The Outer Worlds von den Fallout-Machern ist ein Lichtblick an der verwaisten Singleplayer-Front

Marina Hänsel

Sie sagen, es ist ein bisschen wie Fallout. Und ein bisschen wie Mass Effect, mit einer Prise BioShock. Nun, reden kann jeder – aber hast du die Gameplay-Demo schon gesehen? Scheint beinahe, als sei ein Lichtblick an der traurigen Singleplayer-Front aufgetaucht. Wenn auch ohne Romanzen.

Reden kann jeder – aber wenn die zwei Männer, die gerade an jenes imaginäre Rednerpult treten, zwei Interplay-Ikonen sind, sieht das Ganze schon ein wenig anders aus. Timothy Cain und Leonard Boyarsky gehören zum Oh-Gott-haben-die-etwa-an-DIESEN-Spielen-gearbeitet?-Stab vom ehemaligen Studio Interplay, das mit ihrer Hilfe nicht nur Fallout aus dem Software-Stein gehauen hat, sondern auch Stonekeep und Star Trek: Starfleet Academy. Aber vor allen Dingen Fallout. Denn die ersten Fallout-Teile gehörten nicht Bethesda, wie du sicherlich weißt, sondern eben jenem Pre-Bethesda Interplay. Das damals, als die Dinosaurier noch über die Welt herrschten und Google gerade so aus dem Boden ploppte, das Studio für tolle Geschichten und Rollenspiele gewesen ist.

Tim Cain und Leonard Boyarsky haben sich unlängst Obsidian angeschlossen – das Studio, dem wiederum Fallout: New Vegas aus dem Schoß gefallen ist. Du könntest also ganz zu Recht behaupten, dass Obsidians kommendes Sci-Fi-Rollenspiel The Outer Worlds alles an Fallout vereint, das nicht in Bethesdas Küche gekocht wurde. Die Frage wäre: Ist es vielleicht genau das, was einige Spieler nach Fallout 76 wollen?

Du willst Science-Fiction, fremde Planeten und du willst es jetzt? Nagut, wir haben da etwas:

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No Man's Sky: Die unglaublichsten Planeten, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat (bis jetzt).

„The Outer Worlds sieht wie ein Spiel aus, das all jene spielen wollen, die enttäuscht von Fallout 76 gewesen sind.“

Das zumindest hat PCGamer-Journalist Wes Fenlon in seinem größeren Artikel zu The Outer Worlds geschrieben. Ausgehend von dem, was wir schon sehen und wissen durften, stehen die Karten dafür tatsächlich gut. Nicht nur wegen der vereinten Fallout-Kräften, die hinter The Outer Worlds brodeln; aber auch wegen Prämisse, Story und World-Building, das zu Teilen in der Gameplay-Demo, aber auch im Trailer offensichtlich wird:

The Outer Worlds – Offizieller Trailer.

Fühlst du die Firefly-Vibes oder bin nur ich das? The Outer Worlds ist eine knallbunte, lustig-morbide Science-Fiction-Mär, die dich zu dem Space-Cowboy macht, der du vielleicht schon immer sein wolltest. (Oder vielleicht nicht, ich kenne dich ja nicht so gut). Mit einer typischen Bruchlandung beginnt dein Abenteuer auf einem fremden Planeten, der am Rande des Universum hockt und einzig von Mega-Corporation regiert wird. Alles ist zugepflastert mit Werbungen, doch sobald dein Blick gen Himmel gleitet, erkennst du fremde Monde und Welten, die über dem Horizont verführerisch zu dir herunterstarren. Du lagst über 70 Jahre im Kälteschlaf – und jetzt, als sich endlich jemand dazu erbarmt hat, dich zu wecken, sollst du diesen Planeten auch noch retten. Das Glück ist dir nicht hold, hm?

Wenigstens ist es eine Welt, die geradezu zum Erforschen einlädt. Bunt, aber in einer Weise Fallout-ig, die tatsächlich an New Vegas erinnert – und nach allem, was wir wissen, bietet The Outer Worlds zwar keine riesenhafte Open World. Dafür jedoch eine ausgewachsene, tiefe Story, die dich gleich zu Beginn auf eine Rettungsmission über den gesamten Planeten schickt: Du kannst verstreute Siedler einsammeln, die abseits der Kolonie um ihr Überleben kämpfen. Derweil haben die Corporations anfangen, jeden einzelnen Stein auf dieser Welt für horrende Preise zu verkaufen – und was, wenn du dich auf ihre Seite stellst, anstatt arme Kolonisten zu retten? Es ist deine Entscheidung und dir ist zugleich immer freigestellt, wie du Missionen angehst.

Rollenspiele? Hat da jemand Rollenspiele gemurmelt? Diese zehn RPGs solltest du ausprobieren – oder im Auge behalten, wenn sie noch nicht erschienen sind:

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The Outer Worlds bietet nicht nur einen Charakter-Editor, über den du deinen Helden individuell gestalten kannst, sondern löst Quests auch in drei typische Wege auf: Entweder du gehst unerkannt vor und findest einen Weg, dich aus der Affäre zu schleichen, oder überzeugst die richtigen Personen, um ans Ziel zu gelangen. Kämpfen ist der dritte Weg, doch den Entwicklern zufolge wird es womöglich einen komplett friedlichen Durchlauf durch das Spiel geben. Einzig Roboter wirst du dabei sicher kaputtschlagen müssen. Apropos Roboter …

Space, Drugs & Robophobia

Die Mass Effect-ige Space-Opera ist kein Fallout-Teil, aber etliche Komponenten des Spiels vermitteln zumindest das Gefühl, irgendwie im Fallout-Universum gelandet zu sein. Eine davon ist der morbide Humor: Es wird in The Outer Worlds etliche Drogen geben, die du benutzen kannst (aber nicht musst), die KI deines Raumschiffs soll ziemlich seltsam sein und – darauf freue ich mich besonders – es gibt Robophobia.

Oder anders ausgedrückt: negative Perks, die du auswählen kannst. Um eine zusätzliche Fähigkeit im Skill-System zu erhalten, kannst du dir Schwächen geben, wie etwa die Angst vor Robotern, der Dunkelheit oder Höhenangst. Das ist nicht nur ziemlich Pen-&-Paper-ähnlich, sondern gibt dir auch die Möglichkeit, deinen Charakter weiter zu individualisieren. Wie wär’s mit einem gierigen Anti-Helden, der den Konzernen völlig hörig ist, jeden verpfeift, der ihm seine Geheimnisse anvertraut und durch ein Trauma in seiner Kindheit schreckliche Angst vor Robotern hat? Ganz ernst nimmt sich The Outer Worlds dabei nicht immer. In einigen Gesprächen gibt’s etwa wie schon in Fallout: New Vegas-die Option einer von Dummheit durchdrungenen Antwort. Zum Beispiel: „Dental Gel? Ah, ich verstehe… sehr wichtig. Öh, was ist Dental Gel eigentlich?

Wie wäre es mit ein wenig The Outer Worlds-Gameplay? Anschnallen, fertig – und los:

The Outer Worlds scheint zu gleichen Teilen pessimistisch, dunkel und humorvoll zu sein, etwas, dass mich wieder und wieder an Fallouts originales Konzept erinnert. Übrigens: Falls du großer VATS-Fan bist, freust du dich vielleicht auf einen vergleichbaren Modus im Spiel. Eine Fähigkeit erlaubt es dir, die Zeit während des Zielens zu verlangsamen, und außerdem gibt’s keine Zufallskomponente im Kampfsystem. Wenn du jemandem in den Kopf schießt, triffst du. Wenn du daneben zielst, hast du Pech gehabt. Fair, oder?

Einen kleinen Nachteil gibt es jedoch gegenüber Mass Effect und all jenen BioWare-Ikonen, deren Fans gerade nach vergleichbaren Alternativen suchen: Auf Romanzen musst du in The Outer Worlds leider verzichten. Den Entwicklern zufolge wurde zwar darüber nachgedacht – immerhin wirst du Companions rekrutieren und mit auf Missionen nehmen können – aber die Idee wurde wieder verworfen. Leider. Wenn du damit leben kannst, gibt’s hier noch ein paar Details zum Spiel, die dich interessieren dürften. PCGamer hat eine kleine Liste der wichtigsten zusammengestellt, wir haben ein paar erweitert:

  • Das Spiel erscheint 2019
  • Es wird mit der Unreal Engine 4 entwickelt
  • Dein Protagonist hat keine Stimme (aber in den Dialogen kannst du aus mehreren ausgeschriebenen Optionen wählen)
  • Es gibt eine Spezialklasse für Wissenschafts-Waffen, welche die absurdesten Effekte haben (wie einen Schrumpflaser)
  • Voller Charakter-Editor (obwohl das Spiel nur in der First-Person-Ansicht spielbar ist)
  • Nah- und Fernkampfwaffen
  • Deine Companions haben kein eigenes Inventar, erweitern deines aber, wenn du sie auf Missionen mitnimmst
  • Du kannst deine Companions mit allem ausrüsten, was du möchtest. Sie haben auch Spezialattacken.
  • Wenn deine Companions absolut gegen deine Entscheidungen sind, können sie dich mitten in der Mission verlassen & ins Schiff zurückkehren. Du kannst sie später wieder von dir überzeugen
  • Du kannst hacken und Schlösser knacken, doch dafür wird es keine Mini-Spiele geben (es hängt also von deinem Skill ab)
  • Es gibt 6 Grundfähigkeiten, die du alle mit bis zu 100 Punkten füllen kannst. Alle 20 Punkte gibt’s einen neuen Perk
  • Die Welt ist zu Teilen offen und kann direkt nach Beginn es Spiels – teils – frei erkundet werden
Okay, warte. Du hast Fallout: New Vegas noch nicht gespielt? Dann solltest du dir vielleicht noch einmal überlegen, was du dir selbst zu Weihnachten schenken willst. 

Mich würde ja besonders interessieren, wie böse du tatsächlich sein kannst. Gibt es zwei mehr oder weniger unabhängige Wege, die du beschreiten kannst – für die Konzerne und gegen sie – gespickt mit unterschiedlichen Missionen? Oder geht auch The Outer Worlds den typischen Du-bist-so-halb-böse-und-rettest-aber-trotzdem-die-Welt-Weg? Das muss auch gar nicht schlimm sein, ganz besonders im Hinblick auf das doch kleinere Entwickler-Team. The Outer Worlds ist kein AAA-Titel, sondern siedelt irgendwo zwischen Indie und Blockbuster, was gar keine so schlechte Ecke in der derzeitigen Videospiel-Hemisphäre ist. Denken wir nur an No Man’s Sky und, natürlich, Fallout: New Vegas.

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