SimCity Serverprobleme: Die Stadt der Nachteile (Kommentar)

Tobias Heidemann 16
SimCity Serverprobleme: Die Stadt der Nachteile (Kommentar)

Spiel gekauft, installiert, aufgeregt. Mit dem aktuellen Shitstorm um den vermasselten „SimCity“-Launch weht wieder einmal die Diskussion um Sinn und Unsinn von modernen Kopierschutzmaßnamen durchs Netz. Wie „Battlefield 3“ und „Diablo 3“  zuvor führt uns  auch „SimCity“ in aller Deutlichkeit vor Augen, dass die drastischen Methoden des Digitalen Rechtemanagements für die Käufer nur Nachteile mit sich bringen. 

Mit dem Übergang vom analogen ins digitale Zeitalter hat sich alles verändert. Kulturelle Werke wie Spiele, Schallplatten oder Filme ließen sich plötzlich blitzschnell ins Digitale übertragen. Einzig die Denkweise der Hersteller ist die gleiche geblieben.

Anstatt sich den Herausforderungen des digitalen Zeitalters zu stellen, bleiben sie den alten, analogen Werkvorstellungen verpflichtet. Mit den Methoden des Digitalen Rechtemanagement (DRM) versuchen sie den Besitz und die Verbreitung von digitalen Inhalten so zu kontrollieren, wie sie es einst mit analogen Werken taten. Die Kritiker des DRM sind sich deshalb einig: Das ist ebenso unzeitgemäß wie erfolglos.

Digitales Rechtemanagement: Mit dem Kopf durch die Wand?

Doch Verlage, Labels und Publisher wollen mit dem Kopf durch die Wand und versuchen trotz des vielfach belegten Scheiterns von DRM-Vorstößen die konservativen Rechtsvorstellungen durchzudrücken. Dieser Starrsinn kostet sie nicht nur sehr viel Geld, mit den neuen, rigiden Kopierschutzmethoden werden auch Unmut und Frust der Käufer systematisch in Kauf genommen.

DRM-Methoden wie zum Beispiel aktuell der Onlinezwang bei „SimCity“, sind eben nichts anderes als massive Einschränkung für die Kunden.

 

Sever können überlastet sein, sie haben oft mit technischen Problemen zu kämpfen, Wartungsarbeiten machen einem gerne mal einen Strich durch die private Freizeitplanung und Lags sind nicht nur nervige Spielspaßbremsen, sondern können wie im Fall von „Diablo 3“ sogar zum Ableben des liebevoll gepflegten Charakters führen.

Des Weiteren leben wir in einer Zeit, in der das Spielen immer mobiler wird. Wer seinen Laptop oft dabei hat oder auf der langen Zugfahrt zu den Eltern Lust auf ein Spielchen hat, der kann sich das im Falle von „SimCity“ abschminken. Wer keine Internetverbindung hat, muss eben draußen bleiben.

Hinzu kommt die wichtige Frage des Community-Supports. Sollte sich „SimCity“ als Flop erweisen und EA aus wirtschaftlichen Gründen eher früher als später für die Abschaltung der Server entscheiden, dann werden auch die eingefleischten Fans, die das Spiel von Tag eins an geliebt und unterstützt haben, erbarmungslos bestraft. Fair geht anders.

Wem all diese Nachteile der Online-Only-Drangsalierung noch nicht genug sind, der sei an die Anfälligkeit der neuen Online-Services für Hacker-Angriffe erinnert. Online-Accounts bedeuten eben auch ein erhöhtes Risiko für den Verlust von Personaldaten. Und was ist mit den Entwicklern der DRM-geschützten Spiele? Die werden bei dem Ärger über die unliebsame Onlinepflicht gerne mal vergessen oder gleich mit an die Wand gestellt. Dabei haben sie keinerlei Einfluss auf die unpopulären Maßnahmen der Publisher. Ausbaden müssen sie die Suppe trotzdem.

Was ist nochmal gut an Onlinepflicht?

Man kann es drehen und wenden wie man will. Außer technischen und datenschutzrechtlichen Nachteilen, sowie einer eklatanten Bevormundung der Käufer hat die Onlinepflicht nichts Zählbares auf die Straße gebracht.

Mehr noch: Seit der Einführung werden die Käufer eines Computerspiels von den Publishern nicht länger als reguläre Vertragspartner mit einem unumstößlichen Rechtekatalog angesehen – mein Spiel, mein Rechner, meine Änderungen – sondern schlichtweg  als potentielle Straftäter behandelt. Wer heute ein Spiel mit einem solchem Kopierschutz erwirbt, wird unter Generalverdacht gestellt.

Genau das ist auch der Kern einer seit Jahren heftig geführten Debatte, deren Ausgang ebenso ungewiss ist wie die Rechtmäßigkeit von DRM-Methoden. Bis hier endlich rechtliche Klarheit herrscht, müssen wir wohl weiter in den sauren Apfel beißen – oder eben auf Produkte mit solchen Kopierschutzmethoden bewusst verzichten.

Jeder versteht und respektiert das Recht der Hersteller, ihre Produkte vor illegaler Verbreitung zu schützen. Die Antwort darauf, warum der Schutz dieses Rechtes mit drastischen Einschränkungen für uns Kunden verbunden sein muss, bleibt man uns allerdings immer noch schuldig.

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