The Park Test: Mehr als ein typisches Horror-Game und trotzdem kein Vergnügen?

Dominic Stetschnig 3

Funcom beschert uns mit The Park in diesem Jahr ein absolutes Albtraum-Szenario: Alleine. Nachts. In einem heruntergekommenen Vergnügungspark. Doch was euch dort erwartet, lässt einen Ausflug in den Berliner Plänterwald wie einen Nachmittagsspaziergang wirken. Doch wie viel Ambition steckt wirklich hinter dem 90-Minuten-Projekt? Das erfahrt ihr im Test.

The Park Test: Mehr als ein typisches Horror-Game und trotzdem kein Vergnügen?
The Park Teaser.

Lorraine ist eine junge, alleinerziehende Mutter, die sich mit den typischen Problemen von jungen, alleinerziehenden Müttern auseinandersetzen muss. Das Verhältnis zu ihrem Sohn Callum ist schwierig, ihr einziger Zufluchtsort ist ein alter Vergnügungspark. Im Atlantic Island Park lassen sich sämtliche Sorgen vergessen - bis eines Tages ihr Sohn verloren geht und Lorraine nicht mit den Gefahren gerechnet hat, die sich nachts in The Park herumtreiben.

Als der Sohn nämlich nach einem Besuch in den bereits geschlossenen Park zurück rennt, weil er dort seinen Teddybär verloren hat, folgt ihr ihm ins Ungewisse. Vollkommen egal, dass der Park plötzlich komplett heruntergekommen ist. Und vollkommen egal, dass es von eine auf die nächste Sekunde Nacht wird. Diese schnellen Versatzstücke geben euch einen Vorgeschmack auf das, was The Park ist: Über den Verlauf des Spiels macht euch Lorraine mit den Gedanken vertraut, die viele Eltern wohl niemals laut aussprechen würden, während sie in die zwielichtige Vergangenheit des Parks eintaucht.

Ganz im Stile von Gone Home und Everybody’s Gone To The Rapture kann man The Park getrost als Walking Simulator bezeichnen. Es gibt keine Rätsel zu lösen, keine direkten Konfrontationen mit Gegnern, ihr wandert über die Pfade des Atlantic Island Parks, ruft nach eurem Sohn und seid mit ihren Gedanken und Erinnerungen allein. Und während ihr die verschiedenen Attraktionen erkundet und ausprobiert, bekommt ihr einen tieferen Einblick in Lorraines Leiden. Mit angenehmer, glaubwürdiger Stimme erzählt, nimmt sie euch mit auf eine psychologische Achterbahnfahrt, die wie ein Sturz ins Unbekannte wirkt.

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Die ersten 30 Minuten des Spiels führen euch in eine Art Märchenbahn: Ihr fahrt mit einem Schwanenboot durch die düstere Grotte, in der ein Erzähler per Wand-Projektionen die Geschichte von Hänsel und Gretel erzählt - wie sich herausstellen soll, hat diese Geschichte noch eine größere Bedeutung im Verlauf des Spiels. Und ehrlicherweise muss ich gestehen: Wenn ich selbst mit diesem Schwanenboot gefahren wäre, ich hätte vor lauter Langeweile den freiwilligen Rückweg schwimmend auf mich genommen.

Sobald dieser Abschnitt jedoch überstanden ist, beginnt der wahre Horror: Langsam fängt der Park an, Spielchen mit euch zu spielen. Und obwohl sich The Park größtenteils mit subtilem Grusel in euren Kopf schleicht, gibt es den einen oder anderen wirklich gelungenen Schreckmoment. Gegen Ende des Spiels kommt man nicht umher mitzubekommen, dass einige Fans von P.T. im Entwicklerteam gewesen sein müssen. Eine Passage zitiert das Kojima-Projekt fast 1:1, gehört damit aber gleichzeitig zu den stärksten Sequenzen des ganzen Spiels.

Ein Klick auf die linke Maustaste lässt Lorraine mit Gegenständen interagieren, per Rechtsklick ruft ihr nach eurem Sohn. Diese Rufe verändern sich im Lauf des Spiels: Während sie anfangs noch streng und bestimmend sind, werden sie gegen Ende immer panischer, bis sie sich letzten Endes zu einem verzweifelten Winseln formen.

Die Unreal Engine lässt das Spiel recht hübsch aussehen, auch wenn ihr keine Grafik-Granate erwarten dürft. Der Fokus liegt auf einem hervorragenden Sound-Design, welches euch nicht nur ordentlich das Gruseln lehrt, sondern euch auch emotional stark an den Hauptcharakter bindet.

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Insgesamt überzeugt The Park mit seinem durchdachten Design, der kurzen, aber fesselnden Story und ein paar gut gesetzten Grusel-Momenten. Es ist nicht das typische Carnival-Horror-Game, sondern ein Spiel über die Schwierigkeiten des Eltern-Daseins. Vermutlich mutet ihm deshalb eine sehr erwachsene, bedachte Atmosphäre an. Auf der anderen Seite vermisst man das gewisse Etwas, mehr als 90 Minuten werdet ihr zum Durchspielen des Spiels nicht brauchen, dafür ist der Preis mit 10 Euro nicht ohne. The Park reiht sich also ins gute bis obere Mittelmaß der Walking-Simulatoren und subtilen Horror-Games ein.

Übrigens sind für das Spielen keine Vorkenntnisse zu The Secret World von Nöten: Das Online-Game von Entwickler Funcom teilt sich zwar das selbe Universum, bis auf ein paar kleine Hinweise für Fans existiert The Park aber für sich allein.

The Park ist am 27. Oktober 2015 für PC erschienen und kann für 9,99 Euro bei Steam gekauft werden.

The Park
Entwickler: Funcom
Preis: 12,99 €

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