Zelda IV: Link's Awakening bekommt ein Remake – warum das Spiel besonders ist

Frank Ritter 4

Zelda: Link’s Awakening ist das Spiel meiner Kindheit. Zusammen mit Super Mario Land 2, den Wario Land-Teilen und Donkey Kong steht der Zelda-Teil für all das, was auf dem Game Boy möglich war – obwohl es eigentlich unmöglich sein sollte. 2019 bekommt der Meilenstein ein Remake für die Nintendo Switch. Ein guter Anlass, zu erklären, was das Game-Boy-Zelda so besonders macht.

Während der Nintendo Direct, die am 13. Februar 2019 ausgestrahlt wurde, staunten Zelda-Fans – mich eingeschlossen – nicht schlecht. Für 2019 wurde ein waschechtes Remake von The Legend of Zelda: Link’s Awakening angekündigt. In deutlich verbesserter Grafik und mit einer 3D-Aufsicht von schräg oben, wie wir sie schon aus Pokémon: Let’s Go kennen, geht es nach 26 Jahren (20 Jahre, nimmt man Link’s Awakening DX, nur acht, beachtet man die Wiederveröffentlichung auf dem Nintendo 3DS) zurück auf Cocolint Island.

Viel mehr ist bislang noch gar nicht über das Link’s Awakening-Remake bekannt – zumindest gibt es aber einen ersten Trailer. Trotzdem bin ich schon jetzt der Meinung, dass das Game Boy-Zelda ein Remake unbedingt verdient hatWie das Remake im Vergleich zum Original aussieht, zeigt ein Bild des Twitter-Nutzers Nintendeal:

Link’s Awakening: Ein Meilenstein in meiner persönlichen Videospiel-Geschichte

Um zu verstehen, warum der vierte Zelda-Teil Link’s Awakening ein so wichtiges Spiel war, muss ich etwas über mich erzählen: 1994, als Nintendo das Spiel veröffentlichte, war ich 10 Jahre alt. Ich besaß ein einziges Videospielsystem – einen Game Boy. Die Zeit der Super Nintendos, PCs und Amigas war in meinem Freundeskreis bereits angebrochen, für mich blieb der Game Boy trotzdem für Jahre die einzige Möglichkeit, allein in Videospielwelten abzutauchen.

Wobei „Welten“ für die damalige Zeit etwas euphemistisch formuliert ist. Denn auch wenn das Spielangebot für den Game Boy damals mannigfaltig war, hatte die Software in der Regel nicht den Anspruch, Geschichten zu erzählen. Als mein Kumpel Sebastian mir das neue Zelda für den Game Boy zeigte, war ich umso verblüffter: Eine riesige Welt, die man für Stunden erforschen konnte, ohne auch nur im Ansatz alles gesehen zu haben. Komplexe Rätsel, eine Geschichte, stimmungsvolle Grafik und eine unfassbar gute Musik.

So etwas gab es auf dem Game Boy bis dato noch nicht. Zelda: Link’s Awakening schaffte es, den Stil und den spielerischen Anspruch der Super Nintendo-Version Zelda III: A Link to the Past originalgetreu zu übertragen. Und das auf den unbeleuchteten Screen des Game Boys mit seinen vier Graustufen.

Ich lieh mir also das Spiel aus, wanderte stundenlang über das pittoreske Cocolint Island, überschrieb dabei versehentlich den Speicherstand meines Kumpels (sorry nochmal, Sebastian!) und kaufte es ihm schließlich ab, als er es endlich durchgespielt hatte – die am besten angelegten 40 Mark meiner Jugend. Danach spielte ich Zelda 4: Link’s Awakening durch – und zwar nicht nur einmalig, sondern mindestens ein halbes Dutzend Male.

Klar, man hat viel Zeit als Kind. Aber mein Versinken in der Welt von Zelda 4 nur auf diese Tatsache zurückzuführen wäre zu einfach. Nein, dieses Spiel hat einen inhärenten Wiederspielwert, der etwas Besonderes war – und ist. Dafür gibt es verschiedene Gründe.

Technik und Gameplay

Da wäre die technische Seite. Für ein Game-Boy-Modul war Zelda 4 mit 4 MBit, also 512 KByte, ganz schön groß. Klar, aus heutiger Sicht ist das praktisch nichts. Es ist fast unbegreiflich, wie viel Spielwitz und Dauerspaß die Entwickler in eine Speichermenge pressen konnten, die einem Bruchteil der Ladezeit des Artikels entspricht, den du gerade liest.

Der Game Boy hat neben dem Steuerkreuz, Start und Select nur zwei Tasten: A und B. Trotzdem haben es die Entwickler geschafft, dass sich Link durch die Welt nicht nur einigermaßen komfortabel (die Tasten sind im Pause-Menü jederzeit frei mit unterschiedlichen Funktionen alias Items belegbar), sondern tatsächlich intuitiv und präzise steuert.

Zudem wurde Link auch eine essentielle neue Fähigkeit gegenüber dem Super-Nintendo-Vorgänger spendiert: Er kann springen – zumindest wenn eine Taste mit der Zauberfeder belegt wurde. Okay, ob es die gelegentlichen Jump’n’Run-Passagen aus der seitlichen Sicht jetzt gebraucht hätte, in denen Link wie ein gewisser Klempner Goombas aufs Haupt hüpft, lasse ich mal offen.

Geschichte und Stil

Zelda: Link’s Awakening schafft es, in jedem Winkel der Spielwelt lebendig zu wirken. Allenthalben bewegt sich etwas – ob nun Dorfbewohner, Gegner, Hunde, Hühner oder die die ganze Zeit weise Ratschläge verteilende Eule. Büsche, die man natürlich mit dem Schwert zerteilen kann, um Rubine, Powerups oder Muscheln zu finden. Ja selbst Fliegen bewegen sich durch die Luft.

Link’s Awakening ist ein für Zelda-Verhältnisse fröhliches Spiel, zuweilen gar albern. Die Melancholie, die sich durch praktisch alle anderen Zelda-Spiele zieht, scheint hier nur selten durch. Link, der als Schiffbrüchiger auf Cocolint Island landet, soll magische Instrumente finden, um den Windfisch zu wecken – und letzten Endes nach Hause zu kommen. Das war eine clevere Idee, um vom üblichen ab-durch-Hyrule-und-Ganon-eine-reinwürgen abweichen zu können.

Und so sind dann auch die knubbelnasigen NPCs deutlich neurotischer und lustiger als in den vorangegangenen Teilen. Auch wenn der Plot-Twist zum Ende etwas zu einfach ist, verzeiht man das dem Spiel gerne, weil der Weg dahin so toll ist. Und das ist nicht zuletzt Verdienst des grandiosen Sounddesigns. Effekte und Musik stimmen einfach, kein klassisches Game-Boy-Spiel hat eine bessere, vielseitigere Akustik.

Liebe zum Detail und Gags am Rande

Man merkt an allen Ecken und Enden, wie viel Liebe die Entwickler in Zelda: Link’s Awakening investiert haben. Nicht nur an den Details, sondern auch an den zahlreichen Easter Eggs – zu einer Zeit, in der Easter Eggs weder normal waren noch überhaupt diesen Namen trugen.

Beispiele gefällig?

  • Wer im Savegame-Auswahlbildschirm einen neuen Speicherstand erstellt und sich den Namen ZELDA gibt, erhält das Menü-Thema in einer „funkigen“ Version abgespielt.
  • Wenn man die Elektroschock-Gegner mit Zauberpulver bestäubt, verwandeln sich diese in, nun, Liebesspielzeug und geben frivole Sprüche von sich. Allerdings nur in der Ur-Version, das DX-Remake für den Game Boy Color (und mutmaßlich auch das Switch Remaster) empfehlen dem Spieler nicht mehr, beim Austausch von Körperflüssigkeiten ans Verhüterli zu denken (kein Witz).
  • Im Shop des Dorfes kann man „einklaufen“ gehen. Einfach ein Produkt aus dem Regal nehmen und sich so um den Tresen bewegen, dass man den Raum verlässt, wenn der Verkäufer gerade nicht hinschaut. Dafür muss man den Rest des Spiels damit leben, DIEB genannt zu werden. Und wenn man gerade mit der liebreizenden Marin unterwegs ist, zeigt sich ihre dunkle Seite …
  • Wer ein Huhn für eine bis zwei Minuten mit dem Schwert schlägt, muss mit gewissen Gegenmaßnahmen von der Hühnerlobby rechnen.

Noch mehr geniale Easter Eggs und Geheimnisse in Spielen gefällig?

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Warum du dich auf das Remake von Zelda: Link’s Awakening freuen solltest

Heute bin ich erwachsen und habe ein Kind, das fast im selben Alter ist wie ich damals, als ich Zelda 4 spielte und mich in der Welt verlor. Meine Liebe zu Zelda: Link’s Awakening ist ungebrochen, der Wiederspielwert ist immer noch da. Auch heute bekomme ich noch eine Gänsehaut, wenn ich Gameplay-Material zu Zelda 4 auf dem Game Boy sehe und höre.

Du hast den Trailer zum Remake von Link’s Awakening verpasst? Hier kannst du ihn dir noch einmal anschauen – mit all den optischen Verbesserungen, die kommen sollen:

The Legend of Zelda: Link's Awakening - Ankündigungstrailer.

Und ja, das gilt auch für das Remaster: als ich den Trailer sah, jauchzte ich auf, denn zumindest die ersten Bilder lassen auf eine liebevolle Überarbeitung hoffen, die dem Original treu bleibt. Es war wirklich an der Zeit, dass Nintendo sich diesem Meilenstein annimmt – und mir damit einen Grund gibt, nun doch endlich mal den Kauf einer Nintendo Switch in Erwägung zu ziehen. Schließlich soll auch mein Nachwuchs Cocolint Island erforschen dürfen.

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