Strange Brigade im Test: Koop-Geballer im Alten Ägypten

Marvin Fuhrmann 1

Wenn die Welt vor dem Abgrund steht und die echten Helden gerade den Tag frei haben, dann muss eben eine Gruppe her, die nicht in den Geschichtsbüchern stehen wird. Die Strange Brigade, vier unerschrockene und verschrobene Abenteurer, machen sich auf, Ägypten zu erkunden und dabei mächtig viele Untote zurück unter die Erde zu schicken.

Strange Brigade - Launch Trailer.

Entwicklerstudio Rebellion hat sich mal eben von der Sniper Elite-Reihe abgewandt und einen Koop-Shooter für PC, Xbox One und PS4 auf den Markt gebracht. Unter dem Titel Strange Brigade gibt es hier Third-Person-Action satt. So versprechen es zumindest die Entwickler. Ob hinter diesen Anpreisungen wirklich auch Substanz steckt, habe ich im Test zu Strange Brigade herausgefunden.

Eine Story, so flach wie ihre Witze

Wer einen Koop-Shooter sucht, der mit einer ausgefallenen Story glänzt, braucht Strange Brigade nicht einmal mit Handschuhen anfassen. Denn die Geschichte ist hanebüchen und lässt sich auf einem Bierdeckel runterschreiben. Vier seltsame Abenteurer, die für die groben Einsätze gebucht werden, begeben sich 1930 nach Ägypten. Dort ist eine alte Hexenkönigin aus ihrem Schlaf erwacht und droht nun die Welt in den Abgrund zu stürzen. Die Geschichte wird nur beiläufig in stylischen, aber durchaus eintönigen Zwischensequenzen erzählt. Ansonsten gibt’s nur Bücher und gelegentliche Audiokommentare, die versuchen, dir irgendwie mehr zu sagen, als es eigentlich an Substanz gibt. Dafür nimmt sich Strange Brigade aber nicht ernst und versucht die Stimmung immer wieder aufzulockern.

Apropos Audiokommentare und „nicht allzu ernst“: Strange Brigade hat nicht nur vier Charaktere, sondern noch einen Sprecher, der wohl gerne mit auf Reisen gekommen wäre. Denn in einer Tour quasselt der sonore Kommentator und unterstreicht sämtliche Aktionen im Spiel. Das ist zunächst durchaus charmant und die Witze zünden ab und an auch. Dennoch empfehle ich, den guten Herren im Optionsmenü zurückzuschrauben. Gut, dass die Entwickler diese Option eingebaut haben. Denn spätestens im zweiten Level wird er dir auf den Geist gehen, da er selbst in Zwischensequenzen nicht den Schnabel hält und ständig dazwischen grätscht. Eine coole Idee, die aber leider übertrieben wurde.

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Immerhin macht die Spielwelt die fehlende Story ein bisschen wett. Denn Ägypten erstrahlt in voller Pracht, die Ruinen sind düster und voller Details, die sich erst mit genauem Hinsehen erkennen lassen. Trotz eines eingeschränkten Settings bekommst du hier sehr unterschiedliche Areale präsentiert, die sich auch teils in den einzelnen Levels schnell ändern können. Hier haben sich die Entwickler richtig viel Mühe gegeben, das Feeling für die Spielwelt gut herüberzubringen und es ist ihnen ohne Zweifel auch gelungen.

Feuern aus allen Rohren

Was Strange Brigade ausmacht, sind die Feuergefechte. Schließlich ist der Kern eines Koop-Shooters eben der Teil mit den Knarren und dem Geballer. Und da sich Rebellion aufgrund der Sniper Elite-Reihe mit Shootern auskennt, fällt dieser auch ziemlich gut aus. Für Fans von Sniper Elite: Stell dir einfach vor, du würdest auf ein Scharfschützengewehr pfeifen und nur noch mit den Maschinengewehren die Level abschließen. Dann entfernt man noch das Deckungssystem und die Kill-Cam und schon hat man Strange Brigade. Das mag sehr simpel und heruntergebrochen erscheinen, ist es aber keinesfalls.

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Die Fights zwischen den vier verschiedenen Helden und den Untoten bringen durchaus taktische Vielfalt mit sich. Fallen, explosive Fässer und Spezialkräfte der Charaktere bieten Tiefgang und machen das Gameplay zum Highlight von Strange Brigade. Neben der Kampagne, die dich durch alle Areale des Spiels führt, gibt’s auch noch einen Horde-Modus, in dem du mit Freunden oder allein nach und nach stärkere Gegnerwellen beseitigst. Für gefundenes Gold erhältst du neue Waffen, Special-Kräfte oder baust Fallen erneut auf. Hier werden wohl die meisten Spieler die Jagd auf den Highscore versuche, was für einige Stunden Spielspaß sorgen dürfte.

Zu erwähnen bleibt noch, dass sich die vier Mitglieder der Strange Brigade zwar in ihren Fertigkeiten und Boni unterscheiden, aber keine Einschränkungen in Sachen Waffen mit sich bringen. So kann auch die taffe Nahkämpferin Gracie mit einem Scharfschützengewehr aus den hinteren Reihen aufräumen, während sich der gebrechliche Gelehrte Professor Archimedes mit einer Schrotflinte voranstürmt. Was der Gameplay-Part allerdings ein wenig zu wünschen übrig lässt, sind die Feinde. Zu 90 Prozent bestehen diese aus Untoten in allen Formen und Panzerungen. Gelegentlich mischt sich ein Tier darunter und dann ist Schluss. Schade, hätte das Setting durchaus noch abgedrehtere Feinde zugelassen.

Auch mal das Köpfchen anstrengen

Abwechslung in die Ballerorgie bringen Rätsel, die kreuz und quer im ganzen Level verteilt wurden. Mal löst du einfache Kombinationsrätsel, dann werden Laserstrahlen quer durch Räume geschossen, um eine Tür zu öffnen oder du suchst versteckte Runen in den Arealen, um eine geheime Passage zu betreten. Die Kniffeleien sind nie sonderlich schwer, sollten sie aber auch nicht sein. Denn die Action steht bei Strange Brigade im Vordergrund. Wenn du dann eine halbe Stunde für ein einziges Rätsel bräuchtest, ginge der Flow schnell verloren. So rennen wir durch Ägypten, schießen die Untoten zurück in ihr Grab und strengen hier und da noch unsere grauen Zellen auf dem Weg an.

Fazit zu Strange Brigade

Strange Brigade ist definitiv ein Spiel, das nicht jedem gefallen wird. Wer sich allerdings auf eine Koop-Ballerei mit einigen Freunden einstellt, dürfte hier einige Abende Spaß haben. Auf die Story, die quasi im Hintergrund läuft, musst du sowieso nicht achten und mit eigenen Witzen und Sprüchen machen Kumpels sicherlich mehr Spaß als der Erzähler von Strange Brigade. Was dann noch bleibt, sind einige Stunden mit einem gut funktionierenden Koop-Shooter, der mit Rätseln, neuen Waffen und dem Horde-Modus motiviert. Einzig der Preis von Strange Brigade bereitet uns ein wenig Kopfzerbrechen. Knapp 50 Euro werden für das Hauptspiel fällig. Allein dieser Preis fühlt sich schon ein wenig zu hoch angesetzt an. Dazu gesellt sich der Fakt, dass neue Waffen, Charaktere und weitere Level nur über den Season Pass erscheinen werden, der noch einmal mit 35 Euro zu Buche schlägt. Kein günstiger Koop-Spaß.

Strange Brigade wird dir gefallen, wenn du ein paar Freunde dafür zusammentrommelst und ein paar nette Abende mit der Ballerei verbringen willst.

Strange Brigade wird dir nicht gefallen, wenn ein Spiel für dich auch eine anständige Story mitbringen muss.

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