Warum The Last Guardian super wird und woran es scheitern könnte – jetzt mit Video!

Lukas Flad 1

The Last Guardian wird in wenigen Wochen erscheinen. Wir haben schon jetzt ein paar lange Schritte in der Welt gemacht und sagen Dir, was The Last Guardian richtig macht und was den Spielspaß kaputtmachen könnte.

The Last Guardian in der Vorschau.

Es dauert nicht mehr lange, dann erscheint nach Jahren des Wartens endlich The Last Guardian. Im neuen Spiel des japanischen Entwicklerstudios Team Ico schlüpfst Du in die Rolle eines kleinen Jungen, der gemeinsam mit seinem riesigen Freund Trico in ein Abenteuer aufbricht, um die Geheimnisse ihrer Welt zu lüften.

So toll sich die Geschichte anhört und so sehr ich mich auch auf The Last Guardian gefreut habe, komplett überzeugen konnte mich das Spiel beim Anspielen nicht. Aber kommen wir zuerst einmal zu den positiven Aspekten:

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Die Welt

Das, was Team Ico damals bereits mit Shadow of the Colossus unter Beweis stellte, schafft das Studio diesmal auch wieder mit The Last Guardian: Die Welt ist großartig. Große Ruinenstädte, die weit in den Himmel ragen und deren eigentlichen Anfang man durch den Nebel, der in dieser Höhe eben herrscht, erst gar nicht sehen kann. Hinzu kommen noch verwinkelte Höhlen, in denen das einfallende Licht für hübsche Effekte sorgt. Ganz allgemein hat sich grafisch einiges im Vergleich zum Ankündigungstrailer getan. Zwar hat das Spiel immer noch diese Momente, in denen mich flimmernde Kanten aus dem Erlebnis gerissen haben; das geschah aber eher selten.

Die Welt erinnert stark an eine Mischung aus vergessenem Reich der Inka und fantastischem Ort voller Geheimnisse, die gelüftet werden wollen. Das geschieht bereits am Anfang. Hier findest Du nämlich in einer alten Grabkammer einen Gegenstand, welcher sich im späteren Spielverlauf als sehr nützlich erweist. Woher er kommt und wem er mal gehörte, bleibt zwar ein Geheimnis, ich hoffe aber, dass diese Fragen im weiteren Spielverlauf beantwortet werden. Zumindest motiviert es mich das Mysterium zu ergründen und es macht die Welt und ihre Hintergrundgeschichte äußerst interessant.

Die Interaktion

Die Freundschaft zwischen Deinem Vogelfreund Trico und Dir steht im Mittelpunkt von The Last Guardian – das merkt man nahezu in jeder Sekunde.

Zu Beginn musst Du erst einmal das Vertrauen des greifenähnlichen Wesens gewinnen. Das geschieht dadurch, dass Du ihm Nahrung gibst und ihn von Speeren in seiner Brust und einer Kette um seinen Hals befreist. Ist das getan, nennt der kleine Jungen das Wesen einfach Trico. Das alles sorgt dafür, dass Dich die Kreatur gleich deutlich lieber hat und sie beginnt sogar auf Dich zu hören. Jetzt Du dem neuen Freund Anweisungen geben, wohin er sich bewegen soll. Du läufst entweder auf dem Boden voraus oder nutzt die angenehmere Variante und kletterst auf den Rücken Tricos – und der lässt das auch ohne Probleme zu. Später kannst Du Deinem Haustier auch befehligen, neue Wege mittels eines Blitzsturms freizumachen. Dabei schießen rosa Blitze aus dem Schweif des Vogels und zerstören bestimmte Hindernisse.

Auch in diesem Punkt kommt wieder die Erfahrung von Team Ico ins Spiel. In Ico war die Interaktion und Freundschaft der beiden Hauptcharaktere ebenfalls der zentrale Punkt. Natürlich kann man die erste Begegnung der beiden Protagonisten in The Last Guardian nicht mit dem Moment vergleichen, in dem Du Ico mithilfe des R1-Buttons zum ersten Mal an der Hand nimmst; aber es fühlt sich ähnlich schön an. Man weiß einfach, dass diese Freundschaft etwas Besonderes ist. Das kommt auch in jenen Situationen zum Vorschein, in denen Trico Dir das ein oder andere Mal das Leben rettet, aber hier haken wir leider auch schon bei den negativen Punkten ein.

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Gescriptete Events

In einem Punkt unterscheidet sich The Last Guardian von den Vorgängerspielen von Team Ico. Das Spiel übernimmt manchmal komplett die Kontrolle und Du kannst den Controller quasi aus der Hand legen.

In einem Abschnitt, den ich gespielt habe, müssen der kleine Junge und Trico einen Turm hochklettern. Auf dem Weg nach oben musst Du zwar noch das ein oder andere Hindernis beseitigen, hast Du das aber geschafft, reicht es, wenn Du Dich auf den Rücken Deines Vogelfreundes setzt, hin und wieder vielleicht ein wenig die Position anpasst, aber im Grunde einfach nur dabei zusiehst, wie Trico den Turm selbstständig nach oben klettert. Und das ist nicht der einzige Moment, in denen ich scheinbar vorgefertigten Sequenzen begegnet bin. Zwar hat Trico seinen eigenen Kopf und weigert sich manchmal auch Deinen Befehlen nachzukommen, aber irgendwann ist er dann bereit die Aufgabe zu erfüllen und es reicht, wenn Du Dich auf seinen Rücken setzt. Das mag von Team Ico als Ruhephase konzipiert worden sein – als Gegensatz zu den Momenten, in denen Du selbst aktiv Rätsel löst – wirkt aber trotzdem seltsam.

So hat eine eigentlich beängstigende Funktion im Spiel nach dem zweiten Mal bereits ihren kompletten Reiz verloren. Springst Du als kleiner Junge über einen großen Schlund und Trico wartet auf der anderen Seite, musst Du im korrekten Moment den richtigen Button drücken, damit Dich der Schnabel des Wesens gerade noch rechtzeitig packt. Verfehlt er Dich, stürzt Du eigentlich weiter in den Tod, aber nochmal Glück gehabt, Trico benutzt seinen langen Schwanz, um Dich zu retten. Dieses Szenario kommt öfter vor und, weil Du davon ausgehen kannst, dass Du doch noch gerettet wirst, verliert die Aktion schnell ihren anfänglichen Schock.

Die Steuerung und die Kamera

Kommen wir von einem nicht so tollen Punkt zu einem wirklich nervenden. Sowohl die allgemeine Steuerung als auch das Positionieren der Kamera und deren Reaktion auf Wände oder Hindernisse sind nicht optimal.

Das beginnt damit, dass ich an manchen Stellen mehrere Male hintereinander in den Abgrund gefallen bin, da die Steuerung sich anfangs derart störrisch anfühlt, dass feine Bewegungen zwar möglich sind, aber der Wechsel von schnell in langsam oft zu lange dauert, um rechtzeitig abzubremsen. Ich weiß natürlich nicht, ob es noch viele Spielabschnitte gibt, in denen man sich äußerst vorsichtig und genau bewegen muss. Dann könnte die Steuerung dann nämlich etwas hinderlich sein.

Des Weiteren hat mich die Kamera das ein oder andere Mal verzweifeln lassen. Das liegt daran, dass sie sich frei positionieren lässt, dies aber in der von mir gespielten Version nur sehr schwerfällig und ungenau ging. Um nochmal den Turm als Beispiel anzubringen: Während Trico die Stufen nach oben stieg, verlor ich bei einem meiner Versuche den Halt und rutsche seitlich an meinem Freund nach unten. Das sorgte dafür, dass ich keine Ahnung hatte, wo genau ich denn nun war und ich versuchte mich blind wieder auf den Rücken zu navigieren, da ich die Kamera nicht so positionieren konnte, dass ich einen besseren Überblick gehabt hätte. Am Ende befand ich mich dann übrigens am linken Fuß von Trico – ich habe absolut keine Ahnung, wie ich da hingekommen bin.

Solche Momente, gepaart mit der ungenauen Steuerung, sind nicht schön, da The Last Guardian einen oft in Situationen schickt, in welchen man schnell reagieren muss, um sich nicht tödlich zu verletzten. Das sorgt für Hektik, die wiederum ein unangenehmes Kamera-in-der-Wand-oder-sonst-wo-Erlebnis begünstigt.

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Mein Fazit

Auch wenn es grafisch und atmosphärisch eigentlich nichts zu kritisieren gibt, grätschen dann hin und wieder doch ein paar Probleme in die Spielerfahrung. Die Kamera stört; ihre schwerfällige Navigation nervt wirklich und sorgt in Kombination mit der Steuerung für die bereits erwähnten unschönen Momente.

Und dann gibt es wiederum diese Augenblicke, wo die Probleme in den Hintergrund rücken und ich die Welt auf mich wirken lasse und abtauchen kann. Die Beziehung zwischen Trico und mir verstärkt dieses Gefühl nur, da die Kreatur eben tatsächlich einen eigenen Willen zu haben scheint und mich das auch in regelmäßigen Abständen wissen lässt. Dennoch bin ich zwiegespalten, ob eine tolle Welt und die Beziehung eines kleinen Jungen mit einem geflügelten Wesen ausreichen wird, um Liebhaber von Shadow of the Colossus und Ico zufriedenzustellen. Zwar vereint The Last Guardian ein paar der größten Stärken der früheren Titel von Team Ico, gleichzeitig kreiert es aber auch selbst ein paar Schwächen.

Es bleibt abzuwarten, wie sehr das Gameplay die negativen Punkte neutralisieren kann. In den bisherigen Szenen wirkt es aber leider so, dass die Spielmechanik nicht genug Variationen zulässt, um über einen längeren Zeitraum hinweg zu motivieren. Ich hoffe einfach, dass die Ausschnitte nicht repräsentativ für das ganze Spiel sind.

The Last Guardian erscheint am 7. Dezember 2016 exklusiv für die PlayStation 4.

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