Silent Hill: Downpour Test - Der Horror geht den Bach runter

Tobias Heidemann 19

Es kann einem schon Angst machen. Nicht „Silent Hill: Downpour“, das ist leider überhaupt nicht beängstigend – doch dazu später mehr. Die Rede ist von den aktuellen Veränderungen in der japanischen Spielekultur. Capcom, Konami, SEGA und selbst Nintendo – sie alle stecken mehr oder weniger in einer Absatzkrise und suchen ihr Heil nun in der Verwestlichung ihrer Spieleinhalte. Immer mehr Titel müssen plötzlich in die Erzählmuster amerikanischer Blockbuster passen und sich an den Gewohnheiten des westlichen Marktes orientieren. Eine riskante Entscheidung wie in dieser Woche gleich zwei Verkaufsstarts belegen. „Ninja Gaiden 3“ und „Silent Hill: Downpour“ wenden sich in erster Linie an ein westliches Publikum. In beiden Fällen hätte man sich diese Anbiederung besser gespart. 

Silent Hill: Downpour Test - Der Horror geht den Bach runter

Um Missverständnisse gleich mal aus dem Weg zu räumen: Es war wirklich Zeit, der „Silent Hill“-Reihe eine ernstgemeinte Frischzellenkur zu verpassen. Mit „The Room“ und „Homecoming“ hatte man die Serie nahe an die Bedeutungslosigkeit heran manövriert. Dass Konami den tschechischen Vatra Games Studios für „Downpour“ eine Generalüberholung in die Auftragsbücher geschrieben hat, ist also überhaupt  kein Problem. Wie man dabei vorgegangen ist es allerdings schon.

Mehr Action, mehr konventionelles Hollywood, mehr Mainstream  – mit dieser Strategie wollte der Publisher die Silent Hill-Serie offenbar zu neuen Erfolgen zwingen. Herausgekommen ist allerdings ein weiterer Schritt in Richtung randständiges Mittelmaß.

Mehr Mainstream als Erfolgsstrategie?

Eine ziemlich tragische Entwicklung denn „Silent Hill: Downpour“ hätte auch funktionieren können. Die Geschichte um den Sträfling Murphy Pendleton, der sich nach einem verunglückten Gefangenentransport in der verlassenen Geisterstadt Silent Hill wiederfindet, ist durchaus vielschichtig und hat im Prinzip alles, was die Serie für ihr kleines Horror-Kabinett so braucht. Verdrängte Schuldgefühle, blutige Rachegelüste, schwerer Identitätsverlust und die Suche nach Erlösung – das  nebulöse Jenseits von Silent Hill ließe sich mit diesen Story-Elementen bestens ausstaffieren.

Leider wird uns Murphys Höllenritt viel zu banal aufgetischt. Vorhersehbarkeit und eine seltsam träge und trockene Erzählweise sind dabei die größten Probleme unter denen die Handlung zu leiden hat. „Silent Hill: Downpour“ packt seine Spieler viel zu selten. Es geschieht einfach, plätschert so dahin und reißt uns viel zu selten mit wirklich großen Ereignissen aus dem zähen Erkundungsalltag heraus.

Zudem braucht „Downpour“ eine halbe Ewigkeit, um wirklich mal in die Gänge zu kommen. Erst zum Ende des Spiels lernt man die vielen kleinen Anspielungen auf Murphys Vergangenheit und die psychologischen Taschentricks des Spiels überhaupt zu schätzen. Dabei hätte man gerade in der ersten Hälfte des Spiels etwas mehr Abwechslung und Spannung gebrauchen können.

Der härteste Gegner in Downpour ist die Langeweile! 

Die ersten Stunden nach Murphys Busunfall klettert man nämlich nur durch dunkle Minenschächte, erledigt dabei die immer gleichen Gegnertypen und löst hin und wieder ein paar logische, aber arg „gewollte“ Rätsel. Mit dem Erreichen von Silent Hill erweitern sich dann plötzlich die Handlungsoptionen um ein Vielfaches. Man hat mehr zu tun, als einem lieb sein kann. Zahlreiche Nebenquests warten in dunklen Kellern auf ihre Entdeckung, die Karte offenbart mit einem Schlag die gesamte Stadt und wir fragen uns, was doch gleich unsere Hauptaufgabe war. Kurz: „Silent Hill: Downpour“ ist erzählerisch und spielerisch unausgewogen. Außerdem gibt es einfach zu viele langatmige Erkundungspassagen, in denen fast nichts passiert und die Langeweile unser einziger Feind ist.

Sträfling Murphy auf dem Weg zur Hölle

 

Moment mal! Langeweile in einem Silent Hill-Spiel? Wie geht das denn? Hier soll einem doch am laufenden Band das Fürchten beigebracht werden. Was ist mit den Schockmomenten, den bizarren Kreaturen, der unheimlich verstörenden Atmosphäre? Was ist mit den Markenzeichen der Serie? Nix ist – „Silent Hill: Downpour“ ist nicht erschreckend, beängstigend oder irritierend. Vatra Games kann einfach keinen Horror. Im Vergleich mit „Dead Space“ ist „Downpour“ ein gemütliches Picknick im Heide Park Soltau. Das Spiel mit Licht und Schatten, die toten Blickwinkel, die Geräuschkulisse – die meisten Tasten auf der Klaviatur des Schreckens lassen die Entwickler einfach aus. Das soll einer verstehen.

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