Selbstfolter als Unterhaltung: Der Spaß am Horror

Robin Schweiger

Ich bin insgesamt sehr zufrieden mit der aktuellen Konsolen-Generation und den entwickelten Spielen. Blockbuster-Titel sind aufwendiger und beeindruckender denn je, Indie-Games sorgen für völlig neue Spielerfahrungen. Doch es gibt ein Genre, das in den letzten Jahren konstant an Bedeutung verlor: Horror. 

Selbstfolter als Unterhaltung: Der Spaß am Horror

„Silent Hill 2“ betrachte ich als eines der besten Spiele aller Zeiten. Horror bedeutete dort nicht, dass ständig Monster mit lautem Gebrüll ins Bild springen und mich erschrecken. Stattdessen baute Konami eine zum Schneiden dichte Atmosphäre auf, in der ich wirkliche Angst verspürte. Es war jedoch nicht die Angst davor, gleich mal wieder von einem Jump-Scare überrascht zu werden. Stattdessen fürchtete ich mich vor den Charakteren, vor der Geschichte und davor, was Hauptfigur James Sunderland und ich als nächstes durchmachen mussten.

Diese Angst existiert in dem Genre heute nicht mehr. Wenn ein Horror-Spiel erscheint, ist es dieser Tage entweder ein „Slender“-Klon, der mich durch laute Geräusche und komische Monster erschrecken möchte oder ein glorifiziertes Action-Geballere wie „Dead Space“ oder „Resident Evil“. Mit dem psychologischen Horror eines „Silent Hill 2“  hat das wenig gemein.

Ausgerechnet „Silent Hill: Homecoming“ fasst perfekt zusammen, woran das Genre seit einigen Jahren krankt. Statt subtilen Schattenspielen gab es Blut, Gekröse und Folter-Szenen. Statt furchterregende, übermächtige Monster werden uns Gegner serviert, die man mit möglichst cool aussehenden Nahkampf-Combos erledigen muss. Dass Horror am besten funktioniert, wenn er subtil ist, wenn die schlimmsten Bilder nur im Kopf des Spielers entstehen, das scheint heute größtenteils vergessen worden zu sein.

Während man so ziemlich jedem anderen Genre an diesem Punkt einfach Richtung Indie-Entwickler blickt und dort genau das findet, wonach man sucht, sieht es im Horror-Genre nicht so rosig aus. Es gibt dutzende, hunderte Spiele, die mich erschrecken wollen, dafür hat „Slender“ gesorgt.

Angst hatte ich das letzte Mal bei „Amnesia“, doch selbst damit war ich nicht ganz zufrieden. Denn während hinter der bedrohlichen Atmosphäre bei „Silent Hill 2“ eine hervorragende Geschichte steckt, die die grundsätzlich oberflächliche Angst mit einem einzigartigen Universum unterfütterte, war „Amnesia“ vor allen dingen ein Angst-Simulator ohne viel Drumherum.

Es gibt wenige Anzeichen dafür, dass sich dieser Trend in der nahen Zukunft umkehrt. Die größte Hoffnung am Horror-Himmel ist für mich „The Evil Within“ von „Resident Evil“-Erfinder Shinji Mikami. Dass dieses Spiel aber auf psychologischen Horror setzt, darf angesichts der Vergangenheit Mikamis bezweifelt werden.

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