Ron Gilbert mag keine Episodenspiele!

Marco Schabel 1

Insbesondere Telltale Games hat in den vergangenen Jahren zahlreiche episodisch erzählte Adventure-Spiele veröffentlicht. Einer mag das, unter gewissen Umständen, aber gar nicht: Ron Gilbert.

GIGA Triva #32 - Monkey Island.

Der ehemalige LucasArts-Entwickler Ron Gilbert ist einer der wenigen, die mit Fug und Recht als Legenden betrachtet werden können, ohne aus Japan zu stammen. Gilbert ist vor allem für die Erschaffung der Spielserie Monkey Island, Maniac Manson, Indiana Jones oder Zak McKracken bekannt. Sein Spezialgebiet sind jene Adventure-Spiele, die heute als Point and Click-Adventure bezeichnet werden. Auch heute noch ist der Entwickler einer der aktivsten und bekanntesten Spielemacher in diesem Genre und sicherlich ein unangefochtener Experte auf dem Gebiet. Zuletzt arbeitete er auch mit Telltale Games an Tales of Monkey Island, allerdings ohne selbst das Sagen zu haben. Dieser Umstand machte Ron Gilbert aber überhaupt nicht glücklich.

In einem aktuellen Interview sprach Ron Gilbert über seine Zusammenarbeit mit Telltale Games an einer Marke, die einst seiner Feder entstammte. Damals hatte er die Entscheidungsgewalt über Monkey Island und konnte Ideen, die beim Brainstorming entstanden, ins Spiel übernehmen oder abschmettern. Für Tales of Monkey Island war er lediglich Ideengeber. Wie er ausführte, macht es ihm normalerweise nichts aus, nur beratend tätig zu sein und keine Entscheidungen, wie zum Beispiel zur fragwürdigen Preispolitik, zu treffen. Für die Marke Monkey Island war das aber etwas anderes. Auf die Frage, ob ihm die Zusammenarbeit und die Entscheidungen gefallen haben und er glücklich damit sei, setzte es daher ein klares Nein.

Ron Gilbert war nicht glücklich

„Ich war damit nicht glücklich“, so Ron Gilbert. „Hauptsächlich, weil ich denke, dass Adventure-Spiele – zumindest so wie ich von Adventure-Spielen denke, als klassische Point and Click-Spiele – dann denke ich nicht, dass diese episodisch erzählt werden können. Denn für mich geht es in diesen Spielen darum, sich stets ausbreitende und wachsende Welten zu kreieren. Es geht darum, dass ihr Rätsel löst und die Welt wächst und ihr löst weitere, schwerere Rätsel. Und die episodischen Spiele, wie Telltale sie macht, sind nicht so. Das sind einfach lineare Knoten. Du hast Episode 1 und spielst sie, so weit, so gut. Aber dann hast du Episode 2 und die baut überhaupt nicht auf Episode 1 auf. Was die Story angeht schon, aber aus Sicht der Welt und der Rätsel nicht. Weil es etwas eigenständiges sein muss. Wenn jemand erst mit Episode 3 einsteigt, kannst du ihn nicht zwingen, 1 und 2 zu kaufen und zu spielen.“

„Und das bedeutet für mich, dass du die Möglichkeit eines klassischen Point and Click-Adventures eliminierst, die Struktur zu haben, die es benötigt“, heißt es von Ron Gilbert weiter. Also ich denke, dass Episoden kein gutes Modell sind. Ich denke, Telltale ist über dieses für derartige Spiele richtige Modell gestolpert und sie hatten solchen Erfolg mit The Walking Dead, dass sie einfach darauf hängen geblieben sind. Sie hatten andere Spiele in Arbeit, die sie einfach eingestellt haben. Sobald The Walking Dead auftauchte, haben sie realisiert: ‚oh, so machst du das also‘ und haben alles andere eingestellt.

Tales of Monkey Island erschien erstmals 2009. Das Spiel umfasste fünf Episoden. Ron Gilbert selbst arbeitet jetzt an Thimbleweed Park, was im Juni 2016 erscheinen soll. Zukünftig würde er gerne einen eigenen, richtigen dritten Monkey Island-Teil kreieren.

Ron-Gilbert

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