Sonic the Hedgehog: Was Sega mit der Reihe falsch gemacht hat

Alexander Gehlsdorf

Sonic ist ein blauer Igel und vor allem eines: super schnell. Allerdings ist genau dieser Wahn nach Geschwindigkeit der Faktor, der die Reihe seit Jahren zurück hält.

Sonic Mania - Trailer.

Ende der achtziger Jahre war vor allem ein Spiele-Maskottchen in aller Munde: Mario. Der sympathische Klempner aus Nintendos gleichnamigen Millionen-Erfolg. Zugänglich, zeitlos, familienfreundlich. Zuhause war der Schnurrbartträger mit der roten Mütze damals auf dem NES, allerdings stand mit den SNES schon der Nachfolger in den Startlöchern.

Zur gleichen Zeit war auch SEGA damit beschäftigt, auf dem Konsolenmarkt Erfolge zu feiern. 1989 erschien der SEGA Genesis auf dem US-amerikanischen Markt, hierzulande bekannt als Mega Drive.  Damit die Konsole ein Erfolg wird, musste natürlich auch ein passendes Maskottchen her. Und was passt da besser, um den bärtigen Nintendo-Klempner alt aussehen zu lassen, als ein hipper, blauer Igel in Turnschuhen?

Die Strategie war klar. Während Mario den alteingesessene Familienliebling darstellte, war Sonic cool. Und das sollte auch das Gameplay repräsentieren. Und ein Vorteil, den der brandneue SEGA Genesis bot, war der für damalige Zeit extrem schnelle 7,6 MHz Prozessor. Geboren waren Marketing-Begriffe wie Blast Processing, die deutlich machen sollten, was an der SEGA Genesis so besonders ist: Geschwindigkeit.

Für das Marketing und die öffentliche Wahrnehmung war demnach klar, dass auch SEGA-Aushängeschild in erster Linie mit halsbrecherischer Geschwindigkeit in Verbindung gebracht wird. Das Problem daran: In den Sonic-Spielen geht es überhaupt nicht um Geschwindigkeit.

Zugegeben, Sonic kann unter den richtigen Umständen und mit der nötigen Vorarbeit durchaus hohe Geschwindigkeiten erreichen, diese sind jedoch nicht im Mittelpunkt des Gameplays. Viel mehr geht es um den geschickten Umgang mit Trägheit, Timing, Balance und auch darum, im richtigen Moment Geduld zu beweisen. In der öffentlichen Wahrnehmung setzte sich dennoch das Marketing-Kredo durch: Sonic ist schnell.

Problematisch wurde diese Auffassung Mitte der neunziger Jahre, denn mit Super Mario 64 gelang es Nintendo erfolgreich, ihr wichtigstes Franchise in die dritte Generation zu übertragen. Das war vor allem durch Kompromisse möglich, Neuerungen und Änderungen, die auf die neue Grafik-Perspektive angepasst waren. Mario bekam einen Lebensbalken, der Fokus verschob sich von Platformer hinüber zum Erkunden der Spielwelt und Mario musste nicht nur das Ende des Levels erreichen, sondern konkrete Aufgaben erfüllen.

Als Sonic hingegen 1998 den Sprung in die dritte Dimension auf dem SEGA Dreamcast versuchte, schienen sich die Entwickler lediglich an dem Werbe-Mantra Sonic ist schnell festzuklammern, statt darüber nachzudenken, was ein Sonic-Spiel tatsächlich ausmacht und wie sich diese Tugenden in die dritte Generation übertragen lassen.

Es dauerte ganze zehn Jahre bis SEGA mit Sonic Unleashed den Dreh raus hatte, wie ein Sonic auch dreidimensional funktionieren kann. Zu dieser Zeit hatte das Maskottchen seinen Ruf als Mario-Konkurrent aber längst verloren und ist zur Lachnummer geworden. Dazu kamen hanebüchene Stories und eine immer weiter wachsende Zahl überflüssiger Begleiter.

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Auch wenn die Hochgeschwindigkeits-Level in jüngeren Sonic-Spielen, etwa Sonic Generation oder Sonic Forces, keine Katastrophe mehr sind, sind sie dennoch immer nur ein Teil des Spiels, als hätte SEGA eingesehen, dass das Konzept Sonic ist schnell auf Dauer kein unterhaltsames Gameplay bieten kann. Stattdessen wechseln die neueren Teile in der Regel zwischen 2D- und 3D-Passagen hin und her — 3D-Passagen, die sich über mehr als 20 Jahre aus einem fehlgeleiteten Marketing-Kredo hergeleitet haben und 2D-Passagen, die an die Größe der klassischen Sonic-Spiele erinnert, diese aber nicht sinnvoll weiterentwickelt haben.

Das heißt nicht, das aktuelle Sonic-Spiele grundsätzlich keinen Spaß machen, im Gegenteil, der ständige Perspektivwechsel suggeriert aber eine gewisse Identitätslosigkeit, als wisse niemand bei SEGA, was genau Sonic nach all den Jahren eigentlich ausmacht. Allein Sonic Mania hat es im vergangenen Jahr geschafft, ein echtes, klassisches Sonic-Gefühl zu erschaffen. Entwickelt wurde dieses aber nicht von SEGA selbst, sondern langjährigen Sonic-Fans.

Ironie des Schicksals: Der Wahn nach Geschwindigkeit ist der Grund, warum Sonic seit mehr als 20 Jahren nur auf der Stelle tritt.

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