Seit 15 Jahren kein Videospiel mehr gesehen: Eine Reaktion auf "The Last of Us"

Robin Schweiger 1

Mein Mitbewohner ist 23 Jahre Jahre alt und spielt keine Videospiele. Tatsächlich guckt er sie nicht einmal an: Seine letzten Erfahrungen mit dem Medium liegen mit „Die Siedler 2“ und „Starcraft“ knapp 15 Jahre zurück. Nun wohnt er aber eben mit mir zusammen und schnappt deswegen immer mal wieder die ein oder andere Szene auf. Meist kommt dann nur ein kurzes „Und das ist echt ein Spiel? Krass.“, ich bestätige grinsend und das war es. Doch mich interessierte: Wie wirkt ein modernes Videospiel auf jemanden, der sonst nichts mit dem Medium zu tun hat?

Seit 15 Jahren kein Videospiel mehr gesehen: Eine Reaktion auf "The Last of Us"

An einem Sonntagabend parken wir uns deshalb vor meine Playstation 3, ich will ihm endlich zeigen, wozu dieses Medium heutzutage in der Lage ist. Bereits im Hauptmenü von „The Last of Us“ zeigt er sich beeindruckt: „Wow, sieht das echt aus!“. Wir sehen nur ein Fenster und die herein strahlende Sonne, doch wer sich das letzte Mal mit Videospielen beschäftigt hat, als die 3D-Ära gerade ihren Vormarsch begann, ist anderes gewohnt. Und deshalb will er mir auch zunächst kaum glauben, als ich ihm beim nachfolgenden Intro erkläre, dass dies nur leicht aufgehübschte Spiele-Grafik ist. Tatsächlich ist er vom Intro allgemein sehr überrascht: „Macht man das heute immer so, dass am Anfang so eine lange Sequenz kommt, die so eine ausführliche Geschichte erzählt?“. Für ihn war in Punkto Story-Telling bisher „Starcraft“ das höchste der Gefühle.

So dauerte es nur wenige Sekunden, bis mir das erste Mal klar wurde, wieso es vielen Leuten so schwer zu vermitteln ist, warum ich Gamer bin. Dass ein Videospiel überhaupt Wert darauf legt, eine Geschichte zu erzählen und sogar seine gesamte Spiel-Erfahrung darauf fußt, das war für ihn kaum vorstellbar.

Die nächste Überraschung folgt, als ich beginne, Joels Tochter Sarah selbst zu steuern. Flüssig geht das Spiel von Zwischensequenz zum Gameplay über, sodass es einige Sekunden dauert, bis er realisiert, dass ich sie gerade selbst kontrolliere. Keine Bildschirmanzeigen, keine Missionsziele – für ihn sieht das hier nicht wie ein Videospiel aus: „Das ist ja wie im Film, nur, dass du das selbst spielst!“

Zwischen Filmen und Videospielen liegen in der breiten Maße der Bevölkerung ein gigantischer Unterschied. Filme können Geschichten erzählen, traurig und glücklich machen, Emotionen hervorrufen. Spiele dagegen sind Zeitvertreib, nicht mehr. Um jemandem vom Gegenteil zu überzeugen, muss man sich tatsächlich eine längere Zeit hinsetzen und ihm/ihr ein Spiel wie „The Last of Us“ zu zeigen, eine simple Erklärung reicht nicht.

Ich spiele also weiter, und steuere schließlich Joel – von dem simplen Übergang von Sarah zu ihrem Vater ist mein Mitbewohner absolut beeindruckt. Die Geschichte vom Standpunkt verschiedener Charaktere zu zeigen, das ist ein Stilmittel, das er bei einem Videospiel nicht erwartet hätte. Und ganz nebenbei muss er noch immer verarbeiten, wie unfassbar real das ganze aussieht – Menschen verbrennen, werden auseinandergerissen und Sarah weint währenddessen in den Armen Joels leise vor sich hin. „Woah“, sagt mein WG-Kollege leise, als das Logo erscheint und die Hintergrundgeschichte von Nachrichtensprechern aus dem Off während der Credits weiter erläutert wird. Was da gerade passiert ist, das war emotional, das war traurig, das war mitreißend. Wieder dreht er sich zu mir und fragt: „Ist das heutzutage normal, dass Spiele so sind?“

Nein, normal ist das leider noch nicht. So perfekt wie „The Last of Us“ verstehen nur wenige andere Spiele ihre Geschichte zu erzählen, doch es werden immer mehr. Und dank Naughty Dogs Survival-Game hat nun ein Mensch mehr eine Ahnung davon, zu was Videospiele in der Lage sind.

Ich spiele noch ein bisschen weiter und zeige ihm die verschiedenen Spielmechaniken. Er bleibt weiterhin beeindruckt und meint noch, dass er sich sehr gut vorstellen könne, dass er sich stundenlang in dieser Welt verlieren könnte. Doch was ihn wirklich vom Hocker haut ist ganz allein der Fakt, dass ein Videospiel versucht, eine erwachsene, ernste, unaufgeregte Geschichte zu erzählen.

In Anbetracht dessen entscheide ich mich dazu, ihm den Extended Cut Trailer zu „Metal Gear Solid V: The Phantom Pain“ zu zeigen, einem der meiner Meinung nach besten Videospiel-Trailer aller Zeiten. Allein das Konzept eines Open-World-Spiels haut meinen Mitbewohner halb aus dem Sessel – überall hingehen, angreifen wen man will, wie soll denn das funktionieren? Und dann auch noch dynamisches Wetter? Und realistischer Tag- und Nacht-Wechsel?

Am Ende des zehnminütigen Trailers blickt er mich mit offenem Mund an. „Wow. Mehr kann ich dazu nicht sagen.“ Nichts von dem, was er da gerade gesehen hat, erinnert ihn an die klassische Vorstellung eines Videospiels. Außer einer Sache: „Spiele sind aber ganz schön brutal, kann das sein?“

Ich glaube es wird Zeit, dass ich ihm „Journey“ zeige.

Du willst mehr von mir lesen? Dann folge meinem Backblog hier auf GIGA, bei Facebook oder Twitter, um sofort über neue Beiträge informiert zu werden!

Kannst du diese Zitate dem passenden Videospiel zuordnen?

Du hast voll den Plan von Videospielen und kannst sämtliche Zitate der wichtigsten Games im Schlaf mitsprechen? Beweis uns dein Talent und ordne die folgenden Zitate dem richtigen Spiel zu.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA GAMES

* Werbung