Ist Minecraft Story Mode nur was für Kinder? Der ultimative Test für Minecraft- und Telltale-Fans

Kristin Knillmann 4

Dass Telltale viele Marken zu Spielen verwurstet, ist nix Neues. Das hat bislang in allen Fällen - von The Walking Dead bis Tales from the Borderlands - großartig funktioniert. Nur Minecraft, das Spiel ohne Sprachausgabe, dass eigentlich gegen die Dialog-lastige Struktur der Telltale-Games verstößt, will nicht so ganz in den Kanon passen. Ob Minecraft Story Mode trotzdem lohnt - als Telltale-Fan oder Minecraft-Fan - erzählen wir dir in unserem Test.

Minecraft Story Mode Episode 1 Trailer.

Was geht ab bei Minecraft Story Mode?

Minecraft Story Mode gibt seiner Vorlage Minecraft endlich eine Stimme: Eigens kreierte Bauwerke und Geschichten werden abgelöst von einem Ensemble aus sympathischen Sonderlingen, der Auswahl von Dialog-Fetzen und einer episodischen Erzählung aus der von vielen geliebten Telltale-Feder.

Im Zentrum stehen Hauptfigur Jesse - optional weiblich oder männlich, Hauptfarbe frei wählbar - und ihre Freunde Olivia, Axel und Reuben. (Reuben ist eine coole Sau. Wortwörtlich.) Die Vier halten sich für die totalen Loser - ihr Leben ist langweilig, ihr Auftreten ganz ok und überhaupt haben sie noch niemals irgendwelche wichtigen Preise gewonnen. Da sieht’s auch mit den Chancen für den heiß begehrten Hauptpreis des Bauwettbewerbs auf der Endercon (eine Anspielung auf die Minecon) nicht so gut aus.

Dabei wollen Jesse, Olivia, Axel und Reuben doch unbedingt ihr Idol Gabriel the Warrior, eine der vier Legenden des berühmten „Order of the Stone“ treffen.

Als „Order of the Pig“ (stilecht von uns als einer von vier möglichen Team-Namen ausgewählt) versuchen wir uns trotzdem dran. „Wir bauen nichts Funktionales. Wir bauen was Spaßiges.“ - Team-Motto steht, das simple Bauwerk des Minecraft-Zombies kurz drauf auch.

Was wunderschön hätte ausgehen können, geht voll in die Hose als Reuben sich an Lava verbrennt, wegrennt und das Team vor die Wahl stellt, nach ihm zu suchen oder das Bauwerk vor den Fieslingen der Konkurrenz zu beschützen. Das bringt die Geschichte von Minecraft Story Mode ins Rollen und wirft die Freunde in ein riskantes Abenteuer. So riskant, dass die letzte Hoffnung zur Rettung der Klötzchen-Welt nur noch bei den verschollenen Mitgliedern des „Order of the Stone“ liegt und an der Person, die die Truppe wieder vereinen muss: Jesse.

In nur einer Episode vom Bauwettwerb zum Weltuntergang. Shit’s happening.

Sollte ich mir das Spiel als TELLTALE-Fan kaufen?

Jein. Weil:

  • Die Grundelemente für ein gutes Telltale-Spiel sind da: Die Erzählung ist filmisch, die Dialog-Optionen witzig, und die Charaktere so sympathisch, wie Klötzchen-Charaktere mit eingeschränkter Mimik halt sympathisch sein können.
  • Der Schlachtruf der Truppe ist schlicht „Team!“, weil ihnen die Kreativität für ausgefallenere Sprüche fehlt. Das konfrontiert uns als Spieler automatisch mit unserer eigenen Normalität und bietet so nicht nur ne Menge Identifikationsfläche, sondern verleiht dem Spiel auch einen seltsam-schrägen Humor. TEAM!
  • Axel ist ein kleiner Slapstick-Komiker, der nach langweiligen Sequenzen die Stimmung durch nen Spruch wieder aufheizt.
  • Die Stimme des Erzählers und die Arbeit der Sprecher ist auf dem gewohnt hohen Telltale-Niveau. Es macht Spaß, die Ohren zu spitzen und den Dialogen oder der angenehmen Musik-Kulisse zu lauschen.
  • Als Telltale-Freundin bekomme ich meine Momente: Nachdem ich unseren Team-Handschlag „Builder Bump“ taufe, sind wir alle gemeinsam eine Runde awkward, worauf Telltale sicherheitshalber ein „No one will remember that“ in den Raum wirft.
  • Die typischen Telltale-Liebhab-Szenen sind rar gesäht, aber mit an Bord. Slow-Motion-Intros gehen halt immer.
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Telltale Games: Alle Spiele in der Übersicht!

ABER:

Die Minecraft-Thematik ist für Telltale-Spiele ungewöhnlich und braucht deswegen besonders lange, um warm zu laufen. Die Story bleibt zu lange recht flach und ziellos; erst zum Ende der ersten Episode bekommen wir langsam das Gefühl, dass es spannend werden könnte. Und trotzdem bleibt dabei alles eine (noch) sehr klassische Helden-Geschichte, die (noch) zu wenig aus dem „Jeder kann ein Held sein“-Motto macht.

Das wäre alles kein Ding, wenn der Humor über die ereignislose Geschichte tragen würde. Nur: Der ist stellenweise zwar charmant, aber eben nie so richtig aufgeregt oder auf den Punkt. Was die Schreibe angeht, muss Telltale also in den kommenden Ausgaben unbedingt aufholen, um seine Fans für die Serie zu begeistern. Deswegen eben auch das „Jein“. Was jetzt noch nicht ist, kann vielleicht noch werden. Das Potential ist da, es muss nur genutzt werden.

Übrigens: Am wärmsten wirst du mit Minecraft Story Mode, wenn dir Tales from the Borderlands gefallen hat. Walking-Dead- und Wolf-Among-Us-Fans werden eher mit den Schultern zucken und enttäuscht sein. Freunde von Telltales Humor haben hier definitiv mehr für übrig.

Allerdings darfst du dabei nicht vergessen, dass Tales den Trademark-Humor des Vorgängers perfektioniert und ihm einen eigenen Spin verleiht. Bei Minecraft gibt es weitaus weniger Humor, der im Spiel aufgegriffen werden kann - eher Insider. Deswegen ist die Ausrichtung von Story Mode zwar neu und unbehaftet, gleichzeitig aber auch austauschbarer als Vorlagen, die von Haus aus mehr Witz mitbringen.

Tales from the Borderlands hat also den Humor und die Erzählstruktur, alle anderen Telltale-Spiele die starke Geschichte - was hat denn jetzt eigentlich Minecraft Story Mode?

Sollte ich mir das Spiel als MINECRAFT-Fan kaufen?

Ja. Weil:

  • Der Minecraft-Look ist volle Kanne da. Alles sieht aus wie bei Minecraft, Rezepte sind identisch mit Minecraft, Eigenheiten des Spiels werden als Parodie ebenfalls inkludiert. Wo du auch hinschaust, als Minecraft-Fan fühlst du dich einfach zuhause.
  • Minecraft Story Mode transportiert den gleichen Spirit wie dein Lieblingsspiel. Egal ob du gut oder schlecht bist, du hast deinen Platz in der Welt und manchmal reicht es auch aus, etwas zu bauen, das dir gefällt. Scheiß auf Funktionalität, Hauptsache du hast Spaß dabei!
  • Apropos Zwei(oder mehr)-Klassen-Gesellschaft in Minecraft: Der Bauwettbewerb zu Beginn nimmt einige Aspekte der Community ganz gut auf die Schippe. Egal welcher Partei man angehört: Als Fan des Hauptspiels findet man sich an irgendeiner Stelle wieder.
  • Es gibt Minecraft-Anspielungen OHNE ENDE: Ständig will Axel was aus fremden Häusern klauen, schließlich liegt das Zeug dort frei verfügbar rum. Außerdem macht Lava wirklich alles kaputt und unser Schwein Reuben sieht mit Ender-Dragon-Maske unwiderstehlich aus.

Wenn du von dem Universum nicht genug kriegen kannst, wirst du möglicherweise auch an Minecraft Story Mode deinen Spaß haben. Du wirst mehr lachen als ein Telltale-Fan und die kleinen Kniffe, die die Geschichte für dich tragen können, besser verstehen. Greif zu, hab Spaß und sei ein Held - nur eben anders als du es vom Bauen her kennst.

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Welcher Minecraft-Spieler-Typ bist du?

Ihr spielt Minecraft schon seit Erscheinen und seid absoluter Fan des Klötzchenspiels? Findet iin unserem Minecraft-Quiz heraus, was für ein Spieler-Typ ihr seid: Hardcore-Spieler, eher der kreative Typ oder doch ein Casual-Gamer?

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