfolgreich ausgewichen, aber was wäre ein Spiele-Redakteur, wenn er nicht spielen müsste? Sekiro: Shadows Die Twice installierte sich einem Schatten gleich auf unseren Konsolen, ungewollt und ungeliebt. Dann das Urteil: Ihr müsst spielen. Um uns das unausweichliche Leid ein wenig zu erleichtern, so dachte ich, wettete ich mit ihr um den Tod: Wer von uns beiden wird weiter spielen können, über das Wochenende? Wer wird weniger sterben? Wer wird aufgeben?

Der Freitag davor war kein sonderlich toller Tag. Das ganze Wochenende Sekiro spielen? Ohw. Trotz allem liebe ich es, neue Spiele zu starten – dieses Gefühl des Frischen, das Lernen der Spielmechaniken, die Überraschung. Als ich Sekiro am ersten Tag der Pein begann, freute ich mich doch ein wenig. Ein ganz klein wenig. Und dann? Dann starb ich.

Aber es war … nicht schlimm?

Es war … spaßig?

Macht es mir etwa Spaß, in Sekiro: Shadows Die Twice zu sterben?

Aber ich hasse es, zu verlieren! Ich bin ein schlechter Verlierer! Ich weiß nicht viel über mich selbst, aber wenn eines, dann doch das! Das ist nicht fair. Wie kann Sekiro mein Weltbild von dem bösen Marina-Monster umstoßen, das stets an die Decke geht, wenn ihm etwas in einem Spiel nicht passt? Es ist vorherbestimmt gewesen, dass ich Sekiro nicht mögen werde – es lag im Grunde schon fest. Und jetzt?

Ich möchte ein bisschen über mich selbst lachen, da ich es nicht schon vorher verstanden habe: Nicht nur ist es sehr viel befriedigender, jemanden zu besiegen, wenn er nicht wie in anderen Spielen allein von meinem Anblick umfällt. Nein, auch ist das Sterben in einer solch grausamen, aber auch regenerativen Welt wie der von Sekiro: Shadows Die Twice so viel angenehmer, als irgendwo sonst.

Was du wissen musst: Wenn du dich in die Schatten von Sekiro: Shadows Die Twice begibst, solltest du 7 kleine Details am Anfang beachten. Diese Tipps werden dir immens helfen – ich weiß das.

Sekiro tötet dich ständig, aber es gibt dir nicht das Gefühl, ein Versager zu sein. Noch dazu sammelst du Punkte, während du dich durch verschiedene Gegner schlachtest; du entwickelst dich weiter und du bist nicht gezwungen, diesen einen Boss sofort niederzustrecken – du hast Möglichkeiten; Wege, die du gehen kannst. Stürzt du dich sofort und ohne Bedenken in die Schlacht, mag dich das durchaus ein wenig enttäuschen – pirschst du dich aber mit Vorsicht an dieses Spiel heran, zollst ihm ein wenig Respekt und nimmst dir auch die nötige Zeit dafür, dann ist es gar nicht derart schwer.

Wirklich. (Und nein, ich hätte mir das selbst vor ein paar Tagen auch nicht geglaubt.)

Es ist nicht nur nicht derart schwer, sondern auch belohnend. Es geht nichts über den Adrenalin-Schub, der dich erfasst, wenn du mit schwitzigen Händen die richtigen Knöpfe auf deinem Controller triffst und einen Oh-shit-den-werde-ich-nie-besiegen-Boss doch besiegst. Das jedoch ist etwas, das mir durchaus schon früher klar gewesen ist. Was ich nicht wusste: Auch im Spiel selbst wirst du immer wieder belohnt. Wenn du eine neue Fertigkeit trainierst etwa; oder wenn du plötzlich unter dieser einen Brücken noch ein tolles Item findest. Sekiro: Shadows Die Twice ist tatsächlich ziemlich nett zu dir. Ein bisschen wie ein Kidnapper, der seiner Geisel ein Kompliment macht, aber hey.

Achso, ganz vergessen: Das Spiel sieht übrigens auch echt gut aus. Nur so nebenbei.

Sekiro: Shadows Die Twice | Official Launch Trailer.

Es ist befriedigend, zuzusehen, wie mein eigener Charakter wächst; wie er stärker wird und mir doch jenes Machtgefühl vermitteln kann, das ich an Spielen so sehr schätze. Es ist beinahe schön, und ich möchte dir mir all dem nur eines sagen: Du musst keine Angst vor Sekiro: Shadows Die Twice haben. Dieses Spiel ist nicht nur für Elite-Spieler oder jene Menschen, die das Durchhaltevermögen eines Ochsen haben. Natürlich hat nicht jeder Spaß an Sekiro, aber wenn es der Schwierigkeitsgrad ist, der dich abhält – wenn du glaubst, dass dich dieses Spiel niedertrampeln, auf dich spucken und dann auch auslachen wird, liegst du falsch.

Natürlich ist Sekiro dennoch hin und wieder scheiße zu dir. Wenn dich ein blödes Huhn tötet etwa; wenn du den blöden Boss doch nicht besiegst, wenn dich jemand anderes tötet, wenn ein total leichter Gegner plötzlich gemein zu dir ist und dich doch tötet. WENN EINE HÜHNER-ARMEE KOMMT UND DICH TÖTET. ES SIND HÜHNER, FROM SOFTWARE. HÜHNER. HAST DU SCHONMAL HÜHNER JEMANDEN TÖTEN SEHEN. Aber ich werde nicht mehr wütend bei diesen Dingen. Ich bin jetzt ein anderer Mensch.

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