The Inner World - Der letzte Windmönch im Test: Das richtige Spiel zur richtigen Zeit

Alexander Gehlsdorf

Robert, Hack und Laura sind zurück und befreien in The Inner World: Der letzte Windmönch die Welt Asposien vor einem faschistischen Regime. Humoristisches Adventure trifft Politik: Kann das gut gehen?

Unten findest du eine Zusammenfassung, wenn du keine Zeit für den kompletten Text hast.

The Inner World - Der letzte Windmönch - Trailer.

Flötennase Robert ist zurück, um Asposien vor dem fiesen Conroy zu retten. Moment, wurde Conroy nicht bereits am Ende des ersten Teils versteinert und zerstört? Das schon, leider haben seine Anhänger, die Conroyalisten, den Tyrannen zum Martyrer erklärt und in seinem Namen ein faschistisches Regime errichtet, in dem Flötennasen verfolgt und hingerichtet werden.

Das Problem: Der Tod der Flötennasen würde auch das Ende des Windes und damit den Untergang aller Asposer bedeuten. Fest steht also, dass Held Robert — rechtmäßiger Thronfolger der Wind-Dynastie — ihren Anführer Emil aufhalten muss. Dumm nur, dass sich der kleine Tollpatsch aus Versehen selbst versteinert hat.

Vom Regen in die Traufe

Der Versteinerung hat jedoch nicht nur Nachteile. Schließlich bedeutet die augenscheinliche Misere auch, dass Robert die vergangenen drei Jahre und damit die Machtergreifung von Emil verpennt hat. Dementsprechend unwissend streift er anschließend auch durch die insgesamt sechs Kapitel des Point-and-Click-Adventures und fragt eben jene Fragen, die sich auch der Spieler stellt. The Inner World: Der letzte Windmönch ist also auch für Spieler geeignet, die den ersten Teil der Reihe nicht gespielt haben.

Sobald sich Robert aus seiner misslichen Lage befreit hat, muss er sich auf den Weg machen, um den letzten Windmönch zu finden. Dieser kann dabei helfen, Emil zu besiegen. Unterstützung bekommt er auf seiner Suche erneut von der ulkigen Taube Hack sowie Roberts großer Liebe Laura. Aber auch sie hat in den letzten drei Jahren eine Menge Pech gehabt und sitzt jetzt im Gefängnis der Conroyalisten.

Frustfreier Rätselspaß

Die zahlreichen Rätsel, etwa um Laura aus dem Gefängnis zu befreien, sind wieder ganz auf dem hohen Niveau des Vorgängers und sind zum Teil sogar etwas komplexer geworden, da der Spieler neben Robert nun auch die Kontrolle über Hack und Laura übernehmen kann.Vor allem aber stecken sie, wie auch der Rest des Spiels, voller Charme und Humor. Nahezu jeder Charakter in Asposien hat irgendeinen Knall, der nicht nur für reichlich Atmosphäre sorgt, sondern auch geschickt für die Lösung von Rätseln eingesetzt wird. So ist Lauras Zellenwächter etwa ein großer Kaktusliebhaber. Ob sich diese Obsession wohl irgendwie ausnutzen lässt, um Laura zur Flucht zu verhelfen?

Vor allem aber sind die Rätsel stets — wenn auch nicht immer auf Anhieb — logisch und nachvollziehbar. Solltest du trotzdem nach stundenlanger Hirnakrobatik noch immer auf dem Schlauch stehen, ist natürlich auch das hervorragende Hilfe-System des Vorgängers wieder mit dabei. Dieses hilft dir, ganz ohne Spoiler, Schritt für Schritt der Lösung nahe zu kommen und verrät immer nur so viel, wie du auch wissen möchtest. So gibt es Anfangs grobe Denkanstöße, da der ein oder andere Spieler einfach nur in die richtige Richtung gewiesen werden möchte, während der andere mit der Nasenspitze auf die Lösung gedrückt werden muss — möglich ist beides. Ein hervorragendes System, dass sich bitte jedes zukünftige Point-and-Click-Adventure der Welt genau so abgucken soll!

The Inner World: Der letzte Windmönch ist nicht das einzige gelungene Spiel aus Deutschland:

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Der Elefant im Raum

So charmant und witzig auch die Handlung und die Charaktere sind, lässt sich die durchaus schwere Thematik nicht ignorieren. Schließlich handelt es sich bei Der letzte Windmönch um eine offensichtliche Faschismus-Parabel mit deutlichen Bezügen zur deutschen Geschichte. Trotzdem schaffen es die Fizbin Studios, dass das Spiel nie zum Lehrstück verkommt, sondern es gelingt eine wunderbare Balance aus witziger Unterhaltung und Denkanstößen.

Dieser Mix funktioniert vor allem dank Roberts liebevoller Naivität, da seine Handlungen zum Teil gravierende Implikationen mit sich tragen, der kleine Monarch sich von seinem hoffnungslosen Optimismus jedoch nicht abbringen lässt. Und obwohl das Spiel stets auf den erhobenen Zeigefinger verzichtet, setzt es dennoch wirkungsvolle Impulse, die insbesondere angesichts der jüngsten politischen Entwicklung in Deutschland und Europa ihre Berechtigung haben.

Zusammenfassung und Fazit

TheInnerWorld_DlW_Review

The Inner World: Der letzte Windmönch ist ein gelungenes Point-and-Click-Adventure, dass die Stärken des Vorgängers in jeder Hinsicht ausbaut. Es kombiniert witzige Charaktere, clevere Rätsel und eine intelligente, aber nie zu dick aufgetragene Parabel der deutschen Geschichte in ein stimmiges Gesamtpaket, verschnürt in liebevoll handgemachte Zeichentrickgrafik. Dazu kommt ein umfangreiches und stets faires Hilfe-System, das sowohl Spoiler als auch Frust vermeidet, wenn eines der zahlreichen Rätsel doch einen Tick zu schwierig sein sollte.

Wird dir gefallen, wenn du Adventures mit liebevoller Grafik, cleveren Rätseln und der richtigen Dosis Humor magst.

Wird dir nicht gefallen, wenn du in einem Spiel nicht mit aktuellen und historisch relevanten Themen konfrontiert werden willst.

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