Sekiro: Shadows Die Twice im Test – Mühsam kommt der Shinobi voran

Daniel Kirschey

Sekiro: Shadows Die Twice frisst Zeit. Sekiro zersetzt Gleichmut. Die Warnung steht mit großen, leuchtend weißen Lettern am Anfang auf dem Bildschirm: From Software.

Natürlich ist auch Sekiro wie die Dark Souls-Teile und Bloodborne bockschwer. Das wundert niemanden mehr. Doch Sekiros ist gefühlt einen Ticken gnadenloser, einen Hauch frustrierender. Das liegt zum einen vor allem am Kampfsystem und zum anderen daran, ob und wie du schleichst. Folge mir in die Welt der Shinobi und Blutfontänen, folge mir auf der Suche nach der verlorenen Zeit.

Neue Zutaten in der Souls-Suppe

Klar ist das Spiel wieder etwas kryptisch geworden. In Sekiro gibt’s aber diesmal im Gegensatz zu den Soulsborne-Spielen echte Cutscenes und der Protagonist mit dem titelgebenden Namen Sekiro, spricht sogar, darf ab und zu erstaunlicherweise Antworten aus einer Reihe von Möglichkeiten wählen. Hidetaka Myiazaki hat einige neuen Zutaten zur Souls-Suppe gemischt. Wie auch die Prothese und eigentlich das ganze Kampfsystem. Letzteres setzt locker zehn Spielstunden voraus, bis man es vollständig drauf hat.

Sekiro - Shadows Die Twice - Offizieller Spielübersicht-Trailer.

 

Statt eines Schildes, hat der Shinobi, wie schon bekannt, eine Prothese, die mit Ninja-Werkzeuge ausgerüstet wird. Wurfsterne, Feuerschüsse, einen Metallschirm zur Abwehr und eine Lanze. Diese jeweils in den richtigen Momenten während des Kampfes zu nutzen, ist ein Stützpfeiler des Spiels. Der andere ist der Schwertkampf. Geblockt wird nun mit dem Katana mit der Taste L1. Der zeitlich fast perfekte Druck auf die Taste, wenn die Waffe des Gegners auf Sekiro trifft, pariert die Klinge und verpasst dem Feind Haltungsschaden. Ist der Balken für die Haltung voll, erscheint wieder die rote Kugel und ein Todesstoß ist möglich.

Teste dich!

Das klingt erst einmal gar nicht so schwer, aber: Die Parade muss sitzen. In genau diesem einen Moment, wenn die Waffe Sekiro treffen würde. Button-Mashen ist nicht drin. Sobald sich ein Gefühl dafür entwickele, springen mir plötzlich rote japanische Schriftzeichen entgegen. Ein besonderer Angriff folgt: Entweder versucht der Feind einen zu greifen, die Waffe vorzustoßen oder nah über den Boden im Halbkreis zu fegen. Hier einfach zu parieren, ist nicht drin. Den Schwinger am Boden entgeht Sekiro durch einen Sprung mit der Taste X, drück ich sie direkt wieder, tritt er den Gegner und kann zustoßen.

Dem Stoß des Feindes nach vorne kann erst dann richtig begegnet werden, wenn die erste esoterische Schrift mit einem Skill-Baum im Besitz des Ninjas ist. Die Technik nennt sich Mikiri und wird durch einen Druck auf die Kreistaste ausgelöst, aber nur dann, wenn die Taste genau im richtige Moment gedrückt wird; nämlich dann, wenn der Stoß einen treffen würde.

Bevor ich in den Kampf Mann gegen Mann gehe, schleiche ich lieber herum und meuchel die kleineren Krieger. Ein Beispiel gefällig? Bitte schön: Ganz langsam, gaaaanz langsam. Sekiro schiebt sich zur Türöffnung. Ein Blick ins Freie verrät: Eine Böschung mit Gräsern fällt sanft nach unten ab, perfekt, um sich schleichend weiterzubewegen. Auf der linken Seite steht ein Zaun und dahinter ist nichts – außer einem geraden Steinvorsprung bevor die Tiefe des Tals gähnt, genau richtig, um sich langsam und ungesehen entlang hangeln zu können. In der Mitte der Senke steht ein Samurai mit Namen Tenzen Yamauchi. Ein harter Gegner, der zwei Todesstöße einstecken kann.

Erst einmal die Feinde um den Samurai herum plätten. Schleichend erledige ich fast alle Gegner. Dann entdecken sie mich doch. Das liegt daran, dass Sekiro nach einem Todesstoß statt in die Schleichhaltung zurückzuschnellen, einfach aufsteht. Etwas nervig. Schnell wieder auf den linken Analogstick drücken und der Shinobi geht wieder in die Hocke. Zwei Krieger und ein Samurai drehen sich überrascht um, ziehen die Katanas, ein, zwei, drei – jetzt ist er tot. Bei einer der Figuren des Bildhauers; die Sekiro’schen Leuchtfeuer, kommt der Herr mit der weißen Gesichtshälfte wieder zu sich. Der junge Lord und Drachenblut Kuro hat Sekiro etwas von seinem Blut abgegeben – das macht ihn unsterblich.

Die Konsequenzen des Todes

In der Hektik der Kämpfe verdrücke ich mich schon mal. Zum Glück gibt es einen netten Samurai in der Nähe des Anfangstempels mit dem ich üben, üben und üben darf. Per Schnellreise geht’s immer wieder zurück, um zu trainieren oder Kürbis-Samen bei Emma abzugeben, die damit die Estus-Fla… , sorry, die Kürbisflasche aufwertet, damit öfters draus getrunken werden kann.

Soulsborne-Spiele verstehen keinen Spaß? Von wegen.

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So zurück zur Senke. Der Samurai lebt schließlich noch. Zum Glück besitzt Sekiro einen Greifhaken, mit dem ich mich relativ schnell wieder ins Zielgebiet über viele Gegner hinweg schwingen kann. Dann ist es soweit. Es geht in den offenen Kampf. Zwei, drei, vier Schläge, drei pariert. Nun setzt er zum Stoß an, Sprung. Ach mist, falscher Knopf, einen kleinen Satz zu Seite, parieren, zuschlagen.

Eins, zwei, drei; nicht zu gierig werden und zurückziehen. Er setzt wieder zum Stoß an, richtiger Knopf gedrückt und die Mikiri-Technik vollzogen. Langsam komme ich rein. Der Samurai hat nur noch wenig Leben. Ah, einen Moment nicht aufgepasst und schon wieder tot. Einmal kann ich mich wiederbeleben. Wenn ich genügend Gegner gemeuchelt hätte, wäre vielleicht sogar mein zweiter Wiederbelebungsmarker aufgefüllt. Die Kürbisflasche ist leer. So bleibe ich nicht lange am Leben.

Nach dem Ableben klaut das Spiel dem Shinobi die Hälfter der Erfahrungspunkte und die Hälfte des Geldes. Das kann nicht wieder eingesammelt werden, wie in den Soulsborne-Spielen. Es ist weg. Sobald Sekiro der Wolf ein Level aufsteigt, bekommt er einen Skillpunkt für die esoterischen Texte, von denen es einige gibt.

Manchmal hat man als Spieler Glück und die Götter lassen einem Erfahrung und Geld. Stirbt der Ninja jedoch zu oft, senkt das diese Wahrscheinlichkeit von 30 auf 15 Prozent und lässt alle NPCs an Drachenfäule erkranken. Das hat zur Konsequenz, dass einige Nebenquests mit den NPCs nicht mehr möglich sind. Durch bestimmte Gegenstände, ist es jedoch möglich, die Drachenverwesung aufzuhalten.

Dich nervt die Drachenfäule? Dann schaue mal hier rein.

Sekiro - Shadows Die Twice: So heilt ihr die Drachenfäule.

Sekiro frisst Zeit

Ich spiele einfach zu langsam, glaube ich. Ich lasse mir Ewigkeiten Zeit, die einzelnen Feinde auszuspionieren, wie und wo sie lang laufen, damit ich sie perfekt meucheln kann. Dann sterbe ich gegen den Samurai und muss alles wieder von vorne anfangen. In Dark Souls konnte ich den Verlust an Fortschritt gefühlt schneller wettmachen. Will ich die einzelnen Gegner jedoch wieder leise meucheln, würde ich in einer Stunde immer noch hier sein.

Wo ist die Wertung?
Sekiro Shadows Die Twice ist groß und sehr schwer. Bislang haben wir das Ende des Spiels noch nicht erreicht, weshalb wir noch keine finale Wertung vergeben wollen. Wir müssen uns einfach noch länger mit Sekiro beschäftigen. Du willst jedoch jetzt schon wissen, wie Sekiro ist? Eines kann schon jetzt verraten werden: Sekiro Shadow Die Twice ist ein gutes Spiel! Wie gut, das erfährst du demnächst.

Also wird einfach mal mit dem  Greifhaken weiter geschwungen, über die Feinde hinweg, um sich das neue Gebiet anzuschauen. Ja, der Greifhaken macht ganz schön mobil und öffnet die Welt vertikal. An den meisten Vorsprüngen, Dachzinnen und Bäumen darf ich mich schnell hochschwingen. Das fühlt sich richtig gut an. Was sich jedoch weniger gut anfühlt: einzelne Segmente auszulassen. Später kehre ich wieder, sage ich mir. Mal schauen.

Sekiro scheint im Ganzen mehr Zeit zu kosten. Sterbe ich, sind nicht nur Geld und Erfahrungspunkte für immer weg, sondern auch mein Fortschritt auf der Karte. Wo ich in Dark Souls oder Bloodborne auch nach einem Tod durchaus ein Motivationsschub bekommen habe, weil ich etwas über meine Feinde gelernt habe, frustet mich der Tod in Sekiro eher. Das Spiel fordert einfach in allen Aspekten mehr Zeit ein.

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Dann der Blick auf die Uhr: Was schon so spät, dabei war ich doch immer nur in dem einen Gebiet? Hui, wo ist nur die Zeit hin? Finden werde ich sie heute wohl nicht mehr. Vielleicht liegt’s echt an mir und ich habe noch zu viel die Soulsborne-Steuerung und -Kämpfe im Blut. Natürlich funktioniert auch hier wieder die typische Myiazaki-Formel, aber nicht so rund. Aber wie sagt man so schön: Das ist Kritik auf hohem Niveau. Wie geht es dir da draußen, machst du ähnliche Erfahrungen? Schreib es in die Kommentare.

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