The Curious Expedition ist der ultimative Indiana-Jones-Simulator

Martin Eiser

Wer braucht schon Nathan Drake, wenn man stattdessen etwa Charles Darwin oder Nikola Tesla sein kann? The Curious Expedition lädt zu einem herausfordernden Abenteuer im 19. Jahrhundert ein, bei dem wir mit unserer Crew nach wertvollen Schätzen an mysteriösen Orten suchen, aber genauso schnell den Tod finden können.

The Curious Expedition - Steam Early Access Trailer.

Da bin ich dem Tod gerade von der Schippe gesprungen und schon wieder stecke ich in der Klemme. Mit Hilfe einer merkwürdigen Schriftrolle konnte ich mich vor einer großen Flutwelle retten, die ich versehentlich im letzten Tempel ausgelöst habe. Sie brachte mich glücklicherweise durch ihre mysteriösen Kräfte direkt zur letzten wichtigen Anlage, um das große Puzzle dieser Reise zu lösen. Als ich das Siegel in diesem Heiligtum breche, erscheint in weiter Ferne endlich die Pyramide, für deren Erforschung mir der Sieg im Wettstreit mit den anderen Abenteurern gewiss sein dürfte. Es gibt aber noch zwei Probleme: Die Flut hat das Gebiet um die Pyramide fast vollständig eingeschlossen und direkt neben mir ist ein wütender Raptor aufgetaucht.

Ich befinde mich in einer urzeitlichen Landschaft, irgendwo im Dschungel von Südamerika. Die vielen aktiven Vulkane habe ich bereits mit etwas Glück überlebt, auch wenn der Missionar im Feuersturm etwas verrückt geworden ist. Ich musste ihn irgendwann zurücklassen, weil er nachts bei der Rast meinen Navigator angegriffen hat. Hatte ich erwähnt, dass dieser auf der Reise ein kleines Alkoholproblem entwickelt hat und mein Rum zur Neige geht? Aber ich darf nicht aufgeben, das Ziel ist zum Greifen nahe! Auf der Flucht durch das Vulkangebiet hänge ich das Monster im Lavastrom endlich ab. Beim Handel in einem kleinen Dorf erinnere ich mich daran, dass ich zwar die Flut nicht beseitigen kann, aber mit Hilfe von Dynamit durch die Berge komme. Und tatsächlich erreiche ich mit letzter Kraft die Pyramide – Ich, Marie Curie, bin die größte Abenteurerin und ich bekomme ein Denkmal für die Ewigkeit.

Jäger des verlorenen Schatzes

Um unbekannte Welten zu entdecken, müssen wir nicht immer in ein Raumschiff steigen und auf Warp-Geschwindigkeit beschleunigen. Noch im 19. Jahrhundert reichte es etwa aus, einfach die Segel zu setzen, um geheimnisvolle Orte in bisher kaum erschlossenen Gebieten in Südamerika, Asien, Afrika und Ozeanien zu erforschen. Es warteten alte Ruinen untergegangener Zivilisationen und indigene Völker mit mysteriösen Kulturen. Es war die Zeit der Abenteurer und Schatzjäger, die zu Reisen ins Ungewisse aufbrachen, um Ruhm und Reichtum zu erlangen.

Die Figur, die wir heute ganz unweigerlich mit dieser Art von Abenteuer verbinden, ist Indiana Jones. Der war in einem Leben ein Professor für Archäologie und in seinem zweiten jagte er seltenen Artefakten und verlorenen Schätzen hinterher. Seine Neugier nach dem Unbekannten brachte ihn in so manche schwierige Lage, aber irgendwie gelang es ihm auch immer wieder, sich mit Geschick und seinem klugen Köpfchen aus jedem Schlamassel zu befreien. Selbst mit den Nazis eiferte er in Indiana Jones und der letzte Kreuzzug um die Wette, um das Geheimnis des ewigen Lebens zu finden – und am Ende musste er doch lernen, loszulassen.

The Curious Expedition versucht nun genau jenen Charme einzufangen, den solche Abenteuerfilme ausmachen. Es schaut vielleicht für einige auf den ersten Blick etwas lahm aus – auf die vor allem bei Indie-Spielen beliebte, sehr simple Pixeloptik steht nicht jeder. Dem Entwicklerduo von Maschinen-Mensch ist es aber dennoch gelungen, mit schönen Effekten für viel Atmosphäre zu sorgen. Den mangelnden Realismus machen kleine Details bei der Darstellung und unsere Fantasie wieder wett. Sowieso spielt sich bei diesem Spiel ein großer Teil der Geschichte nur in unserem Kopf ab. Es gibt uns gerade so viel Informationen, wie dafür nötig sind, um sich den Rest selbst auszumalen. Wer nicht bereit ist, sich darauf einzulassen, wird wahrscheinlich keinen Spaß damit haben.

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Es gibt keine Probleme, nur Herausforderungen

Wir schlüpfen in die Rolle eines von über 16 Abenteurern, darunter wie erwähnt Charles Darwin, Nikola Tesla und Marie Curie. Jeder hat unterschiedliche Fähigkeiten, die bei der Expedition helfen. Darwin kann seiner geistigen Gesundheit auf die Sprünge helfen, indem er Schmetterlinge fängt, Tesla hat von Natur aus einen starken Geist und Curie ist auf vielen Gebieten bewandert und hat dafür mehr Talente als andere. Unsere menschlichen Begleiter können neben nützlichen Eigenschaften auch ein paar miese Charakterzüge haben. Dazu gehören irrationale Ängste, die zum Problem werden können. Einige sind Alkoholiker, andere Sexisten und manche sogar Rassisten. Tierische Begleiter sind da einfacher, da sie zwar über weniger Talente verfügen, aber zumindest keinen Ärger machen.

Und so geht es auf dem Schiff in Richtung Wildnis. Zwischen uns und dem Schatz gibt es nun also mehrere „Herausforderungen“. Zum einen verlieren wir mit jedem Meter, den wir gehen, ein Stück geistige Gesundheit, die hauptsächlich durch Nahrung oder Schlaf wieder aufgefüllt werden kann. Zum anderen warten Gefahren in Form wilder Tiere und anderen Ereignissen auf uns – nicht vergessen sollten wir in dem Zusammenhang, dass auch die eigene Crew ein Pulverfass ist, das jederzeit explodieren kann. Immer wieder stehen daher schwere Entscheidungen an, wie zum Beispiel die Frage, ob wir einen Tempel wirklich plündern sollten. Wir bräuchten zwar die Beute, aber dafür werden uns die Eingeborenen hassen, und ein ausgelöster Mechanismus lässt beispielsweise Berge auftauchen oder aber löst eine Flut oder Feuer aus.

Es gibt drei Schwierigkeitsstufen, wobei selbst die niedrigste Stufe noch immer herausfordernd genug ist, damit sich The Curious Expedition nicht wie ein Spaziergang anfühlt. Bestimmte Gefahren werden auf dem höherem Level sehr viel wahrscheinlicher und zwingen uns viel öfter zu wirklich schweren Entscheidungen. Wenn sich unser treuer Begleiter schon im ersten Dorf in die erstbeste Bewohnerin verliebt und nun lieber hier bleiben möchte, steht unsere Reise unter einem wirklich schlechten Stern. Auf der höchsten Stufe müssen wir zum Schluss außerdem zu unserem Schiff zurückkehren, während wir ansonsten nur das Ziel haben, die Pyramide zu erreichen.

Spaß ist, was du daraus machst

The Curious Expedition nennt sich selbst „roguelike“, was nichts anderes heißt, als dass es sich an den Spielen der Achtzigerjahre anlehnt und daher etwas fordernder ist als moderne Spiele. Jede Expedition ist aufgrund prozedural generierter Level anders. Auch unsere Begleiter, die Schätze und die Lage der Orte ist zufällig. Ein Durchlauf besteht aus insgesamt sechs Expeditionen, die größer und schwieriger werden. Vor allem die letzte der sechs Reisen hat es in sich. Weil wir nie genau wissen, was uns erwartet, können wir uns nur allgemeine Strategien überlegen. Das Speichersystem dient zudem lediglich dem Zwischenspeichern, aber wir können damit keinen Fehler korrigieren. Ist unser Abenteurer beispielsweise gestorben, so müssen wir von vorn beginnen.

Auch die Präsentation ist ganz typisch für diese Art von Spielen. Das vergleichbare FTL: Faster Than Light setzt beispielsweise auf die gleiche Aufmachung und ähnliche Mechaniken. Und obwohl die Geschichte nur mit wenigen Textbausteinen erzählt wird und wir viel häufiger unsere Fantasie benutzen müssen, um uns in das Abenteuer zu denken, ist es den Entwicklern gelungen, eine für mich perfekte Simulation von Indiana Jones zu erschaffen. Die verrückten Charaktere mit ihren ganz eigenen Stärken und Schwächen gab es dort genauso. Und auch ich musste in The Curious Expedition lernen, dass man nicht alles haben kann. Manchmal ist es besser, sich bei einer Gefahr oder einem zu großen Risiko zurückzuziehen – denn kein Schatz der Welt ist so wertvoll wie das eigene Leben.

Curious Expedition
Entwickler: Maschinen-Mensch
Preis: 14,99 €

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