Star Wars: The Dead Republic – Warum ich niemals Level 50 erreichen werde

Tobias Heidemann 42

Den professionellen Kontakt mit „Star Wars: The Old Republic“ habe ich gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Dieses Spiel wollte ich seit seiner Ankündigung ganz für mich allein. Keine Previews, kein Test, kein gar nichts. Nur ich, „SWTOR“ und meine beinahe grenzenlose Begeisterung für das Star Wars-Universum. Ein Blick durch die berufliche Brille hätte mir meine Spielerfahrung zerstört. Ich wollte „Star Wars: The Old Republic“ nicht testen, wollte nicht nach Fehlern suchen oder Vergleiche anstrengen – ich wollte in BioWares wunderbarer Welt eintauchen, in ihr aufgehen, sie einfach nur erleben. Das habe ich auch getan. Fast drei Monate lang. Nun bin ich wieder aufgetaucht und habe ein ganz mieses Gefühl bei der Sache.  

Star Wars: The Dead Republic – Warum ich niemals Level 50 erreichen werde

Ich muss das vielleicht kurz erklären. Seit mir vor langer, langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie – ich muss etwa neun Jahre alt gewesen sein – ein Schulfreund seine Cola-verklebte VHS-Version von „Krieg der Sterne“ überreichte, bin ich ein krasser Fanboy.

Star Wars, das ist mein wunder Punkt, meine nostalgisch verklärte Jugendliebe, mein Happy Place. Star Wars-Bettwäsche, Star Wars-Bademantel, Lichtschwerter aus Plastik, Bildbände von Ralf McQuarrie, Romane, Comics, Biographien  – ich hatte sie alle. Noch heute wacht eine Han Solo Figur mit stoischer Lässigkeit über meine Tagesgeschäfte in der Redaktion.

What’re you lookin‘ at? I know what I’m doin‘ - Han Solo wacht über meinen Arbeitsplatz

 

Alles was Star Wars im Namen trägt, findet also im toten Winkel meiner journalistischen Kompetenzen statt und ist erstmal nur geil. So auch „SW:TOR“. Zumindest am Anfang. Oh, was für ein Anfang das war!

Als ich mit meinem Schmuggler Qyuen zum ersten Mal im Raumhafen von Coruscant festmachte, war die Spielewelt noch in Ordnung. So muss es Luke gegangen sein, als er an Obi-Wans Rockzipfel hing und seine ersten Schritte in eine größere Welt machte. Staunend wanderte ich durch den zerstörten Jedi-Tempel, legte mich mit dem mächtigen Verbrechersyndikat der Black Sun an und erstarrte in atemloser Ehrfurcht vor dem Galaktischen Senat.

Der Beginn eines aberwitzigen Abenteuers

Qyuen stolperte wie sein großes Vorbild Han Solo von einem aberwitzigen Abenteuer ins nächste. Die Jagd nach seinem gestohlenen Corellianischen Frachter und dessen Dieb Skavak war unglaublich aufregend, die Gespräche mit der ebenso geheimnisvollen wie attraktiven Risha ein echtes Ereignis und die erste Ausflüge auf die umkämpften Schlachtfelder von Alderaan, Voidstar und Huttenball sehr genugtuend.

Qyuen wurde stärker und wuchs mir immer mehr an Herz. Kalauernd und neugierig zogen wir durch die Galaxis, machten uns über bornierte Jedi-Padawane lustig, traten Sith-Adepten in die Weichteile, hackten unzählige Kampf-Droiden und verbreiteten mit dem satten Sound seiner Schrottflinte Angst und Schrecken in der alten Republik. Taris, Nar Shaddaa, Tatooine – die Zeit mit meinem Schurken verging wie im Flug und eh ich mich versah, hatte das Schlitzohr Qyuen Level 30 erreicht.

Da war die Welt noch in Ordnung: Qyuen kurz nach dem Release
Da war die Welt noch in Ordnung: Qyuen kurz nach dem Release

 

Es geschah auf Balmorra

Dann begann das Band unserer Freundschaft zu zerreißen. Ganz langsam. Ich bemerkte es zunächst gar nicht. Es muss irgendwann auf Balmorra passiert sein - tief hinter den feindlichen Linien. Im Dienst von Senator Dodonna hatten wir unzählige Droiden zerlegt, wieder und wieder imperiale Agenten aufgerieben und eine Ewigkeit nach zerstreuten Wrackteilen gesucht.

Warum? Das kann ich heute gar nicht mehr sagen. Der epische Krieg zwischen Imperium und Republik, er hatte auf Balmorra  urplötzlich seine Konturen verloren und erschien mir fortan seltsam bedeutungslos. Qyuen und ich waren kriegsmüde geworden.

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