Dieser Egoshooter sieht aus wie 1996, aber spielt sich wie 2017

Martin Eiser 2

Quake, Doom und Duke Nukem 3D sind bis heute Lieblinge für viele Shooter-Freunde – vergleichbare Kracher suchst Du fast vergebens. Mit Strafe soll sich das schon bald ändern. Der Egoshooter feiert die schnelle, blutige Pixel-Action wie schon damals 1996.

Strafe - Banned Commercial.

Vor 20 Jahren konntest Du eine ganz bestimmte Art von Action erleben, die du heute jedoch kaum noch findest. Vor allem von Quake schwärmt Thom Glunt. Und wenn er von seinem eigenen kleinen Projekt spricht, dann kannst Du das Leuchten in seinen Augen sehen. Zusammen mit Programmierer Stephen Raney arbeitet er an Strafe, einem aus der Zeit gefallenen Egoshooter. Sie gründeten das Studio Pixel Titans und sammelten vor zwei Jahren über Kickstarter mehr als 200.000 Dollar für die Entwicklung eingesammelt. Inzwischen nähert sich die Entwicklung dem Ende.

In seinem zweiten Leben ist Thom Glunt übrigens Regisseur und hat unter anderem Musikvideos für Bands wie Sohn und Anti-Flag gedreht. Seine Erfahrung mit der Produktion von kurzen Videos und Werbeclips nutzte er auch für sein Spiel. Das oben eingebundene Video wurde speziell für die Kickstarter-Kampagne gedreht und ähnelt in seinem übertriebenen Stil dem großartigen Kurzfilm Kung Fury, der die Actionfilme der Achtziger Jahre aufs Korn nimmt.

STRAFE - Screen 1

Was ist Strafe?

Strafe ist ein Rougelike-Shooter mit prozedural generierten Arenen und Permadeath – wenn Deine Lebensenergie aufgebraucht ist, geht es also von vorne los. Es gibt drei verschiedene Modi, aber keinen klassischen Mehrspielermodus. Auf Nachfrage erklärt Glunt, dass sie als kleines Team ganz klare Prioritäten setzen mussten, um sich nicht zu übernehmen. Und vor dem Hintergrund, dass es mit Quake Live mindestens einen würdigen und noch dazu kostenlosen Multiplayer-Vertreter gibt, wurde der Fokus auf die Solo-Erfahrung gelegt.

Es gibt sogar eine Story, auch wenn die sehr knapp gehalten ist und nur zart in das Gesamtwerk eingewebt wurde. Du bist ein Schrottsammler und Dein Aufklärer soll sich der Icraus anschließen, um an den Rand der Galaxie zu reisen, wo noch kein Schrottsammler zuvor gewesen ist. Am Treffpunkt wartet aber kein Raumschiff und auf Funksprüche gibt es keine Antwort – nur der Teleporter scheint noch erreichbar zu sein. Du schnappst Dir zur Sicherheit noch eine Waffe und machst Dich auf den Weg – irgendwas ist da komplett gegangen…

STRAFE - Icarus Wreckage

Was macht Strafe besonders?

Die Aufmachung im Stil eines Shooters aus dem Jahr 1996 hat Strafe wunderbar eingefangen, doch damit allein lockst Du heute niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Deswegen gibt es eine weiterentwickelte Darstellung von Blut. Die rote Flüssigkeit spritzt nicht nur aus abgetrennten Körperteilen auf die entsprechenden Oberflächen in der Umgebung, sondern bleibt dort auch, bist Du stirbst und das Spiel endet. Gleiches gilt für nicht eingesammelte Gegenstände oder Knochen. Einige Gegner bestehen allerdings auch aus Säure und die solltest Du tunlichst meiden.

Wie für das Genre üblich kannst Du versuchen, Dich stumpf durch Horden von Gegnern bis zum Ziel zu ballern. Dann allerdings verpasst Du die vielen versteckten Geheimnisse, wozu unter anderem auch seltene Items und rund 30 Bonuswaffen gehören. Versteckte Räume und witzige Easter Eggs waren schon damals ein ganz wesentliches Element für den Spielspaß, aber Strafe treibt es scheinbar auf die Spitze und tänzelt noch leichtfüßig darauf herum. Du kannst beispielsweise mit dem Blut der Gegner Feuer löschen, um nur ein Beispiel zu nennen. Zu viel soll aber nicht verraten werden, sonst ist der Spaß weg.

Strafe - Uber Gore Tech 2.0 Trailer.

Warum spielt sich Strafe wie 2017?

Vor dem Start kannst Du aus Shotgun, Railgun und Machine Gun wählen. Jede spielt sich anders, aber Du kannst Defizite mit den versteckten Bonuswaffen ausgleichen. Letztgenannte sind übrigens sehr stark, haben allerdings nur begrenzte Munition. Außerdem gibt es Upgrades für die drei Hauptwaffen, Du kannst Rüstungen verbessern und Gegenstände kaufen. Dazu gehören etwa Doppelsprung-Schuhe oder Steroide, die Dich schneller machen. Oder wie wäre es mit einem kleinen fliegenden Geschütz, das Dich begleitet? Etwa 20 solcher praktischen Dinge gibt es.

Strafe sieht aus wie ein alter Schinken, aber technisch hat der Shooter natürlich mehr auf dem Kasten. Die 30 Gegner-Typen haben jeweils eine eigene künstliche Intelligenz, die sich in einem speziellen Verhalten äußert. Ein Charakter läuft vielleicht eher Kamikaze. Ein anderer, dem gerade die Munition ausgegangen ist, setzt seine Waffe als Baseballschläger ein. Außerdem kannst Gegnern sogar gezielt Körperteile wegballern – Beißen oder spucken wird ein armloser Bösewicht leider noch nicht, aber vielleicht wird solch eine Funktion ja noch ergänzt.

Neben dem Story-Modus gibt es eine Variante speziell für Speedruns. Dann verändert sich Spielwelt nur wöchentlich und Du spielst auf Zeit für eine möglichst hohe Punktzahl in der Online-Bestenliste. In „Mudered“ sammelst Du für jeden erlegten Gegner Blut – ausgenommen natürlich Roboter. Bestimmte Annehmlichkeiten schalten sich erst ab einer bestimmten Blutmenge frei.

STRAFE - Screen 3

Martin (Redakteur, Jahrgang 1983) findet:

Das was die Spiele dieser Zeit ausgezeichnet hat, war ihr Tempo. Und auch Strafe zwingt Dich dazu, ständig in Bewegung zu bleiben und Dich vorwärts zu bewegen. Klar, kannst Du es auch langsamer versuchen, aber langfristig hast Du damit keinen Erfolg. Genau dieses Gefühl haben die Jungs wirklich gut eingefangen. Dafür gibt es ja auch das viele Blut. Wenn Du Dir Strafe anschaust, wirst Du denken: „Was zur Hölle!?“ – Aber es ist alles so sehr übertrieben, dass es einfach nur saulustig ist.

Der Schwierigkeitsgrad ist ordentlich und kann nicht verändert werden. Entweder Du bist bereit, Dich in Strafe reinzuknien oder Du lässt es. Das notwendige Geschick und Reaktionsvermögen lässt sich aber mit etwas Übung lernen. Bei mir weckte der Shooter auf jeden Fall so einige Erinnerungen an meine Jugend. Trotzdem ist Strafe kein Remaster dieser Shooter-Generation, sondern ein Remake. Es fühlt sich vielleicht wie 1996 an, weil es genau die gleiche Freude erzeugt.

Ohne die modernen Annehmlichkeiten wäre Strafe eher lahm, denn dann könnte ich ja gleich zu einem Spiel aus dieser Zeit greifen. Zum Glück wird Strafe aber offensichtlich ziemlich geil. Dieses Adjektiv hätte ich zumindest 1996 benutzt, um auszudrücken, dass ich etwas sehr gerne mag.

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Richard (Praktikant, Jahrgang 1995) findet:

Dafür, dass ich mit Shootern der alten Schule tendenziell weniger anfangen kann, hat mich Strafe sehr gut unterhalten. Liebhaber des Genres sollten meine Meinung aber nicht als Maßstab heranziehen, da sie offenkundig Spaß mit dem auf Retro getrimmten Shooter haben werden, der sich – wo er nur kann – vor seinen Ahnen im Geiste verbeugt, zeitgleich aber nicht versäumt, eigene Akzente zu setzen. Das Gameplay ist schnell gelernt, braucht aber Übung, um es zu meistern – und so sollte es in der Regel auch sein. Ergo: Plagiat und Hommage sind ein schmaler Grat, doch Pixel Titans schafft es, die Altherren des Genres im Wortlaut zu zitieren und dennoch nicht wie eine blanke Kopie zu wirken!

Strafe - Icarus Zone 1 - Gameplay-Trailer.
STRAFE: Millennium Edition
Entwickler: Pixel Titans
Preis: 14,99 €

Die Indie-Spezialisten von Devolver Digital kümmern sich um den Release von Strafe. Der Shooter erscheint am 28. März 2017 für PC und Mac. Außerdem ist eine Umsetzung für die PlayStation 4 in Arbeit. Was hältst Du von der Pixel-Gore-Orgie? Hast Du auf ein Spiel wie Strafe gewartet oder bist Du eher skeptisch?

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