Shadwen im Test: Schleichen mit Wenn und Aber

Lisa Fleischer 1

Sich von der vielzähligen Konkurrenz durch gänzlich neue Elemente abheben, das wollten die Entwickler des Stealth-Games Shadwen. Warum das Spiel trotzdem nicht überzeugen kann und was das mit dem kleinen Wörtchen „aber“ zu tun hat, erfahrt ihr in unserem Test.

Shadwen Launch Trailer.

In Shadwen spielt ihr die gleichnamige Assassine, deren Auftrag es ist, den König zu töten. Auf ihrem Weg begegnet sie dem Waisenmädchen Lily, welches sich hungrig aus der Stadt geschlichen hat, um einen Apfel zu stehlen und dabei von einem Wächter gefasst wurde. Shadwen befreit Lily aus seinen Fittichen und wird von da an von dem jungen Mädchen begleitet. So schleicht ihr euch zu zweit durch die düstere Stadt, immer darauf bedacht, nicht gesehen zu werden.

Um sich von anderen Genre-Vertretern abzugrenzen, ergänzten die Entwickler von Frozenbyte das Stealth-Game um einige tolle, innovative Ideen. Doch soviel Shadwen auch richtig macht, macht das Spiel leider auch falsch. An vier der vielen „aber“, die mir in Shadwen aufgefallen sind, zeige ich euch, warum mich das Spiel leider nicht überzeugen konnte.

Der Trailer ist klasse, aber…

Mit Shadwen verbinden die finnischen Entwickler von Frozenbyte die bekannten Rätsel-Elemente aus ihrer Plattformer-Serie Trine und Stealth-Funktionen aus Spielen wie Hitman  Thief mit einem mittelalterlichen Setting. Vor allem der vielversprechende Trailer zeigt, wie gut diese Kombination aussehen kann. Allerdings musste ich beim Spielen enttäuscht feststellen, dass die an sich tolle Idee in der Praxis leider nur schwer von der Hand geht. Anders als der Trailer verspricht, werdet ihr außerdem wohl kaum von einem zum nächsten Gegner schleichen und sie in gewohnter Assassins-Creed-Manier in das Reich der Toten befördern. Denn:

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Ihr seid Assassine, aber…

Um Lily zum Gehen zu bringen, könnt ihr die umstehenden Wachen entweder durch das Bewegen von Objekten ablenken oder eure Gegner auf verschiedenste Art und Weise zu Tode kommen lassen. Es liegt dabei ganz an euch, für welche Vorgehensweise ihr euch entscheidet. Ich habe mich für den moralisch guten Weg entschieden, allerdings nur, weil die Entwickler euch für das Töten von Gegnern mit fiesen Blutspritzern und einer entsetzten Lily rügen und mir so jeglichen Spaß am virtuellen Morden nahmen. Und dabei sollte es meiner Meinung nach in einem Spiel doch vor allem darum gehen: Um den Spaß.

Von oben sieht man alles besser, aber…

Um von einem Ort zum nächsten zu kommen, kann Shadwen nicht nur auf ihre Beine, sondern vor allem auch auf einen Enterhaken setzen. Dabei sind jedoch die Plattformen, auf die ihr euch schwingen könnt, dermaßen verbuggt, dass sie sich als tödlicher erweisen als die Wachen des Königs. Steht ihr zu Nahe an einem der Pfosten, geht es nicht nach oben. Wollt ihr von einer zur nächsten Plattform schwingen, kann es sein, dass ihr dabei auf dem Boden zerschellt. Fokussiert ihr versehentlich den falschen Punkt der Plattform, könnt ihr euch nicht daran hochziehen, was ebenfalls tödlich endet. Natürlich könntet ihr auf die verbuggten Pfosten einfach verzichten, allerdings habt ihr vom Boden aus oftmals keinen Überblick über die umherstehenden Wachen. Und so müsst ihr euch gezwungenermaßen früher oder später mit dem nervigen Feature auseinanderzusetzen.

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Die Idee, die Zeit beeinflussen zu können, ist toll, aber…

Neben dem Enterhaken haben sich die Entwickler von Frozenbyte ein weiteres innovatives Feature ausgedacht: Shadwen kann die Zeit manipulieren. Das ist insofern geschickt, dass ihr mehr Zeit zum Nachdenken habt. Außerdem könnt ihr, haben euch die Wachen entdeckt, die Zeit einfach soweit zurückdrehen könnt, bis ihr mit eurem Weg wieder zu Frieden seid. Auf der PS4 hatte ich damit ein kleines Problem. In Shadwen könnt ihr mit L1 die Zeit zurückspulen, auf L2 packt ihr euren Enterhaken aus. Aus anderen Spielen wie dem kürzlich erschienenen Uncharted 4 bin ich es jedoch gewohnt, dass der Enterhaken auf L1 liegt.

Und so habe ich durch das Verwechseln der Tasten unzählige Fortschritte zu Nichte gemacht, ganz nach dem Motto „ein Schritt vor, zwei zurück“. Das kostet nicht nur Zeit, sondern zehrt auch an den Nerven. Ein weiterer Nachteil: Dadurch, dass immer dann, wenn keine Taste betätigt wird, die Zeit stehen bleibt, hat sich bei mir nie der Punkt eingestellt, an dem ich so richtig im Spielfluss war. Und so ist es mir letzten Ende auch nicht schwer gefallen, mit dem Spielen wieder aufzuhören.

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Mein Test-Fazit zu Shadwen:

Die Idee, Stealth-Elemente mit einer Zeitstopp-Funktion zu verbinden, hat mir in der Theorie wirklich gut gefallen. Und nachdem ich mich nach mehreren Stunden endlich in das Spielprinzip eingewöhnt sowie mir eine funktionierende Taktik zurechtgelegt hatte, haben mir die anspruchsvollen Rätsel endlich Spaß gemacht.

Leider hat mich Shadwen wegen der teilweise stark verbuggten Objekte und der dürftigen Steuerung dennoch nie richtig packen können. Und das kann weder durch die Rätsel, das recht hübsche, aber auch nicht optimale grafische Erscheinungsbild oder die ebenfalls recht dünn ausfallenden Story ausgeglichen werden. So wird Shadwen wohl im Anblick anderer, weitaus stimmigerer Titel untergehen. Schade, da vor allem die Ideen hinter dem Spiel sehr innovativ ausfallen. Hätten sie denn funktioniert, hätten sie dem Stealth-Genre sicherlich frischen Wind einhauchen können.

Shadwen aus dem Hause Frozenbyte ist seit dem 17. Mai für PC und PS4 erhältlich. Wollt ihr das Spiel einmal selbst ausprobieren, könnt ihr es für 16,99 Euro auf Steam oder im PlayStation Store herunterladen.

Shadwen
Entwickler: Frozenbyte
Preis: 16,99 €

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