Surviving Mars im Test: Aller Anfang ist schwer

Alexander Gehlsdorf 1

In der Realität lässt die Besiedlung des Mars noch ein paar Jahrzehnte auf sich warten. Auf dem heimischen Bildschirm kannst du hingegen jetzt schon loslegen und dir in Surviving Mars den Roten Planeten aneignen. Aber ob das auch Spaß macht?

Surviving Mars - USK Trailer.
Warum dauert das mit der Mars-Mission eigentlich so lange? So schwer kann das doch nicht sein: Rakete abschießen, Kuppel aufbauen, Stecker rein und fertig!

Dass die tatsächliche Besiedlung eines Planeten natürlich deutlich komplizierter ist, beweist nicht zuletzt Surviving Mars, in dem du höchstselbst das Kommando über eine solche Mission übernimmst.

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Dazu bestimmst du zu Beginn einer Partie einen Landeplatz sowie einen Sponsor. Die Auswahl entspricht dem Schwierigkeitsgrad, da die USA und China etwa mehr finanzielle Mittel als Russland zur Verfügung stellen können, während an ungünstig ausgewählten Landeplätzen schnell die Ressourcen knapp werden.

Ist die Rakete erst einmal gelandet, kann das Siedeln beginnen. Oder etwa nicht? Die erste Stunde in Surviving Mars ist ohne Frage die schwierigste, denn wie genau eine solche Besiedlung eigentlich ablaufen soll, das erklärt niemand. Zwar hast du Zugriff auf ein umfangreiches Spiel-internes Wiki, ein echtes Tutorial kann dies jedoch trotzdem nicht ersetzen.

Also ist vor allem Ausprobieren angesagt. Eine kleine Schar Drohnen lädt die mitgebrachten Ressourcen aus der Rakete aus, während du die ersten Gebäude planst: Ein Betonextraktor, ein Solarkollektor, die nötigen Kabel und so langsam nimmt das Leben auf dem Mars Fahrt auf.

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Was nicht gleich zu Beginn ersichtlich ist: Statt die abgebauten Ressourcen in einem virtuellen Kontor abzulegen, muss jeder Beton-Klotz und jede Metallstange physisch gelagert werden. Es gilt also, in der Nähe der Fabriken und Minen Lagerplätze einzurichten, die von den Drohnen beliefert werden und von den sich die Bauvorhaben fleißig bedienen.

Bis die ersten Kolonisten tatsächlich den Mars erreichen, wird in der Gaming-Welt allerhand passiert sein. Wir haben schon jetzt einen Blick in die Zukunft gewagt:

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Solange die Drohen Zugriff auf gut gefüllte Lager haben, kann alles ohne Zwischenfälle seinen Gang gehen. Jedenfalls bis die ersten Probleme auftreten, deren Lösung aufgrund des fehlenden Tutorials nicht immer ersichtlich ist. Warum etwa fehlt es den Minen nachts immer an Strom? Ach so, weil du Solarkollektoren aber keine Batterien gebaut hast. Windkrafträder hingegen funktionieren zu allen Tageszeiten. Bei genauerer Betrachtung ist das absolut logisch, als Teil der Spielmechanik brauchst du jedoch eine Weile, bis du dich daran gewöhnt hast, welche Aspekte das Spiel simuliert und welche nicht.

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Läuft der Laden erstmal, kann der Bau an der ersten Kuppel beginnen. Damit allein ist es aber natürlich noch nicht getan, denn zusätzlich braucht jede Kuppel Sauerstoff und Wasser. Eine leere Kuppel bringt zudem auch nicht viel, also müssen zudem noch Wohnhäuser, Krankenstationen, Restaurants und Farmen gebaut werden.

Das alles verbraucht natürlich um so mehr Ressourcen, also musst du wiederum auch deine Energiegewinnung ausbauen, mehr Drohen produzieren, einen zweiten Betonextraktor errichten und eine weitere Rakete mit Elektroteilen und Polymeren anfordern, die du aktuell noch nicht selbst herstellen kannst — dank spendablem Sponsor Gott sei Dank (noch) kein Problem.

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Nach einigen Tagen pegelt sich das Leben deiner Kolonisten unter der Kuppel langsam ein, dennoch gibt es immer etwas zu tun. Energieerzeuger, Rohre, Kabel und auch alle anderen Gebäude müssen ständig gewartet werden. Gibt ein Zahnrad in deinem mittlerweile recht komplexen Netzwerk den Geist auf, droht eine Kettenreaktion, an der die gesamte Kolonie zu scheitern droht.

Fällt der Strom aus, so ist auch die Wasser- und Sauerstoffversorgung unterbrochen. Steht deine Beton- und Metallproduktion still, so kannst du notwendige Reparaturaufgaben nicht durchführen. Und hast du einen ungünstigen Sektor des Planeten gewählt, musst du dich zudem mit Meteoriten, Stürmen und plötzlichen Kälteeinbrüchen auseinandersetzen. Langweilig wird es in Surviving Mars so schnell also nicht. Entspannt aber auch nicht.

Mein Test-Fazit zu Surviving Mars

Wer von Surviving Mars ein gemütliches Aufbauspiel erwartet, wird gerade zu Beginn einige Hürden überspringen müssen. Die komplexen Systeme der Simulationen greifen letztendlich zwar alle nachvollziehbar ineinander, bis ein Neueinsteiger die zahlreichen Interaktionen aber verinnerlicht hat, ist der eine oder andere Kolonist womöglich bereits erstickt. Zudem ist das Spiel nicht immer vollständig logisch. Warum etwa sterben deine Kolonisten an Altersschwäche oder gebären Kinder, wenn die Zeit im Spiel in Tagen (Sol) gerechnet wird? Warum muss jede Kuppel komplett eigenständig funktionieren, statt etwa eine Kuppel nur mit Wohnräumen, eine anderen hingegen mit Farmen auszustatten? Sind die Eigenheiten der Simulation aber erst einmal verinnerlicht, ist die stete Optimierung der eigenen Kolonie ein motivierender Zeitfresser, dem es auch im Endgame nicht an Herausforderungen mangelt.

Wird dir gefallen, wenn du komplexe Aufbauspiele mit jeder Menge Tiefgang magst und Elon Musk auf Twitter folgst.

Wird dir nicht gefallen, wenn du in Spielen gern an die Hand genommen wirst und Fummelei nicht ausstehen kannst.

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