Super Smash Bros. Wii U Test: 98 Fäuste für ein Halleluja!

Martin Küpper 17

Hype, unbändige Vorfreude – ein trügerisches Gefühl, das für Gamer dieses Jahr mehr als einmal in einer Enttäuschung endete. Auch Super Smash Bros. für Wii U wurde schon im Vorfeld bejubelt und muss sich nun einer immensen Erwartungshaltung stellen, die man eigentlich unmöglich erfüllen kann. Oder doch?

Super Smash Bros. Wii U Test

Für Außenstehende ist die Faszination an Super Smash Bros. womöglich gar nicht mal so leicht zu verstehen. Warum wird ein simpler Fun-Prügler mit Nintendo-Charakteren jedes Mal derart abgefeiert? Dabei hat die Beliebtheit der Reihe in meinen Augen drei ganz einfache Gründe, die man auch am neusten Smash Bros. für Wii U sehr gut fest machen kann.

Das Smash-Konzept

Als erstes wäre da das immer noch recht einzigartige Spielkonzept der Reihe. Statt wie üblich eine KP-Leiste auf Null zu prügeln, gilt es hier, die Gegner aus der Arena zu befördern. Je mehr Schaden sie haben, desto weiter fliegen sie und somit wird es für sie immer schwerer, auf die Arena zurückzukehren. Diese Prämisse ist auch für Einsteiger leicht zu verstehen, sodass das Spiel eine recht große Zugänglichkeit bietet. Auf der anderen Seite ist das Spiel unter der Oberfläche aber so komplex, dass schon eine ganze Menge dazu gehört, um wirklich gut zu werden. Wenn ich mir ansehe, was die absoluten Profis auf den großen Turnieren veranstalten, wird mir ganz schwindelig.

GIGA Gameplay: Super Smash Bros. Wii U - Teil 1.

Zum GIGA GAMEPLAY zu Super Smash Bros.

Somit bietet Smash Bros. wie kein zweites Nintendo-Spiel seinen Spielern den Ansporn, immer besser und besser werden zu wollen. Ein äußerst reizvoller Prozess, der schon damit beginnt, sich aus der Masse an Charakteren den richtigen heraus zu picken. Dafür bietet euch Super Smash Bros. für Wii U (genau wie die 3DS-Fassung) stolze 49 Charaktere zur Auswahl, die sich (bis auf einige Ausnahmen) sehr eigen spielen. Jeder Kämpfer hat seine eigenen Vor- und Nachteile, sodass am Ende die persönliche Präferenz entscheidet.

Schnelle Charaktere sind beispielsweise in der Regel echte Federgewichte und entsprechend leicht aus der Arena zu befördern, während schwere Kämpfer zwar mächtig Schaden austeilen können, dafür aber auch sehr schwerfällig agieren. Jeder Kämpfer hat zudem vier spezielle Attacken und auch die Standard-Attacken unterschieden sich natürlich – z.B. je nachdem, ob euer Charakter mit bloßen Fäusten, einem Schwert oder einer Schusswaffe kämpft. Neu dazu kommt außerdem auch noch, dass ihr eure Charaktere anpassen und spezialisieren könnt, indem ihr ihre Statuswerte (Angriff, Verteidigung, Schnelligkeit) mit Items verbessert bzw. verändert.

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Super Smash Bros. Ultimate: Alle Charaktere mit Kämpferliste und Videos.

Ein Umfangs-Monster

Ein gutes Stichwort, denn Umfang und Options-Vielfalt sind der nächste Punkt in meiner Liste. Hier trumpft Super Smash Bros. nämlich wirklich so richtig auf! Schon bei einer schnellen Runde mit Freunden habt ihr zahlreiche Möglichkeiten euer eigenes Spielerlebnis zu gestalten: Spielt ihr nach Zeit, Leben oder soll es doch darum gehen wer die meisten Münzen sammelt? Soll es Items im Spiel geben? Wenn ja: in welcher Häufigkeit? Gibt es Items, die ihr gezielt abschalten möchtet? Alles kein Problem! Und hier spreche ich jetzt noch nicht einmal vom besonderen Modus „Special Smash“, in dem man noch ganz viel anderen Unsinn einstellen kann. Hier könnt ihr etwa auch mit riesigen bzw. kleinen Charakteren spielen oder mit 300% Schaden in den Kampf starten. Eine weitere Option bietet euch zusätzlich der neue Achter-Smash, in dem man zu acht statt zu viert an den Start gehen kann, was natürlich für absolutes Chaos sorgt.

Hinzu kommen die Online-Komponente (über die ich später noch im Detail spreche), der neue Brettspielmodus namens „Smash Tour“, sowie zahlreiche Einzelspieler-Modi, die man teilweise aber auch mit einem Freund kooperativ erledigen kann. Selbst eine bloße Aufzählung aller Spielmodi würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen, was sehr gut veranschaulicht, was für ein Umfangs-Monster das Spiel doch ist. Aber wozu sollte man das eigentlich alles spielen?

Das spielbare Nintendo-Museum

Die Antwort auf diese Frage führt uns zu meinem letzten Punkt: Super Smash Bros. ist der ultimative Nintendo-Fan-Service, ohne dabei aufdringlich oder gar peinlich zu werden. Im Gegenteil: das Spiel profitiert von dem ganz eigenen Nintendo-Charme und der Nostalgie der Fans. Doch wovon spreche ich hier eigentlich konkret?

Nun, Super Smash Bros. ist nicht einfach nur ein Spiel, in dem man sich mit verschiedenen Nintendo-Charakteren in bekannten Kulissen wie dem Pilzkönigreich oder Hyrule die Kauleiste polieren kann. Ihr erspielt euch im Spiel jede Menge Trophäen, kleine Statuen verschiedenster Nintendo-Figuren, zu denen es auch immer einen kleinen, teilweise sogar amüsanten Infotext gibt. Zusätzlich gibt es auch in Ladezeiten kleinere Trivia-Infos als Einblendung, und ausgewählte Klassiker könnt ihr sogar im Spiel als Demo anspielen!

Super Smash Bros. ist somit also fast so etwas wie ein spielbares Nintendo-Museum, in dem man all das findet, was Nintendo in den letzten 20-30 Jahren so beliebt gemacht hat. Ein ganz wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist übrigens auch der Soundtrack, dem Lobpreisungen wie „absolut fantastisch“ nicht im Ansatz gerecht werden können. Es erwartet euch ein musikalisches Bollwerk, ein Best-Off der Nintendo-Musik, prall gefüllt mit Remixen und Originalversionen. Und das Beste: Ihr könnt sogar selbst einstellen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit sein soll,dass einer der zugehörigen Songs bei einer Arena erklingt.

Spieltempo & Online Modus

Ihr merkt es vielleicht, der kritische Videospiel-Journalist in mir prügelt sich grad passend zum Spiel mit dem überschwänglich-begeisterten Nintendo-Fan, der euch jetzt noch 10 Seiten darüber zusammen schreiben könnte, wieso Super Smash Bros. ganz allgemein eine grandiose Serie ist, die auf einer Disc zusammenfasst, was ich an Nintendo so schätze.

Ich muss allerdings sagen, dass mir Brawl, der Vorgänger auf der Wii, im Rückblick nicht ganz so gut gefallen hat. Das ist vor allem auf das recht langsame Spieltempo und den katastrophalen Online-Modus zurück zu führen, der dank seiner Latenz völlig unspielbar war. Ergo waren das natürlich auch die zwei Punkte, die Nintendo auf der Wii U dringend überarbeiten musste. Und genau das haben sie getan.

Das Spieltempo von Super Smash Bros. für Wii U ist eine gesunde Mischung, ein Mittelding zwischen dem sehr schnellen Melee und dem etwas (zu) langsamen Brawl. Wie gut man damit zurecht kommt, muss letztlich natürlich immer jeder für sich selbst herausfinden. Mir persönlich sagt es aber extrem zu und auch von meinen Freunden und Bekannten, die größtenteils die selben Probleme mit Brawl hatten, habe ich bislang nur positives gehört.

Der Online-Modus läuft nun wesentlich flüssiger. Natürlich hat man je nach Verbindung auch mal das ein oder andere Match, bei dem man nicht nur mit seinen Gegnern, sondern auch mit Latenzen, Rucklern oder einem verlangsamtem Spieltempo zu kämpfen hat. Ich habe aber eigentlich nie lange gebraucht, um Mitspieler zu finden, deren Verbindung einen flüssigen Kampf zugelassen haben.

Ihr könnt euch online übrigens selbst aussuchen, ob ihr zum Spaß an der Freude spielen wollt, oder ob ihr für Ruhm und Ehre antreten möchtet. Letzteres bedeutet, dass ihr ohne Items kämpft und sämtliche Statistiken wie Siege, Niederlagen, Kills, Tode etc. gespeichert werden. Hier könnt ihr auch eure Fähigkeit mit einem einzelnen Kämpfer messen, was natürlich ganz besonders nervenaufreibend ist. Zusätzlich könnt ihr auch Fremden beim Kämpfen zuschauen und auf einen Gewinner wetten oder euch mit Freunden prügeln – dann auch mit zahlreichen Optionen. Oh, und ihr könnt natürlich auch zu zweit an einer Konsole im Teamkampf antreten. Wie gesagt, Umfangs-Monster.

Super Smash Bros. für Wii U – Test-Fazit

Super Smash Bros. punktet mit den bekannten Stärken und verbessert die wichtigsten Kritikpunkte am Vorgänger konsequent. Das Spielkonzept überzeugt wie eh und je, der Nintendo-Charme ist an jeder Ecke zu spüren und der Umfang ist überwältigend. Da fällt es dann im Endeffekt auch nicht ins Gewicht, dass der neue Brettspielmodus „Smash Tour“ nicht wirklich überzeugen konnte, schließlich gibt es ja trotzdem immer noch genug zu tun.

Einzig ein wirklicher Story-Modus – wie der Subraum-Emissär aus Brawl – fehlt dann halt doch, um das Spiel auch Einzelspielern bedenkenlos empfehlen zu können. Die Trophäen als Sammel-Motivation reichen dafür leider nicht ganz.

Als Multiplayer-Titel ist Smash Bros. auf der Wii U aber über jeden Zweifel erhaben – vor allem weil endlich auch der Online-Modus angemessen funktioniert. Ich weiß also jetzt schon, dass ich noch hunderte Stunden mit diesem Spiel verbringen werde und jede einzelne Sekunde davon genießen werde. Wer Smash Bros. mag, wird die Wii-U-Version lieben!

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