Menschen sind doof: Langeweile im Multiplayer

Robin Schweiger

Ich bin kein Fan von Mehrspieler-Modi. Sie stehen in der Regel so ziemlich allem entgegen, was ich an Videospielen liebe. Die einzigartige Atmosphäre, die sich aufbaut, wenn man viele Stunden in der gleichen Welt verbringt, sie bereist und kennen lernt. Die Charaktere, die ich unterwegs treffe. Die Geschichten, die - wenn sie gut geschrieben sind - durch das Mittendrin-Gefühl so viel effektiver sein können, als die von Filmen und Serien. All das findet man selten im Kampf mit anderen Spielern. Doch es gibt Hoffnung!

Menschen sind doof: Langeweile im Multiplayer

Spec Ops: The Line„-Lead Designer Cory Davis bezeichnete den Mehrspieler-Modus des Shooters einst als „krebsartigen Auswuchs“, als „minderwertigen Call of Duty-Klon“ und lamentierte, dass die Spielmechaniken „vergewaltigt“ werden mussten, um sie in einen Multiplayer-Shooter umzuwandeln. Harter Tobak, der jedoch sehr viele Spiele dieser Konsolen-Generation beschreiben könnte.

Egal, wie sehr sich ein Entwicklerteam auf seine Kampagne konzentriert, egal, wie viel Aufwand sie in die Geschichte stecken - eine Möglichkeit, sich mit anderen Spielern zu messen muss rein. Das hat etwa dazu geführt, dass gefühlt jeder zweite Shooter mit einem Horde-Modus ausgeliefert wird. Da greift man sich einfach eine Singleplayer-Map, setzt dort vier Spieler rein und wirft Gegner-Welle nach Gegner-Welle auf sie. „Dead Space 2″, Spec Ops: The Line“, „Tomb Raider„, „Binary Doimain„, „God of War: Ascension“ - die Liste der Spiele mit völlig unnatürlich drangepappten Mehrspieler-Modi könnte man so ewig fortsetzen.

Doch selbst wenn der Online-Kampf ein integraler Bestandteil des Spiels ist, kann er mich nur selten mehr als ein paar Stunden unterhalten. „Halos“ Universum konnte mich so sehr packen, dass ich in den Mehrspieler-Modi der letzten drei Teile jeweils mehrere Stunden verbracht habe - doch über kurz oder lang wird mir das ewig gleiche Geballer ohne Kontext immer zu öde. Selbst mit einem „Call of Duty: Black Ops 2“ habe ich mehr Zeit in der Kampagne verbracht, als im Multiplayer.

Es ist genau dieser Kontext, der mir fehlt. Mir gibt es leider so gar nichts, wenn ich über Xbox Live ein Match gewinne. Wenn ich in „Left 4 Dead 2“ jedoch das Gefühl habe, mich durch eine echte Zombie-Apokalypse mit richtigen Charakteren zu kämpfen, dann kann mich das packen. Gäbe es statt der vier Haupt-Figuren nur zufallsgenerierte Skins und ein paar unzusammenhängende Maps, würde „Left 4 Dead 2“ sofort völlig uninteressant werden.

Auch „The Last of Us“ macht seine Sache überraschend gut. Das Spiel käme ganz ohne Frage auch sehr gut ohne Mehrspieler-Modus aus und ich war schon bereit, einen eigenen Artikel über die Verschwendung der entsprechenden Ressourcen zu schreiben. Tatsächlich spielt sich der Kampf gegen andere Spieler jedoch sehr anders, als man es von traditionellen Shootern gewohnt ist.

Naughty Dog hat es geschafft, die Spielmechaniken, die den Einzelspieler-Modus zu so etwas Besonderem machen, perfekt in den Online-Modus zu übertragen. Statt ballernd durch die Gegend zu rennen, schleichen die Spieler durch die Maps, jeder der wenigen Schusswechsel ist spannend, selbst das Crafting-System hat es in den Multiplayer geschafft. Dazu wird noch eine lose Story um die Online-Matches gewebt - und schon haben sie mich. Kontext. Ich bekomme innerhalb des Spiel-Universums eine Motivation, gegen die andere Fraktion anzutreten. Eine Motivation, die über den puren Leistungsvergleich traditioneller Online-Shooter hinausgeht.

MMOs machen mir aufgrund ihrer Mehrspieler-Natur oftmals sogar noch weniger Spaß. Gruppen suchen, Preise verhandeln - das ist für mich mehr Arbeit als Vergnügen. Warum World of Warcraft meine Ausnahme dieser Regel ist, habe ich euch ja bereits erklärt.

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