The Last of Us - Left Behind Test: Nicht verpassen! (Spoiler)

Tobias Heidemann 10

Ich mag DLCs nicht und rede auch gerne darüber, warum das so ist. Heute halte ich aber mal die Schnauze, denn „Left Behind“ ist ein außergewöhnliches Lehrstück für die gesamte Branche. Der erste Story-DLC für „The Last of Us“ zeigt uns, wie man ein vollendetes Kunstwerk mit ein paar neuen Pinselstrichen tatsächlich noch bereichern kann.

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Dass ausgerechnet ein DLC zu „The Last of Us“ so gut funktioniert, verwundert doch sehr. Wer das mittlerweile zum Spiel des Jahres aufgestiegene Drama um Ellie und Joel seinerzeit durchgespielt hat, der weiß wie befriedigend Naughty Dog die Geschichte des Hauptspiels abgeschlossen hat.

Last of Us Left Behind Opening Cinematic.
In „The Last of Us“ ging es ausschließlich um Ellie und Joel, um ihr Verhältnis, um die Möglichkeit von Liebe nachdem man der Liebe selbst abgeschworen hat, um Hoffnung in einer Welt, in der es eigentlich keine Hoffnung mehr geben sollte. Alles in „The Last of Us“ diente diesem einen Zweck. Die apokalyptische Spielwelt selbst war mit ihren schillernden Widersprüchen aus Grauen und Schönheit ein sinnbildlicher Spiegel der Innerwelten seiner beiden Hauptcharaktere. Die Erzählung entlang der unterschiedlichen Jahreszeiten hingegen eine Parabel auf die Entwicklung ihres schwierigen Verhältnisses. Warum sollte man also in eine Welt zurückkehren, deren Geschichte offenkundig zu Ende erzählt ist?

Naughty Dogys Autor Neil Druckmann findet eine faszinierende Antwort auf diese Frage. „Left Behind“ erzählt eine ganz neue Geschichte und ist dabei doch aufs engste mit der finalen Pointe des Hauptspiels verbunden. Es ist ein neues Kapitel, das uns zu den Anfängen zurückführt und doch über das Ende des Spiels hinausweist. Genauso sollten DLCs sein!

»Ich warte immer noch darauf, dass ich an der Reihe bin. Ihr Name war Riley, und sie war die erste, die starb«. Diesen Satz hören wir am Ende von „The Last of Us“. Es ist ein wichtiger Satz, ein Satz, der uns erklärt, wo Ellie herkommt, warum sie ist wie sie ist, was sie antreibt. Um diesen einen Satz geht es in „Left Behind“. Es geht um Ellies beste Freundin Riley und einen Tag, den die beiden in einem verlassenen Bostoner Einkaufszentrum gemeinsam verbringen.

Riley war lange Zeit fort. Sie ist den Fireflys beigetreten. Als sie nach Monaten dann plötzlich in Ellies Zimmer steht, spürt man, dass die beiden sich trotz tiefer Freundschaft sehr von einander entfremdet haben. In den folgenden zwei Stunden werden wir Zeuge, wie die beiden versuchen, ihr kaputtes Verhältnis zu reparieren.

„Left Behind“ bedient sich dabei der gleichen Mittel wie das Hauptspiel. Der verspielte Streifzug durch die Ruinen des Einkaufszentrums wird mit Hilfe von fantastisch geschriebenen Dialogen und einer Vielzahl von überraschenden und kreativen Einfällen (die ich hier nicht spoilern möchte) zu einem intensiven Trip, der alle Qualitäten aus „The Last of Us“ noch ein weiteres Mal zu zitieren weiß. Da wir bereits wissen, dass uns „Left Behind“ von Rileys Tod erzählen wird, erhält das Ganze zudem eine unheilvolle Stimmung. Gleichzeitig erleben wir Naughty Dog in puncto Spielwelt auf der absoluten Höhe ihres Schaffens. Wie schon bei Ellie und Joel findet auch „Left Behind“ immer genau die richtigen Mittel und Wege, um das fragile Verhältnis seiner Protagonisten abzubilden. Besser kann das momentan kein anderer Entwickler!

Während wir mit Riley und Ellie auf der Suche nach Freundschaft und verlorener Kindheit sind, schneidet „Left Behind“ immer wieder hart in die Geschichte aus „The Last of Us“ zurück. Hier erleben wir die andere Ellie, die gereifte Ellie, die Ellie also, die Riley bereits verloren hat. Auch sie ist in einem Einkaufszentrum unterwegs und muss hier Medizin für den verletzten Joel finden. Wir befinden uns also in der Winter-Episode aus „The Last of Us“ und damit in einer Zeit, in der Ellie komplett auf sich allein gestellt war. Dieser Teil des DLCs soll die spielerische Seite von „The Last of Us“ repräsentieren, indem er uns noch einmal alle Gegner und Gefahren des Hauptspiels entgegenwirft. Auch hier wird die Qualität gehalten.

Doch Naughty Dog wäre nicht Naughty Dog, wenn man uns mit diesen Abschnitten einfach nur spielerisch befriedigen wollte. Ellies Kampf durch die verschneite Mall dient dem Kontrast. Durch perfektes Timing und überlegte Gegenschnitte befinden sich die beiden Zeitebenen in einem Dialog. Diese Erzählweise kennen wir sonst vor allem aus dem Kino. Dass Naughty Dog sie hier so gekonnt einsetzt, belegt erneut eindrucksvoll, dass dieser Entwickler in puncto filmischer Inszenierung derzeit an der Spitze des Branche steht.

The Last of Us Left Behind Trailer.

Fazit:

Das stärkste Lob, das ich für „Left Behind“ aussprechen kann, ist nicht darüber sprechen zu wollen. Ich möchte einfach, dass jeder, der von „The Last of Us“ so begeistert war wie ich, die vielen tollen Momente aus „Left Behind“ selbst erlebt. Naughty Dog beweist, dass DLCs mehr sein können als nur zusätzlich konstruierte oder zuvor zurückgehaltene Inhalte. „Left Behind“ erzählt seine ganz neue, ganz eigene Geschichte mit neuen Mitteln – nur die Qualität, die bleibt die alte.

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