Wird The Elder Scrolls 6 wie Fallout 76 aussehen?

Marina Hänsel

Bethesda, du N’wah!“, munkelt es sehr laut durch Reddit, Facebook und Co., denn der Entwickler scheint momentan der Liebling aller Katastrophen zu sein. Besonders aufregend ist die heftige Debatte um die hauseigene Engine des Entwicklers – denn sie soll nach Morrowind, Oblivion, Skyrim, Fallout 3, Fallout 4 und Fallout 76 auch für The Elder Scrolls 6 herhalten. Was … ganz schrecklich ist?

Nur, damit du weißt, wie die Beziehung zwischen Spielern auf aller Welt und Bethesda im Moment aussieht:

All das Chaos, und das nur wegen eines monatealten Interviews, das die GameStar mit Bethesda-Vater Todd Howard geführt hatte. Unter anderem kam dort das Thema um die Creation Engine auf, das hauseigene Bündel an Entwickler-Programmen, die ab Morrowind für alle nachfolgenden Spiele als Grundgerüst herhielten. Auch für Fallout 4 und Fallout 76; beides Titel, die unter dem kritischen Auge der Spieler nicht gerade für ihre moderne Grafik gelobt wurden. Zu Recht natürlich, denn allein Fallout 76 baut Eins zu Eins auf der Fallout 4-Grafik auf und der Charakter-Editor ist in irgendwie sogar derselbe.

Das jedoch ist gar nicht der Punkt. Howard hatte im Interview zudem noch erwähnt, die Creation Engine würde zukünftig auch für Starfield und The Elder Scrolls 6 verwendet werden; also jenes TES, auf das wir noch gefühlt fünfzig Jahre warten dürfen. Jenes The Elder Scrolls, dessen Release derart weit entfernt ist, dass uns die Grafik garantiert umhauen muss – wie es auch schon die letzten TES-Teile geschafft haben (das ist natürlich kein Sarkasmus). Die Engine würde Updates erfahren und aufpoliert werden; mehr jedoch nicht:

Für Fallout 76 haben wir eine Menge geändert, das Spiel verwendet einen komplett neuen Renderer, ein neues Beleuchtungsmodell und ein neues System für die Erstellung der Landschaften. Für Starfield wird sich noch mehr ändern. Genauso bei Elder Scrolls 6, das wirklich noch ganz weit weg ist.

Erwartet uns also keine grafische Revolution seitens Bethesda? Und könnte auch The Elder Scrolls 6, wenn es denn mal auf den Markt krabbelt, noch genauso aussehen wie Fallout 76 und Skyrim? Wahrscheinlich nicht. Inwieweit aber die Game Engine tatsächlich vorgibt, wie hochwertig die daraus entwickelten Spiele sein können – und was es für ein Unternehmen bedeutet, die Engine zu wechseln, das haben wir mit Prof. Thomas Bremer vom Game Design-Studiengang an der HTW in Berlin besprochen

Erinnerst du dich, wie die ersten Spiele auf der PS4 ausgesehen haben? Übrigens wechseln einige große Entwickler ihre Engine seit Jahren nicht mehr:

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So stark hat sich die Grafik vom Anfang bis zum Ende einer Konsole entwickelt.

Zuallererst solltest du jedoch wissen, dass die Game Engine keineswegs eine obskure Entität ist, aus deren Rachen hin und wieder Spiele plopsen. Vielmehr besteht sie aus mehreren Programmen, die den Entwicklern als Werkzeuge dienen. Stell dir etwa vor, du möchtest ein rudimentäres Rollenspiel basteln, und alles wäre schon fein programmiert bis auf das Questsystem. Wie genau kommt das jetzt in dein Spiel? Wahrscheinlich würdest du zuallererst ein Programm suchen, dass dafür gemacht wurde, genau solche Questsysteme in Spiele zu implementieren. Jene einzelne Programme der Game Engine sind nichts anderes, mit einem einzigen Unterschied: Sie alle wurden von Bethesda selbst entwickelt und sind exakt auf den hauseigenen Typ an Spielen ausgelegt:

Ein Unternehmen, dass ein großes Spiel macht oder einen Titel über viele Jahre hat, entwickelt sich mit der Zeit eine Vielzahl von Werkzeugen, die die Entwicklung einfach machen. Bei The Elder Scrolls etwa braucht man Tools, damit man die Quests managen kann, man braucht Tools, um die Charakter-Level managen zu können. Und das sind alles Werkzeuge, die ich deswegen habe, weil sie eine Standard-Engine nicht mit sich bringt. Man müsste sich das für eine neue Engine also erstmal alles neu entwickeln.

Eine neue Engine würde demnach bedeuten, andere Programme als bisher zu nutzen. Und das hat im ersten Moment gar nichts mit der Grafik zutun, sondern mit den Spielmechaniken, die typisch für The Elder Scrolls und Fallout sind. Irgendwie beeinflusst die Game Engine aber auch das Aussehen, nicht? Und etwaige Bugs, die schon fast normal für Bethesdas große Rollenspiele sind:

„Ein Teil der Engine ist eine Software, die dafür verantwortlich ist, dass die visuelle Information, also die visuelle Welt, auf dem Bildschirm erscheint. Wir nennen das eigentlich in der Fachsprache Render Engine, aber umgangssprachlich wird das häufig auch Grafik Engine genannt.“

Die Grafik Engine schließlich rendert (deswegen: Render Engine) verschiedene Oberflächen auf Objekte, wobei letztendlich ein zweidimensionales Bild entsteht. Wie das aussieht, geben jedoch nicht die Spiele selbst vor, sondern die Grafikkarte. Die nämlich übersetzt die Informationen und schreibt damit auch vor, was überhaupt möglich ist. Das aber nur nebenbei – denn dass heutzutage mehr als die Grafik von Fallout 76 möglich ist, wissen wir wohl alle.

Eine Game-Engine muss jetzt versuchen, jene Software bereitzustellen, dass man diese Hardware-Möglichkeiten maximal ausnutzen kann. Früher war das besonders schwierig, da musste man das permanent neumachen. Das ist sehr schwer zu erklären, aber wenn da einmal eine Funktionalität eingebaut war, dann war die wenig flexibel. Aber seit mindestens zehn Jahren gibt es die sogenannte Shader-Programmierung – und Shader sind kleine Programme, die auf der Grafikkarte laufen, mit denen ich diese visuellen Berechnungen machen kann.

Diese Shader wiederum können ausgetauscht werden – und das macht all den Unterschied. Nicht bezüglich der Gameplay-Mechaniken; also der Art, wie sich ein Spiel anfühlt. Oder der Bugs, die auftreten können. Aber hinsichtlich des Aussehens, der Lichteffekte, der Skins und allem, was die Grafik ausmacht; kann sich eine heutige Engine wunderbar weiterentwickeln. Wir haben es schon gesehen, oder? Der Sprung von Morrowind zu Oblivion war gigantisch – und der nächste zu The Elder Scrolls 5: Skyrim ebenso.

Ich weiß, ich weiß – wir haben noch sehr viel Zeit, zu viel Zeit. Genug also, um doch herauszufinden, was Redfall heißt, richtig?

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The Elder Scrolls 6: Redfall – Ich schmökere in den wildesten Theorien um Release, Setting & Story.

Die Frage ist vielleicht sehr viel eher, warum Bethesda die Render Engine nicht genügend für Fallout 4 und Fallout 76 geupdated hat. Aber eine gänzlich neue Engine auf den Tisch zu werfen, nur um in Zukunft grafisch mithalten zu können?

Welche Engine sollen sie denn nehmen? Wenn sie jetzt Unreal nehmen oder die Cry-Engine, hieße das noch lange nicht, dass sie da ihre Werkzeuge haben. Das heißt, sie hätten dann gar nichts.

Wird The Elder Scrolls 6 wie Fallout 76 aussehen? Nein. Denn wie schon Todd Howard im GameStar-Interview angab, wird Bethesda natürlich an den eigenen Programmen basteln und insbesondere die Lichteffekte aufpeppen. Die sind übrigens mit das Wichtigste, was die Grafik ausmacht – und sie sind es auch, die von den genannten Shadern abhängen. Wird The Elder Scrolls 6 sich womöglich ähnlich anfühlen, wie alle vorherigen TES-Teile und wird es vielleicht wieder Bugs geben? Gut möglich, aber ich glaube kaum, dass Bethesda deswegen noch Jahrzehnte vor Release des Spiels in die Mangel genommen werden muss.

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