Das Splinter Cell-Phänomen oder: Wie sich Entwickler ihren eigenen Hype verbauen

Lisa Fleischer 1

Vor einiger Zeit leakte Walmart zahlreiche Spiele. Die meisten davon bestätigten sich während der E3 2018, der Leak gilt damit als bestätigt. Nur von Splinter Cell fehlt jede Spur. Wie uns die E3 2018 insgesamt gefallen hat, fassen wir dir im Video zusammen.

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Ja, ich weiß, es ist ein Stealth-Spiel. Trotzdem braucht sich Splinter Cell nicht so sehr zu verstecken, dass wir keine Chance haben, es zu finden. Schon seit mehreren Jahren warten wir gebannt auf einen neuen Teil. Und obwohl es immer wieder vage Andeutungen gibt, macht Ubisoft noch immer ein riesiges Geheimnis um das Spiel. So der Stand vor der E3 2018. Und plötzlich ist da dieser Leak von Walmart, der unglaublich realistisch wirkt, wie ein Versehen, eigentlich sollte die komplette Liste bestimmt erst nach der E3 2018 veröffentlicht werden.

Auf ihr finden sich Rage 2, ein neues Assassin’s Creed, Just Cause 4 – aber auch Splinter Cell und Borderlands 3. Rage 2 und Assassin’s Creed Odyssey werden kurz darauf offiziell enthüllt, Bethesda geht in der eigenen Pressekonferenz sogar noch darauf ein, dass die Leaks nicht etwa erfunden oder geflunkert sind, sondern ein „Geheimnis“ waren. Damit bestätigen sie quasi die Korrektheit des Leaks.

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Und trotzdem: Ubisoft will ein neues Splinter Cell einfach nicht bestätigen. Sogar, nachdem wir bei Ubisoft direkt anfragen, ob der Leak denn stimmt, kommt nur zurück, dass der Publisher „keine Gerüchte und Spekulationen“ kommentiert. Dass sich Ubisoft damit den Hype ums Spiel wahrscheinlich selbst verbaut, zeigt ein Blick in die Vergangenheit.

Weggegangen, Platz vergangen

Auch wenn wir sie inzwischen fast schon zu gut kennen, sind Hypes doch relativ neue Phänomene – zumindest in ihrer jetzigen Form. Nicht jeder Publisher und Entwickler hat den Dreh raus, wie damit umzugehen ist. Sie sind quasi wie empfindliche Pflanzen: Werden sie zu wenig oder zu viel gegossen, gehen sie ganz schnell wieder ein. Das bekamen schon so einige Spiele zu spüren.

Duke Nukem Forever war beispielsweise deutlich zu lange in Entwicklung. Als es veröffentlicht wurde, hatten es die Spieler schon längst nicht mehr auf dem Schirm, der Flop war vorprogrammiert. Und das, obwohl es zur Ankündigung tatsächlich einen langanhaltenden Hype gab. Doch jedem noch so großen Fan geht irgendwann die Puste aus, wird ihm nicht wenigstens ein bisschen Luft in Form von schmackhaften Informationen zugewedelt.

Aber auch dem Spyro-Remaster war der Hype nicht vergönnt – aus dem gegenteiligen Grund. Nach der Ankündigung der Crash Bandicoot N. Sane Triology wurde der Ruf nach dem lila Drachen laut. Schließlich war in dem Code von Crash Bandicoot tatsächlich ein Hinweis auf Spyro zu finden, außerdem war der kleine Drache auf einer offiziellen Facebook-Seite von PlayStation abgebildet. Trotzdem wollte Activision das Spiel einfach nicht ankündigen.

Einige Monate gingen ins Land, der Hype um den lila Drachen ebbte ab, mit einer Ankündigung rechnete kaum einer mehr. Dann die Überraschung: Im April diesen Jahres machte Activision das Remaster offiziell. Nur blöd: Inzwischen war der Hype um das Comeback von Spyro gänzlich vorbei. Activision hatte das Spiel definitiv zu spät angekündigt. Wie sehr das dem lila Drachen schaden wird, werden wir erst im September sehen, schon jetzt deutet sich jedoch ein Flop an, betrachtet man die Reaktionen der Spieler.

Paradebeispiele gibt es viele

Dabei bieten gerade Leaks Publishern eine große Hype-Chance, nutzen sie ihn richtig. Das bewies Nintendo Anfang des Jahres. Nachdem ihre Nintendo Direct Mini im Vorfeld geleakt wurde, machte der Videospiel-Gigant mit mehrdeutigen Posts auf sich aufmerksam. Zwar bestätigten sie die anstehende Konferenz nicht eindeutig, trotzdem schafften sie es, Gamer aus aller Welt gebannt warten zu lassen – und belohnten sie tatsächlich mit zahlreichen Informationen.

Ein aktuelles Beispiel lässt sich bei Bethesda finden: Nachdem Walmart auch Rage 2 leakte, veröffentlichte das Unternehmen kurze Teaser zum Spiel, die selbst mir Lust auf Rage 2 machen – obwohl ich dem Shooter-Genre ansonsten eher abgeneigt bin. Das liegt einfach daran, mit welch sympatischer Art sie auf den Fehler des Einzelhändlers reagieren. Anstatt wie wild zu dementieren und dann doch irgendwann das Spiel zu präsentieren, sind sie ganz offen, kündigen das Spiel an und machen sogar Scherze über das Versehen.

Was wird nun aus Splinter Cell?

Es ist also wichtig, auf Leaks mit wenigen, ausgewählten Informationströpfchen zu reagieren, die Spieler neugierig machen, aber nicht zu viel verraten und vor allem: nicht zu steif sind. Mit Assassin’s Creed Odyssey und Watch Dogs 2 hat Ubisoft eigentlich schon bewiesen, dass sie so etwas können. Darüber, warum sie Splinter Cell im Dunkeln lassen, kann nur spekuliert werden. Vielleicht wollten sie das Spiel ja tatsächlich auch auf der E3 2018 ankündigen, entschieden sich dann aber dagegen, weil das Spiel einfach noch nicht soweit ist. Denn jeder weiß: Auch zu früh angekündigte Spiele können nicht lange im Hype-Fahrwasser mitschwimmen.

Trotzdem ist es schade, dass der Publisher uns im Hinblick auf Splinter Cell so lange warten lässt. Der letzte Teil ist vor fünf Jahren erschienen, schon seit Jahren ploppen immer wieder Hinweise auf einen achten Teil auf. Inzwischen vergeht selbst mir die Lust auf das Spiel; wenn Ubisoft es so lange im Keller lässt, muss ja wohl irgendwas schief laufen bei der Entwicklung, denke ich mir.

So oder so geht Ubisoft die Zeit aus. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich der Hype, der nach dem Walmart-Leak aufkam, noch Monate anhält. Gehen wir selbst zur gamescom 2018 leer aus, wird sich selbst der anhänglichste Splinter Cell-Fan nach Alternativen umschauen. Ähnlich wird es übrigens bestimmt auch Borderlands 3 gehen. Zwar ist die Serie frischer als Splinter Cell, trotzdem fühlen sich bestimmt auch Fans des Gearbox-Shooters so langsam auf den Schlipps getreten – angesichts der Tweets, die Entwickler immer wieder veröffentlichen und die Ankündigung trotzdem schon seit Jahren ausbleibt.

Trotz Hype kann ein Spiel natürlich floppen. Das beweisen diese Spiele, die letzten Endes von kaum einem gespielt wurden.

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Diese Hype-Spiele endeten als großer Flop.

Trotzdem müssen beide Spiele kein Flop werden – einem richtig geilen Spiel kann schließlich kaum ein Spieler widerstehen. Das bewies zuletzt Zelda: Breath of the Wild. Das Spiel war schon 2013 angekündigt worden, der Hype wurde jedoch durch zahlreiche Verschiebungen und zu wenig konkrete Informationen getrübt. Letztenendes erschien das Spiel noch nicht einmal für die Wii U, sondern für die Nintendo Switch – und war noch besser als es sich die Masse erträumt hat. Hoffentlich ist sowohl Splinter Cell als auch Borderlands 3 ein ähnlicher Erfolg vergönnt.

Was denkst du: Haben Splinter Cell und Boderlands 3 den Hype-Train verpasst oder ist ihnen trotz allem eine rosige Zukunft vergönnt? Freust du dich auf die beiden Spielen oder ist dein heiß erwartetes Game schon längst angekündigt worden? Schreibe uns deine Meinung in die Kommentare.

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