Sleeping Dogs Vorschau: Muss GTA zittern?

Robin Schweiger 11

„Sleeping Dogs“ war bereits tot. Das Projekt, das bei Activision unter dem Namen „True Crime: Hong Kong“ lief, wurde von dem Publisher Anfang 2011 wieder eingestampft. Ende letzten Jahres dann verkündete jedoch Square Enix, dass sie das Spiel unter dem Namen Sleeping Dogs doch noch veröffentlichen würden.  Eine gute Entscheidung.

True Crime Story-Trailer.

Das Offensichtlichste zuerst: „Sleeping Dogs“ ist ein Open-World-Spiel in der Tradition von Grand Theft Auto. So weit, so bekannt.  Abgesehen vom Genre haben beide Spiele jedoch tatsächlich recht wenig gemein. Den größten Unterschied stellt das Szenario dar. „Sleeping Dogs“ spielt im modernen Hongkong und thematisiert den Kampf der Polizei gegen die dominierenden Triaden.

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Eine Triade ist eine Mafia-ähnliche Untergrundorganisation, die in Hong Kong jedoch tief in die Gesellschaft eingewoben ist. Dementsprechend schwierig ist es für das Gesetz, wirklich viel gegen sie auszurichten. Als Undercover-Cop Wei Shen bekommt ihr jedoch genau diese Aufgabe. Entwickler United Front Games erzählt so eine Geschichte ganz im Zeichen des traditionellen Hongkong-Kinos. Denn selbstverständlich verschwimmen schon bald die Grenzen zwischen Gut und Böse und Wei Shen muss einige unentschuldbare Dinge tun, um seine Deckung aufrecht zu erhalten.

Hong Kong ist dabei eine sehr willkommene Abwechslung zum 85. Abklatsch von New York. Die sehr belebten Straßen pulsieren vor Leben und haben nichts mit dem Flair amerikanischer Großstädte gemein.  Allein die Story im Zusammenhang mit dem Szenario hat es also schon geschafft, eine gewisse Grundfaszination zum Spiel aufzubauen und es von der Genre-Konkurrenz abzuheben.

Damit ihr das Szenario jedoch auch vernünftig auskosten und in die Atmosphäre eintauchen könnt, müssen natürlich auch die Spielmechaniken mithalten können. Neben den Genre-typischen Shoot-Outs und Fahrmissionen legt „Sleeping Dogs“ einen großen Fokus auf Nahkämpfe. Die funktionieren grundsätzlich genau so wie in Batman: Arkham City.  Ihr legt automatisch die krassesten Kombos hin, indem ihr auf die Schlagtaste hämmert, müsst jedoch immer auf der Hut sein, im richtigen Moment einen gegnerischen Angriff zu kontern. Anders als beim großen Vorbild: Ihr könnt eure Gegner greifen und sie anschließend mit Hilfe eurer Umgebung erledigen. Zu Gesicht bekamen wir etwa, wie sich Wei Shen mit Hilfe einer Herdplatte, einer Toilette und einer Kreissäge seiner Gegner entledigte. Die entsprechenden Kills sind verdammt brutal und es wird sich erst noch zeigen müssen, ob die USK damit einverstanden sein wird.

Die große Ähnlichkeit mit „Arkham City“ kommt übrigens nicht von ungefähr: Die Londoner Studios von Square Enix unterstützen United Front Games bei ihrer Arbeit und waren vorher bereits Rocksteady bei der Entwicklung des Batman-Spiels behilflich.

Die Ballereien spielen sich so, wie in jedem anderen Third-Person-Deckungs-Shooter auch. Hinter hüfthohen Mauern, Tischen und sonstigen Utensilien versteckt ihr euch vor gegnerischem Feuer und erledigt von dort eure Gegner. Aufgelockert wird dieses mittlerweile doch etwas überstrapazierte Konzept aber dadurch, dass der Entwickler auch hier die Ursprünge im Asia-Kino durchbrechen lassen. Wenn ihr etwa über die Deckung springt und gleichzeitig mit eurer Waffe zielt, verlangsamt sich das Geschehen und ihr könnt dank Bullet-Time ordentlich aufräumen. Das sieht verdammt cool aus und erlaubt es euch, gelegentlich auch einmal wild vorpreschen zu können.

Große Teile des Entwicklerteams bestehen aus ehemaligen Mitarbeitern von EA Black Box – das Studio ist vor allen Dingen durch die Need for Speed-Serie allseits bekannt. Mit so viel Rennspielerfahrung erwartet man natürlich, dass das Fahrverhalten dementsprechend auch etwas zu bieten auch. Auch bei Square Enix selbst betonte man mehrere Male, dass ein großer Fokus auf den Autos und Motorrädern liegt. In einem Proberennen gegen die KI konnten wir davon jedoch nicht sonderlich viel bemerken. Insbesondere das komplett fehlende Geschwindigkeitsgefühl ließ schnell Langeweile aufkommen. Besonders krass kam zudem der Gummiband-Effekt zum Tragen. Seid ihr auf dem ersten Platz, habt ihr auf den Geraden nicht die geringste Chance, vor den anderen Wagen zu bleiben, weil sie gefühlte 50 km/h schneller zu sein scheinen. Seid ihr hingegen auf einer der hinteren Positionen, zieht ihr ohne große Probleme an euren Konkurrenten vorbei.

Über beide Probleme seien sich die Entwickler jedoch bewusst und der Gummiband-Effekt solle auch noch abgemildert werden. Zudem stehe noch zur Diskussion, ob man den Autos eine Boost-Möglichkeit zur Verfügung stellt. Wir hoffen es, denn sonst könnten die Fahrmissionen die große Schwäche von „Sleeping Dogs“ werden.

Ausblick

Ich freue mich auf „Sleeping Dogs“, insbesondere wegen des unverbrauchten Szenarios. Man merkte an jede Ecke der belebten Gassen und Straßen, dass United Front Games viel daran liegt, eine dichte Atmosphäre aufzubauen. Dank des großen Fokus auf die vielversprechende Story und dem super funktionierenden Nahkämpfen, kann sich das Spiel zudem von seiner Konkurrenz gut abheben. Bis „GTA 5“ erscheint, wird es noch einige Monate dauern, und ob es ein weiteres Saints Row gibt, steht noch in den Sternen.


Bis dahin solltet ihr „Sleeping Dogs“ auf jeden Fall im Auge behalten. Ob es auch reichen wird, um den beiden Serien Konkurrenz im Kampf um den Genre-Thron zu machen? Das ist ganz davon abhängig, wie viel Zeit noch dafür verwendet wird, um das bisher ziemlich öde Fahrverhalten aufzufrischen und wie spannend der Rest der Stadt sein wird. Wir bekamen nämlich lediglich einen kleinen Teil von Hongkong zu Gesicht und haben uns sonst auf die bereits spielbaren Missionen konzentriert.

Ersteindruck: Gut

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