Warum ich glaube, dass No Man’s Sky und The Last Guardian ihrem Hype gerecht werden

Sebastian Tyzak 5

No Man’s Sky und The Last Guardian sind sicherlich zwei der sehnlichst erwarteten Spiele dieses Jahres. Und das ist gut so. Suhlt euch im Hype. Denn ich glaube, dass beide Titel das Zeug haben, auch wirklich abzuliefern.

Warum ich glaube, dass No Man’s Sky und The Last Guardian ihrem Hype gerecht werden

Okay, Seelenstriptease: Ich mag Hypes. Ich mag diese kindliche Freude, die sich anstaut, wenn ein spannender Titel mit großem Brimborium angekündigt, oder eine Fortsetzung eines langersehnten Spiels vorgestellt wird. Und auch wenn die oftmals medial induzierten Vorfreude-Orgasmen durchaus hinderlich für den gemeinen Videospieljournalisten sind – wer die Begeisterung für das Thema verliert, und sich gar nicht mehr mitreißen lässt, kann das Spielen auch gleich sein lassen.

Ja, ich freue mich sowohl auf No Man’s Sky als auch auf The Last Guardian. Aber ich habe für mich einen gesunden Weg gefunden, mich zu freuen. Ich fantasiere mir keine „Überspiele“ zurecht, die mich nach Erscheinen in eine andere Galaxie saugen und währenddessen das Real Life auf Pause setzen. Nein, ich freue mich mit milden Erwartungen auf gute Spiele. So bleibt dann auch die Freude am Spielen intakt. Es ist ein bisschen wie Kollege Dominic es bei seiner Kolumne über Hype-Trains geschrieben hat: Ein Hype ist gut, solange er als Vehikel der Vorfreude dient, und nicht zum Aufbau einer unerreichbaren Erwartungshaltung.

Und auch Kristins Meinung – die in Bezug auf No Man’s Sky und The Last Guardian in die komplett andere Richtung geht – kann ich voll verstehen. Der Hype-Train fährt leider manchmal auch Haltestellen an, die einem nicht in den Kram passen (*hust* Watch_Dogs *hust*), aber das heißt nicht, dass man nicht ab und an mal aufspringen und die Aussicht genießen kann. Ganz wie meine charmante Vorrednerin, widme ich mein Plädoyer beiden Spielen einzeln. Here we go:

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No Man’s Sky: Vision statt Stagnation

Warum ich trotz berechtigter Skepsis wahnsinnig Bock auf No Man’s Sky habe, lässt sich schnell zusammenfassen: Die Entwickler von Hello Games sind Traumtänzer. Und Traumtänzer sind das, was unsere Branche braucht. Wir brauchen Leute – Entwickler, Autoren – die groß träumen. Die sich eine Vision in den Kopf setzen und ihr nachjagen, koste es, was es wolle. Ich meine, das kleine englische Studio hat zuvor nur diesen kleinen, wenn auch wirklich netten Trials/Excitebike-Verschnitt Joe Danger entwickelt und haut als nächstes Projekt einfach mal dieses Open-World-Universe-Ding raus.

No Mans Sky 01

Ich glaube an drei Punkten kann ich festmachen, weshalb ich mich trotz überdimensionierter Vorhaben und berechtigter Zweifel trotzdem freue. Punkt eins: Ästhetik. Noch nie sah der Weltraum, noch nie sahen fremde Planeten so wunderschön aus. Und diese Ansehnlichkeit erschleicht sich No Man’s Sky nicht durch eine Killer-Engine mit knalligen Effekten und hochdetaillierten Texturtapeten, sondern durch das geschmackvolle Arrangement von Farben und Formen. Schon allein dieser sehr spezielle Look sorgt dafür, dass Screenshots zum Spiel sofort No Man’s Sky zugeordnet werden können. Es gibt kein Spiel, das auch nur im Ansatz ähnlich aussieht. Schon in diesem Punkt ist das Spiel einzigartig. Und ich habe Bock, den vielen fantasievollen Planeten einen Besuch abzustatten.

Punkt zwei: Musik. Und ich meine MUSIK!!! Und eigentlich meine ich 65DAYSOFSTATIC!!! Die britische, progressive Math-/Post-Rock-Band ist für sich genommen schon eine in Noten gepresste Sahnetorte – zumindest wenn man denn Spaß an der Musikrichtung hat. Und das die Herrschaften den Soundtrack für No Man’s Sky schreiben, passt wie Arsch auf Eimer. Nicht nur, weil die Entwickler große Fans der Band sind, und die meiste Arbeit am Spiel erledigt haben, während deren Musik lief, sondern auch, weil der melancholische Electronica-Rock den idealen Klangteppich zum Spiel abgibt. Ohne Mist: Das Spiel könnte auch einfach nur eine selbstablaufende Videosequenz zur Musik von 65DAYSOFSTATIC sein, und ich hätte meinen Spaß.

No Mans Sky 02

Punkt Nummer drei: Das Spielprinzip nimmt Formen an. Ich bin der festen Überzeugung, dass Hello Games zu Beginn selber noch nicht ganz wusste, wohin die Reise mit No Man’s Sky geht. Also zumindest wussten sie nicht hundertprozentig, womit sie den Weg pflastern sollten. Doch Stück für Stück wandelt sich das Ganze in ein Spiel, mit einer Geschichte, mit einem Anfang und mit einem Ende. Auch wenn der Hype das kleine Studio zu Beginn sicherlich überrumpelt und aus der Bahn geworfen hat, glaube ich, dass er den Entwicklern geholfen hat. Er zeigt, dass viele, viele Menschen in die Vision von Hello Games vertrauen – und das wiederum dürfte die Macher dazu angestachelt haben, noch mehr Energie in No Man’s Sky fließen zu lassen.

Und ganz ehrlich: Ich möchte auch noch gar nicht jede Frage zum Spiel beantwortet haben. Ich möchte ein bisschen überrascht werden. Deshalb bin ich sicherlich auch nicht derjenige, der in der Diskussion, ob der Hype jetzt gerechtfertigt sei, oder nicht, seine Hand für den totalen Erfolg des Spiels ins Feuer halten möchte. Aber zumindest möchte ich dafür Sorge tragen, dass das Feuer nicht erlischt. Ich habe keine Lust auf Schwarzsehen, sondern freue mich lieber darüber, dass da etwas auf uns zukommt, das von einer einzigartigen Vision angetrieben wird. Kurzum: Ich bin einfach gespannt, und das will ich mir (und euch!) nicht nehmen lassen.

The Last Guardian: Die Poesie macht das Spiel

Uff, The Last Guardian zu verteidigen ist gar nicht so leicht. Die Fakten stehen auf der Seite der Griesgrame: Der Ursprung als PS3-Spiel. Die ewigen Verschiebungen. Meldungen von akuten Problemen beim Entwickler. Ja, es sieht nicht gut aus. Und trotzdem lief mein Herz über, als endlich wieder ein Lebenszeichen von dem seit 2007 in Entwicklung befindlichen The Last Guardian zusehen war. Sicherlich wirkt die Technik längst nicht mehr so beeindruckend wie noch damals, als das Spiel für die alte Konsolengeneration vorgestellt wurde. Doch wenn ich mich zurück besinne, mussten mich auch ICO und Shadow of the Colossus damals noch für sich gewinnen, als ich sie schon spielen konnte.

The Last Guardian 01

Die Erklärung ist eigentlich einfach: Der Spielablauf der beiden Titel wirkt auf den ersten Blick gar nicht so besonders. Obwohl wir nur selten an hochhaushohen Kolossen herumkraxeln können, reichte das dennoch nicht, mich völlig zu begeistern. Erst im Spiel bemerkt man, dass das Töten der gigantischen „Vielleicht-Gegner“ einen sehr sentimentalen Unterton hat, der am Spieler nagt und Zweifel aufwirft. Und auch ICO ist spielerisch nicht unbedingt eine Meisterleistung, zeigt aber, wie stark die emotionale Bindung zu einem Nicht-Spieler-Charakter sein kann, wenn wir denn nur durchgehend seine Hand halten.

The Last Guardian 02

Und so etwas Ähnliches verspreche ich mir auch von The Last Guardian. Es wird nicht allein die technische oder spielerische Seite sein, die mich einnimmt. Nein, es wird das Zusammenwirken dieser Elemente, gekoppelt an die Beziehung zu Trico, dem Greif mit Hundsschnauze, sein, die mich für sich gewinnen kann. Und das ist leider ein Aspekt, den mir kein Trailer der Welt anständig vermitteln kann. Ich glaube trotz aller Querelen und Probleme daran, dass Team ICO eben das abliefert, wofür sie bekannt sind. Und das ist nicht, das perfekte Spiel-Spiel abzuliefern, sondern durch Ablauf, Stimmung und stumme Poetik Emotionen im Spieler hervorzurufen. Es ist also ein vorsichtiger Hype – aber zumindest ein Hype, dem ich gern anheimfalle.

Und jetzt!?

Wie ich eingangs schon erwähnte: Ich mag Hypes. Wer Bock auf Videospiele hat, lässt sich auch das eine oder andere Mal mutwillig von Begeisterungswellen mitreißen. Und das ist cool. Das darf ruhig so sein. Nur würde ich euch immer empfehlen, trotz aller Vorfreude nicht gleich das blumigste, rosaroteste Wunderspiel zu erwarten. Freut euch einfach darüber, dass die Spiele euer Interesse geweckt und eure Fantasie angeregt haben. Vorfreude ist die schönste Freude. Und ich glaube, dass sowohl No Man’s Sky als auch The Last Guardian durchaus ihren Teil dazu beitragen, dass die Freude auch „danach“ noch schön ist.

Stimm ab: Auf welches Spiel freust du dich 2016 am meisten? (Umfrage)

Das Jahr 2015 ist vorbei, doch auch 2016 hält wieder einige Kracher für Videospiel-Fans bereit. Wir haben dir die kommenden Highlights bereits vorgestellt, jetzt bist du dran: Auf welche Spiele kannst du einfach nicht mehr warten? Stimme jetzt ab für deine 5 Favoriten für das neue Jahr!

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