Star Ocean 5 in der Vorschau: Uncanny Valley oder doch eine echte Schönheit?

Cliff Amador 5

Mit Star Ocean 5 erscheint am 01. Juli eines der meisterwarteten JRPGs der letzten Jahre. Wir haben letzte Woche Square Enix besucht, um nicht nur einen ersten Blick auf das neue Abenteuer zu werfen, sondern auch um dem Produzenten des Spiels ein paar interessante Antworten über Star Ocean und den japanischen Videospielmarkt zu entlocken. Das alles lest ihr jetzt in unserer Vorschau.

Star Ocean 5 - Story-Trailer.

Während kleinere, japanische Spiele in regelmäßigen Abständen erscheinen, schien es lange still um größere JRPGs zu sein. Doch dieses Jahr stellt ein ganz besonderes Jahr für Fans von schwertschwingenden Abenteurern dar. Mit Final Fantasy XV, Persona 5 und Star Ocean 5 erscheinen innerhalb weniger Monate gleich drei ganz große Kaliber, nach denen sich viele Fans schon seit langer Zeit die Finger wund lecken.

Ich war vor ein paar Tagen bei Square Enix zu Besuch, um mir das neue Star Ocean 5 anzusehen und ein paar Worte mit Produzent Shuichi Kobayashi zu wechseln. Mir war schon im Vorfeld klar, dass Kobayashi ein sehr leidenschaftlicher Entwickler ist, der in Interviews nicht davor zurückscheut, sich kritisch über die Entwicklung der japanischen Videospielindustrie zu äußern. Nach einer guten Stunde Spielzeit mit Star Ocean 5 habe ich mich mit dem Produzenten unter anderem auch über Grafiktrends und westliche Einflüsse in japanischen Videospielen unterhalten, und dabei herausgefunden, auf welche Art und Weise Kobayashi mit Star Ocean 5 Risiken eingeht, die längst nicht jeder japanische Entwickler eingehen kann. In meiner Vorschau verrate ich euch später mehr dazu.

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Noch nie ein Star Ocean gespielt? Kein Problem!

Bevor ich auf die Handlung und das Kampfsystem von Star Ocean 5 eingehe, sei gesagt, dass ihr das Spiel auch ohne Vorkenntnisse spielen könnt. Lasst euch also von der 5 im Titel bloß keine Angst einjagen. Ganz in Gegenteil! Shuichi Kobayashi will euch sogar dazu motivieren, direkt mit diesem neuen Ableger ins Abenteuer zu stürzen:

„Die Star-Ocean-Spiele folgen zwar einer Struktur, erzählen jedoch immer eine eigene Geschichte. Wir betrachten die ersten vier Spiele als eine Art komplette Staffel einer spannenden Saga und wollen mit Star Ocean 5 ein neues Kapitel einschlagen - quasi die nächste Staffel einläuten.“

Weiter erklärt er mir, dass Hardcore-Fans zwar Parallelen zu den Vorgängern entdecken werden, Neueinsteiger davon aber nicht irritiert werden können, da Star Ocean 5 viel mehr als ein Reboot zu verstehen sei.

Mittelalter trifft auf Magie triff auf… Aliens!?

Je nachdem, ob ich mich für einen Einstieg mit textlastigem oder ganz ohne Tutorial entscheide, geht es gleich zu Beginn ziemlich flott zur Sache. Nach einem aufregenden Trainingskampf stellen Hauptprotagonist Fidel und seine Freunde fest, dass ihr Dorf von üblen Banditen beobachtet wird. Natürlich gehen sie der Sache nach, brauchen jedoch weitere Kämpfer, um die Plage erfolgreich in die Flucht zu schlagen. Dafür machen sich der talentierte Schwertkämpfer und seine Gefährten auf nach Königreich Resulia, um Fidels Vater, einen einflussreichen Krieger, um Unterstützung zu bitten. Der ist allerdings überhaupt nicht amused, was die Unbeholfenheit seines Sohnes angeht und schickt Fidel eiskalt zurück; dieser soll seine Angelegenheiten gefälligst aus eigener Kraft erledigen.

Und als wäre ein Vater, der zum Lachen in den Keller geht, nicht schon Bestrafung genug, treffen Fidel und seine Begleitung auf - wait for it! - eine fliegende Untertasse mit aggressiven Außerirdischen!!1 Das kam unerwartet? Gut, denn das Besondere an Star Ocean 5 ist, dass der Planet, auf dem das Spiel startet, technologisch betrachtet in einem romantischen Mittelalter mit Magie und Fabelwesen angesiedelt ist. Dass die Charaktere aus dieser einfachen Welt urplötzlich mit Aliens und Weltraumschlachten konfrontiert werden, kommt doch sehr erfrischend. Und das, obwohl der Name des Spiels auch Neueinsteigern natürlich deutlich suggerieren sollte, dass es irgendwann ins All gehen muss.

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Schöner, als der japanische Markt erlaubt

Neben der Handlung sticht vor allem die aufwendige Aufmachung von Star Ocean 5 ins Auge. Ich habe wirklich noch nie ein so dermaßen typisch buntes Japano-Spiel gesehen, bei dem sich die Entwickler getraut haben, ausreichend Budget in die Grafik zu stecken. Manchem könnte sogar der Begriff „Uncanny Valley“ über die Lippen kommen, wenn man mit dem Mix aus „Anime“ und Realismus nichts anzufangen weiß.

Shuichi Kobayashi hat etwas gebraucht, bis er wusste, welche Richtung er bei der Optik von Star Ocean 5 einschlagen wollte:

„Viele japanische Entwickler greifen heute auf Cel-Shading zurück. Das ist ein weit verbreiteter Trend, der auch schön anzusehen ist, aber oft falsch eingesetzt wird. Charaktere werden hübscher, Hintergründe fallen aber meist flach aus. Ich wusste irgendwann, dass ich für Star Ocean 5 den CGI-Look der Vorgänger wollte, und mit Square Enix an meiner Seite war das sogar mit deutlichen Verbesserungen möglich. Ich hoffe, dass wir die Grafik auf dieser Basis für kommende Star-Ocean-Ableger weiter ausbauen können.“

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Ich drück ja schon! Ich drück ja schon! Also, den Controller…

Nicht ganz so umgehauen wie Präsentation und Charakter-Design hat mich das Kampfsystem von Star Ocean 5. Das gibt sich zwar schnell und actionreich, artet aber gerne in recht monotones Knopf-Gedrücke aus. Hier stehen euch Nah- und Distanzangriffe zur Verfügung, die ihr in unterschiedlichen Reihenfolgen auf eure Gegner loslassen könnt, um kleine Combos vom Stapel zu lassen. Durch Aufleveln und Aufskillen lassen sich neue Techniken erlernen, die ihr sowohl im Kampf als auch auf der Reise einsetzen könnt, um beispielsweise an neue Gegenstände zu kommen.

Wer sich außerdem schon immer bei Rollenspielen daran gestört hat, dass nur eine kleine Anzahl an Partymitgliedern an Kämpfen teilnehmen kann, darf hier jetzt seine komplette Truppe (und in Star Ocean 5 sind es immerhin ganze sieben Personen!) in den Ring steigen lassen.

Ein weiterer Punkt, der für die Optik spricht, ist dass die Kämpfe nahtlos eingeleitet werden und ihr nicht in einen neuen Kampfbildschirm geworfen werdet. Das ist wirklich schön und ein noch viel zu seltenes Feature in japanischen Rollenspielen.

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Alte Werte über neue Stellen?

Insgesamt macht Star Ocean 5 einen wahnsinnig schicken Eindruck auf mich, kann sich darüber hinaus durch veraltete Spielelemente aber nicht mit experimentierfreudigeren Rollenspielen messen. Zumindest die Areale am Anfang erinnern mich vom Aufbau her stark an diverse Gebiete aus Tales-of-Spielen, die entweder sclauchig ausfallen oder mit mittelgrossen Flächen zum Grinden auffordern.

Im Gespräch mit Shuichi Kobayashi wird mir aber auch klar, dass der Mann viel Wert auf Tradition legt oder zumindest keinen Gedanken daran verschwendet, sich beim westlichen Publikum einzuschleimen. Auf die Frage hin, ob sich Kobayashi und sein Team bei der Entwicklung von Star Ocean 5 auch Gedanken um den Geschmack der westlichen Spielgemeinde machen, erklärt mir der Produzent, dass es keinen Sinn ergeben würde, sich dem westlichen Publikum anzupassen:

„Ich denke, die Vergangenheit hat gezeigt, dass japanische Entwickler, die es dem westlichen Markt recht machen wollen, genau das viel zu hart versuchen und dadurch ausnahmslos scheitern. Die Fans mögen Star Ocean wie es ist und es wäre zu gefährlich, eine andere Formel zu kopieren.“

Trotzdem und vielleicht gerade deshalb möchte der Produzent hinter Star Ocean 5 irgendwann einmal an einem Projekt arbeiten, das in der Liga eines The Witcher 3 spielt:

„Ich mag RPGs im Allgemeinen und habe zuletzt auch sehr viel The Witcher 3 und Fallout 4 gespielt. Ich möchte irgendwann einmal auch ein Videospiel im Format eines Final Fantasy XV entwickeln. Das wäre wohl mein nächster Traum.“

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