MMORPG 2014 Release-Check: Die wichtigsten Online-Rollenspiele des Jahres

Tobias Heidemann 7

Stecken die MMORPGs in der Krise? Gemessen an der rasanten Entwicklung, die das Genre der Online-Rollenspiele einst in seiner historischen Blütezeit vorweisen konnte, beantworten viele Spieler und Beobachter diese Frage derzeit mit einem Ja. Statt sich unverbrauchten Ansätzen zu widmen, suchten zuletzt selbst große Hoffnungsträger wie „Guild Wars 2“, „Star Wars: The Old Republic“ oder „The Secret World“  ihr Heil lieber in der Veredelung einer mittlerweile betagten Formel. Sinnvolle Verbesserungen wie dynamische Quest-Events, die Vertonung von Dialogen oder die Einführung von Rätselneinlagen wurden von den meisten Spielern zwar begrüßt, konnten allerdings auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Online-Rollenspiele in den letzten Jahren kaum weiterentwickelt haben.

MMORPG 2014 Release-Check: Die wichtigsten Online-Rollenspiele des Jahres

Eine ernüchternde Bilanz, die sich durch die enorme Flut von generischen Free-2-Play Titeln, die sich 2013 über ihre Zielgruppe ergoss, nur noch mehr bestätigte. Das Releasejahr 2014 wird für MMORPG-Fans also ein überaus spannendes Jahr. Werden sich die kommenden Online-Rollenspiele 2014 freistrampeln, sich von festgefahrenen Konventionen lösen und endlich mal wieder etwas frischen Wind in das muffige Einerlei lassen oder kommt die einst so lebhafte Szene in diesem Jahr vollends zum Stillstand? Unser MMORPG 2014 Release-Check gibt erste Antworten.

EverQuest Next (Landmark) – PC Release 2014

MMORPG-2014

Zugegeben, auf den ersten Blick sieht “EverQuest Next“ nach einem ziemlich durchschnittlichen Free-to-Play-MMORPG aus. Gestrickt nach den altbekannten Fantasy-Mustern bestehend aus Zwergen, Elben und Drachen, lockt das neue Projekt von Sony Online Entertainment mit eher konventionellen Zutaten. Doch ein zweiter Blick lohnt sich in diesem speziellen Fall ganz sicher. Wenn es nach uns geht, dann darf sich „EverQuest Next“ als das innovativste Online-Rollenspiele des Jahres präsentieren.

Und damit ist hier nicht einmal das Multi-Classing-System gemeint, das euch laut der Entwickler über 40 Klassen frei miteinander kombinieren lässt. Was uns vielmehr aufhorchen lässt, ist die Tatsache, dass „EverQuest Next“ erstmals im Genre eine zerstörbare Umgebung bietet und sich bei der Erschaffung von seiner Spielwelt offenkundig von „Minecraft“ inspirieren ließ. Über das bereits vor dem Hauptspiel veröffentlichte Online Social Building Game „Landmark“ gewähren uns die Macher nämlich die Benutzung der mächtigen Entwicklertoolsets. So kann die Community die Landschaften und Schauplätze aus „EverQuest Next“ in Teilen selbst erschaffen oder mitgestalten.

Mit Hilfe der zerstörbaren Umgebung können die Entwickler zudem zufällige und dynamische Events anbieten, die über das bisher in Online-Rollenspielen Mögliche hinausweisen. Nach einem langen Gespräch, das wir während der gamescom 2013 mit den Entwicklern führten, wussten wir zwar immer noch nicht, ob diese ambitionierten Ziele wirklich umgesetzt werden können und auch die Frage nach den geplanten Mikrotransaktionen blieb weitestgehend ungeklärt – die Lust auf Genre-Experimente und Innovation hat uns dennoch nachhaltig beeindruckt. „EverQuest Next“ ist 2014 die erste Anlaufstelle für neue Ideen im Bereich MMORPG.

Zur Beta von EverQuest Next - Landmark *

Everquest Next Worldwide Debut.

The Elder Scrolls Online – PC Release am 4. April 2014 /PS4 und Xbox One Juni

MMORPG-2014-TESO

An diesem MMORPG scheiden sich aktuell die Geister. Auch in der GIGA-Redaktion ist das so.Während die einen das erste Online-Rollenspiel in Tamriel als einen großen Hoffnungsträger ausgemacht haben, sehen andere Beobachter in „ESO“ vor allem eines: Business as usual.

Mit drei unterschiedlichen Spieler-Fraktionen, neun Völkern, Abo-Modell und einem Endgame, das sich wie gehabt auf Fraktions-PvP, Gruppen-Dungeons und Raids konzentriert, hat „The Elder Scrolls Online“ für Veteranen keinerlei Überraschungen im Angebot. Dafür hievt das millionenschwere Projekt die etablierte Standardkost visuell und spielerisch auf ein etwas höheres Niveau. Wie zuletzt „Guild Wars 2“ oder „Star Wars: The Old Republic“  fokussiert sich „ESO“ auf eine vorsichtige Weiterentwicklung konventioneller MMORPG-Insignien. ZeniMax Online verlässt sich dabei in erster Linie auf die Überzeugungskräfte der geschichtsträchtige Elder Scrolls-Spielwelt und die Nähe zum Rollenspiel-Hit „Skyrim“. Zumindest Letzteres funktioniert bereits sehr gut, denn „The Elder Scrolls Online“ spielt sich trotz passivem Kampfsystem angenehm actionreich und griffig.

Doch eine Einschätzung fällt uns dennoch schwer. Ob sich „The Elder Scrolls Online“ mit seiner unzeitgemäßen Kombination aus Abo-Bezahlmodell und (!) Mikrotransaktionen als „das größte Desaster des Jahres“ (Zitat aus dem Wirtschaftsmagazin Forbes) herausstellen wird, ob wir es hier mit dem von vielen Fans so sehr erhofften „Skyrim-Online“ zu tun bekommen oder ob „TESO“ das letzte große Online-Rollenspiel seiner millionenschweren Art sein wird, das steht alles noch in den Sternen von Tamriel. Die von uns angespielten Startgebiete haben uns  trotz des Alles-schon-mal gesehen-Gefühls jedenfalls ganz gut gefallen. Ab April wissen wir mehr.

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Charakterentwicklung The Elder Scrolls Online.

WildStar – PC Release 2014

MMORPG-2014-Wildstar

Von NCSOFT und den Carbine Studios wird 2014 endlich das bereits 2011 angekündigte „WildStar“ auf die MMO-Welt losgelassen. Unter uns gesagt, auch hier werdet ihr wenig wirklich Neues finden – dafür aber eine gewitzte Comic-Optik und eine lässig-lustige Präsentation.  Auch das relativ unverbrauchte Science-Fiction-Szenario gibt „WildStar“ im umkämpften Online-Rollenspiel-Markt ein bisschen zusätzlichen Rückenwind.

Ansonsten begegnet man beim ersten Kontakt mit dem MMORPG eher den üblichen Verdächtigen. Es gibt wieder einmal ein actionorientiertes Kampfsystem, es gibt ein paar interessante Klassen mit bisweilen schön abgedrehten Skills und es gibt ein zünftig aufgebohrtes Crafting- und Housing-System. Insbesondere letzteres dürfte Genre-Veteranen sicherlich beeindrucken. Die Macher von „WildStar“ wissen trotz aller Leichtigkeit also, wie man auch den harten Kern der Online-Rollenspieler anspricht.

Vorsichtig formuliert bedeutet das für uns: Wer aktuell mit Online-Rollenspielen wie „Dragon´s Prophet“, „Tera“ oder „Aion“ seinen Spaß hat, der wird sicher auch mit „WildStar“ glücklich werden. Wer allerdings eine hochwertige Präsentation braucht und eine Spielerfahrung bevorzugt, die an Offline-Rollenspiele erinnert, der sollte vorerst einen Bogen um „WildStar“ machen. Neben konventionellem Abo-Modell bietet „WildStar“ auch eine Play-to-Pay-Option, die EVE Online-Spielern bekannt vorkommen könnte.

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Trove – PC Release 2014

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Entwickler Trion Worlds hat sich mit „Rift“ im MMORPG-Genre durchaus verdient gemacht und so war man entsprechend gespannt auf ihr nächstes Spiel. „Trove“ wurde das gute Stück dann getauft und ist laut Hersteller ein „Massive Multiverse Adventure“.

Übersetzt bedeutet das, dass wir es hier mit einem ziemlich offenkundigen „Minecraft“-Klon zu tun bekommen. „Trove“ lädt alle Spielkinder in seine Voxel-Sandbox ein, um dort das kreative Element von „Minecraft“ mit Rollenspielzutaten wie etwa Quests und Dungeons zu vermählen. Deshalb darf sich „Trove“ auch Online-Adventure-RPG nennen. Natürlich geht es auch hier wie im großen Vorbild um das Finden und Verarbeiten von Rohstoffen, sowie um den Spaß am Entdecken und Erschaffen. Auch wenn uns „Trove“ ein bisschen zu deutlich klaut, den Entwicklern ist einiges zuzutrauen und auf Genre-Mixe stehen wir ja ohnehin.

Destiny – PS3 / PS4 / Xbox 360 / Xbox One Release 9. September 2014

MMORPGs

Das MMO der Halo-Macher hat in dieser Liste eigentlich nichts zu suchen. Wenngleich „Destiny“ mit seinem umfassenden Loot-System und den drei unterschiedlichen Klassen sicherlich die Mindestanforderungen für den Begriff Rollenspiel mitbringt, so zielt das Mammutprojekt doch eher in das Lager der Shooter-Fans. Wer „Borderlands 2“ gespielt hat, wird sich in „Destiny“ also gut zurechtfinden.

Bungie gedenkt die Latte allerdings noch ein gutes Stück höher zu hängen als bei der genannten Konkurrenz und genau das macht „Destiny“ auch für eingefleischte Online-Rollenspieler wieder interessant. Eine riesige, weit verzweigte Spielwelt mit einer mysteriösen Hintergrundgeschichte, üppige Individualisierungsoptionen und klassische Skilltrees, gemeinsame Beutegänge in denen das kooperative Agieren der Klassen Warlock, Hunter und Titan essentiell ist, sowie ein sehr starker Fokus auf soziale Community-Interaktion und natürlich die große aufgezogenen Public Events – allesamt Zutaten, die man sonst eher in MMORPGs zu Gesicht bekommt. Zutaten, die„Destiny“ aus dem konventionellen Shooter-Genre heraus in einen interessanten, neuen Grenzbereich führen. Könnte sehr groß werden oder herbe enttäuschen. Wir drücken die Daumen.

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Destiny - 12 Minuten Gameplay.
 

WoW: Warlords of Draenor – PC Release im 3. Quartal 2014

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Außerhalb der WoW-Community fragt man sich derzeit schon, wie lange das noch gut geht. Immerhin kommt mit „Warlords of Draenor“ nach „Mists of Pandaria“ erneut eine WoW-Erweiterung, die bei ihrer Ankündigung eher für verhaltenen Beifall, denn für Begeisterungsstürme sorgte. Ob es Blizzard hiermit gelingen wird, die abgewanderten Spieler zurückzuholen, darf deshalb auch bezweifelt werden. Aber wenn kümmert das schon, wenn „Warlords of Draenor“ die hartgesottenden Fans zufriedenstellt. Dass das Addon mit seiner Zeitreise-Idee, dem Maximal-Level 100, den neuen Raids, dem Garnisons-Feature und dem tatsächlich endlich mal umgesetzten Housing das Zeug dazu hat, das wollen wir hier auch gar nicht bestreiten. Zeit für Titan wird’s dennoch.

World Of Warcraft: Warlords Of Draenor - Trailer.
 

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