Statt eines schmalspurigen Mini-Updates möchte Entwickler Ivory Tower mit The Crew: Wild Run eine durchdachte und umfangreiche Erweiterung liefern. Die vielen neuen Inhalte zeigen das Spiel von der besten Seite, kranken im Detail aber noch immer an alten Schwächen. Unsere Vorschau verrät euch mehr.

 

The Crew

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The Crew

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Die Idee hinter The Crew ist auch ein Jahr nach Erscheinen noch unheimlich spannend: Es verbindet ein Arcade-Rennspiel mit MMO-Elementen und heftet das Ergebnis vor die Kulisse eines riesigen Open-World-Nord-Amerikas. Doch leider zündete das Konzept Ende letzten Jahres wegen der sprunghaften Fahrphysik, einem unausgegorenen Schwierigkeitsgrad und dem etwas undurchsichtigen Spielsystemen nicht völlig.

Mit Wild Run werden die The-Crew-Flitzer am Startstreifen jetzt aber neu sortiert. Der Entwickler wirft kurzerhand die Versionen für alte Konsolen aus dem Beifahrerfenster, poliert die Windschutzscheibe und schaltet am Kreativ-Getriebe in den sechsten Gang.

Das Land der unbegrenzten ansehnlichen Möglichkeiten

Der riesige Spielplatz von The Crew ist noch immer der Gleiche. Ihr könnt die komplette USA bereisen und mit euren Protz-Karossen über die Golden Gate Bridge sausen, Las Vegas einen Besuch abstatten oder Lady Liberty aus dem Seitenfenster zuwinken. Dass es keine signifikanten Änderungen gibt, ist zu verkraften, stellt die Spielwelt doch die größte Stärke von The Crew dar. Lediglich im Detail wurden einige Elemente neu arrangiert.

Im Kontrast dazu zeigt sich die überarbeitete Präsentation sehr deutlich. Ohne die Xbox-360-Version als Ballast im Schlepptau kann der Current-Gen-Motor endlich auf Drehzahlen kommen. Mit dem Grafik-Update gewinnt das Spiel deutlich an Detailtiefe, flimmert weit weniger und bietet enorme Weitsicht – auch ohne störende Pop-ups. Gerade beim direkten Vergleich zum Hauptspiel fallen die Unterschiede deutlich auf. Apropos Hauptspiel: Wer The Crew auf Current-Gen-Systemen besitzt, darf sich kurz vor Erscheinen von Wild Run über das Grafik-Update per Patch freuen.

Neuerdings regnet es in Digital-USA auch: Die neuen Wettereffekte wirken sich sowohl optisch als auch spielerisch aus. In unseren Preview-Testrunden zeigte sich starker Regen, der tiefe Wasserlachen auf den Straßen zurückließ. In Kurven machte sich der nasse Untergrund deutlich bemerkbar. Allerdings haben es die Entwickler in diesem Punkt etwas zu gut mit den Reflektionen gemeint, weshalb die kleinen Wassertümpel arg aus der Kulisse herausstechen.

Arcade-Racer mit Spaß bei der Sache

Doch das eigentliche Highlight der Erweiterung sind die neuen Spielstile und Vehikel. Mit installiertem DLC bietet sich euch die Möglichkeit an Drift- und Drag-Rennen teilzunehmen. Bei den Drift-Rennen entscheiden exakt geschnittene Kurven über euren Punktestand und den Combozähler. Die Drag-Rennen sind im Vergleich etwas ungewöhnlicher und bestehen aus drei Phasen: Zuerst müsst ihr die Reifen aufwärmen, dann müsst ihr im richtigen Moment Gas geben und auf der Strecke immer dann manuell einen Gang höher schalten, wenn die Tachonadel in den angezeigten grünen Bereich kommt.

Richtig spannend wird es bei den Monster-Truck-Herausforderungen, bei denen es möglichst viele Punkte zu erzielen gilt. In einem eigenen kleinen Stadion bestehend aus Rampen, Loopings und einer zweiten schmalen Ebene gilt es Punktetafeln einzusacken und dabei Kunstsprünge für einen möglichst hohen Highscore zu vollführen. Leider stand im Rahmen des Preview-Events nur ein Stadion zur Verfügung, wir hoffen aber, dass in der fertigen Erweiterung noch mehr Abwechslung steckt. Die Monster-Truck-Challenges zeigen auf jeden Fall das, was das Hauptspiel oft schmerzlich vermissen ließ: unbeschwerten Arcade-Spaß.

Als vierte Neuerung finden Motorräder ihren Weg ins Spiel. Bei unserer ersten Spritztour steuern sie sich deutlich direkter als ihre vierrädrigen Gegenparts und zeigen sich noch etwas empfindlicher. Das Spielgefühl ist gut. Allerdings zeigt sich vor allen Dingen auf den Motorrädern, dass auch in The Crew: Wild Run noch das Problem der Spielphysik bestehen bleibt. Schon beim Kontakt mit kleinen Hindernissen fliegen die Bikes wortwörtlich gen Himmel – bei einem Rennen ist das fast dem kompletten Fahrerfeld gleichzeitig widerfahren. Schade, dass hier nicht intensiver nachgebessert wurde.

Gipfelstürmer

Zwar würfelte euch The Crew bereits permanent mit anderen Spielern zusammen, wirklich oft miteinander gespielt wurde aber letztlich trotzdem nicht. Es hat an schlagenden Argumenten gefehlt. Mit Wild Run möchte Entwickler Ivory Tower diese jetzt nachliefern. Mit dem Summit-Festival sorgt das Team wöchentlich für neue Aufgaben, bei denen sich die besten Spieler wertvolle Bauteile oder neue Wagen verdienen. Das Festival zieht dabei von Woche zu Woche an verschiedene Orte der USA, damit Spieler unterschiedlichen Bedingungen ausgesetzt und der Wettstreit abwechslungsreich bleibt.

Ein interessantes Konzept, dass ähnlich wie Weekly und Daily Quests in MMORPGs Spieler langfristiger an The Crew fesseln könnte. Nach unserem kurzen Ausflug lässt sich das aber natürlich noch nicht wirklich beurteilen. Der Ansatz ist in jedem Fall spannend und macht neugierig.

Ein weiteres Lob geht in Richtung Editor. Mit wenigen Klicks lassen sich eigene Checkpoint-Rennen in der Spielwelt erstellen. Die Möglichkeiten sind zwar rudimentär, das Ergebnis aber trotzdem vielversprechend. Von kurzen Sprintstrecken bis zu Rennen von der West- bis zur Ostküste könnt ihr mit dem Editor alle möglichen Szenarien mit anderen Spielern teilen. Wie die Entwickler im Gespräch erklären, soll dieses Tool später noch weiter ausgebaut werden.

Preview-Fazit zu The Crew: Wild Run

Ich habe ein wenig Angst, dass einige der alten Schwächen des Hauptspiels den guten Ansätzen von The Crew: Wild Run in die Parade fahren könnten. Denn noch immer muckt die Spielphysik und noch immer scheint das Level-System etwas undurchsichtig. Doch von dieser Befürchtung abgesehen, bin ich von den vielen Neuerungen begeistert. Wild Run bringt zahlreiche neue Spielelemente in das MMO-Rennspiel, die zumeist völlig auf den Spielspaß abzielen und den stereotypen Gangster-Quatsch des Hauptspiels außen vor lassen. Gut so!

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