Skylanders, Sphero BB-8 und Co.: Technologie-Wandel im Spielzimmer

Norman Volkmann 1

Die Skylanders haben 2011 eindrucksvoll vorgemacht, wie man einen Mix aus physischem Spielzeug und digitalen Spielinhalten erfolgreich koppelt und damit nicht nur Kinder begeistert. Seitdem hat sich einiges getan, Nintendo und Disney zogen im gleichen Segment nach, doch die „Toys-to-life“-Sparte gibt mittlerweile mehr her als feststehende Sammelfiguren, die mit einer Konsole kommunizieren. Wir geben einen Überblick über neue Technologien im Spielzimmer.

Skylanders, Sphero BB-8 und Co.: Technologie-Wandel im Spielzimmer
Bildquelle: Shutterstock.

Verbaute Robotik-Technologie, App-Support und Künstliche Intelligenz sind nur drei Schlüsselkonzepte, die Hersteller immer häufiger in neuartige Spielzeuge integrieren. Mit Spheros BB-8, Anki Overdrive oder dem Roboter-Saurier Miposaur gibt es bereits in diesem Jahr einige vielversprechende Spielzeuge, die bei weitem nicht nur beim jungen Zielpublikum punkten können.

Anfang des Jahres vermeldete Activision drei Milliarden US-Dollar Umsatz mit dem Multiplattformspiel Skylanders. Als Hybrid aus Videospiel und physischen Sammelfiguren ging damit bereits 2011 ein Konzept auf, dass einer Anleitung zum Gelddrucken gleich kam. Mit Starterpaketen gelockt, sind es vor allem die Zusatzpakete, die über lange Zeit immer wieder Käufer aktivieren. Mit den amiibos schaffte Nintendo – wie immer ein paar Jahre zu spät – einen ähnlichen Coup. Disney rückte zuvor mit Disney Infinity nach. Das Konzept all dieser Sammelfiguren ist recht einfach, der tatsächliche Nutzen ziemlich übersichtlich. Gerade bei Nintendo geht es offenbar vor allem eher um den Aspekt des Sammelns als um eine wirklich sinnvolle, spielerische Integration. In Skylanders und Disney Infinity werden die Spielfiguren auf ein Art Portal gestellt und erwachen im Spiel zum Leben. Die Nintendo amiibos dagegen können über eine Schaltfläche auf dem WiiU-Controller oder dem Nintendo 3Ds aktiviert werden. Im Gegensatz zu den Figuren von Disney und Activision gibt es für die amiibos aber keine festen Videospiele – sie werden viel mehr in zahlreiche Nintendo-Titel integriert. Setzt man beispielsweise in Yoshi’s Woolly World einen amiibo von Mario auf den Schaltfläche, sieht der sonst grüne Dinosaurier aus wie der berühmte Klempner von Nintendo.

Droiden und Robotik-Rennfahrzeuge

Sphero BB8 Droid - Werbeclip.

In eine anspruchsvollere Richtung gehen mittlerweile andere Hersteller, die tatsächliche Robotik-Technologien und Künstliche Intelligenz nutzen und sich, im Vergleich zu ganz frühen Produkten wie dem Roboterhund AIBO von Sony, stark weiterentwickelt haben. Dieser wurde bereits 1999 vorgestellt und kostete damals ein kleines Vermögen. Am derzeit bekanntesten ist dabei sicherlich der BB-8, der im Rahmen des Starts von Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht verkauft werden soll. Hersteller Sphero entwickelte den kleinen Roboter, der von Nutzern mit einer passenden Smartphone-App gesteuert wird. Seit Anfang September erhältlich, verfügt der kleine Kugel-Droide über drei zentrale Modi: Im Patrol-Modus erkundet er auf eigene Faust seine Umgebung, knallt gegen Möbel und Wände, kann aber mithilfe der dazugehörigen App einen Karte der Umgebung erstellen und diese bei zukünftigen Erkundungstouren erneut abrufen. So geht er zumindest den Hindernissen aus dem Weg, mit denen er beim ersten Mal noch kollidierte. Im Drive-Modus übernimmt man selbst die Kontrolle über BB-8 und versucht sich daran, den Roboter gefahrenfrei durch die Wohnung zu manövrieren. Das Ganze funktioniert dabei sogar mit Sprachsteuerung. Ganz im Sinne der Filme, kann man in einem dritten Modus Hologramm-Nachrichten aufnehmen und diese (bislang nur über die App) wiedergeben lassen.

BB-8

Ähnlich wie BB-8 funktionieren auch die Rennwagen von Anki. Die Fahrzeuge in Anki Overdrive werden vom Spieler gesteuert, können aber auch selbstständig fahren und stellen, je nach Schwierigkeitsgrad, anspruchsvolle Gegner dar. Mithilfe von einzelnen Streckenteilen lassen sich komplexe, individuelle Strecken bauen. Die sogenannten Supercars fahren ganz autonom jede Strecke mindestens eine Runde ab – auf dem Smartphone kann man den Fortschritt dieses Scanning-Vorganges in Echtzeit verfolgen. Wie bei BB-8 sind aber in den Autos selbst keine Sensoren verbaut, die die Strecke aufbauen und sich „merken“, sondern die dazugehörige App, die entweder über Bluetooth oder WLAN ständig mit den Autos kommuniziert. Die Fahrzeuge verfügen über eine bodenseitig angebrachte Kamera, die die Strecke 500 Mal in der Sekunde scannen und damit zu jeder Zeit über ihren aktuellen Standpunkt informiert sind. Auf jedem Streckenteil befindet sich Code, der von den Autos gelesen wird. Mithilfe von künstlicher Intelligenz treffen die Fahrzeuge innerhalb von Sekunden Entscheidungen, greifen ihre Konkurrenz an oder verhalten sich defensiv. Anki hat dabei einen stärkeren Fokus auf Videospiel-Elemente und schüttet nach jedem Rennen Erfahrungspunkte, Belohnungen und digitale Upgrades für den Spieler aus.

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Smartphone als zentrale Steuer- und Arbeitseinheit

Miposaur

Bei allen vorgestellten Spielzeugen, die mithilfe von Robotik und künstlicher Intelligenz agieren, ist das Smartphone integraler Bestandteil für die Nutzung. Es gibt zwar Spielzeuge, die auch über Handbewegungen oder externe Zusatzprodukte gesteuert werden können (wie der Miposaur von WowWee) – das Smartphone ist als zentrales Steuerungs- und Kommunikationselement dennoch immer dabei und oftmals eindeutiger als Gesten. Zudem hat es natürlich auch praktische Gründe, ein Smartphone so einzusetzen – Spielzeughersteller können viele komplexe Berechnungen auf eine App für das Smartphone auslagern und müssen dabei sicherstellen, dass Produkt und App problemlos miteinander kommunizieren. Die Kommunikation zwischen Geräten ist dabei nicht neu. „Internet of Things“ als Oberbegriff für die Vision ständig miteinander verbundener und kommunizierender Geräte, beschreibt seit einigen Jahren eine maßgebliche Neuerung in der Art und Weise wie man Produkte aus jeglichen Bereichen miteinander vernetzen kann.

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Fazit: Robotik erobert das Kinderzimmer – und auch den Hobbykeller

Vor einigen Jahren noch völlig undenkbar, doch durch den rasanten technischen Fortschritt feiern die Spielzeuge der Zukunft nach und nach ihr Debüt in Kinder- und Wohnzimmern. Es stellt sich allerdings die Frage, wie nachhaltig die jetzt vorgestellten physischen Spielzeuge wirklich sind. Skylanders und Co. profitieren davon, dass sie als Videospiel potentiell stundenlange Unterhaltung bieten - die Sammelfiguren selbst sind dagegen ziemlich starr. Sowohl Anki Overdrive als auch BB-8 werden durch die zugehörige App vielseitiger. Die unterschiedlichen Spielmodi bieten mehr als eine halbe Stunde Spaß. Der Miposaur sorgt zumindest durch verschiedene Steuerungsmöglichkeiten (Gesten, Trackball und App) für unterschiedliche Spielweisen. Die vorgestellten Spielzeuge repräsentieren dabei nur den Status Quo der derzeitigen technischen Umsetzbarkeit. Es ist davon auszugehen, dass mit jedem Jahr neue ambitionierte Projekte in Angriff genommen werden, die auch dieses Segment immer weiter voranbringen und komplexer werden lassen. Dass solches „Spielzeug“ nicht nur etwas für Kinder ist, sondern auch für technikaffine Erwachsene, versteht sich von selbst.

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