The Quiet Man: Große Geschichten können auch ohne Worte erzählt werden

Lisa Fleischer

The Quiet Man hat einen tauben Protagonisten. Das hat Auswirkungen aufs ganze Spiel: Laut Entwickler fällt kein einziges Wort im Spiel. Redakteur Matthias Kreienbrink hat das Spiel auf der gamescom 2018 genauer unter die Lupe genommen.

The Quiet Man - Neuer Trailer.

An sich erzählt The Quiet Man eine Geschichte, wie man sie auch in zahlreichen anderen Thrillern findet: Eine geliebte Frau wird von Kriminellen entführt, der Protagonist macht sich auf den Weg, sie zu retten. Auf seinem Weg begegnet er zahlreichen Gefahren, er nimmt es mit Handlangern auf, die sich ihm in den Weg stellen und kommt zahlreiche Male nur gerade so mit dem Leben davon. Der feine Unterschied in The Quiet Man: Unser Protagonist ist taub.

Deshalb finden sich auch keine Worte im Spiel – weder Dialoge, noch Untertitel. Trotzdem sollst du der Geschichte dank nonverbaler Kommunikation, aussagekräftigen Bildern und wenigen Schrift-Fetzen, die in der Welt zu finden sind, folgen können. Um dies zu erreichen, wird auch die Vibrationsfunktion des Controllers genutzt – der haptisch auf verschiedene Art und Weisen Signale sendet. Dadurch sollen auch wirklich taube Spieler dem Spiel komplett folgen können – wohlgemerkt ohne Untertitel!

Die Rückkehr von Full-Motion-Video – in besser

Um Emotionen wirklich packend und realistisch darstellen zu können, bedienen sich die Entwickler einer Technik, die schon in den 80er-Jahren in Point-and-Click-Adventures Anwendung fanden: Full-Motion-Video. So werden Sequenzen mit echten Schauspielern bezeichnet, die das Gameplay unterbrechen. Während dies früher eher dilettantisch als gekonnt aussah, haben sich die Entwickler von The Quiet Man Mühe gegeben, den Übergang fließend zu gestalten.

Im Spiel wechseln sich Live-Action- mit Kampf-Sequenzen in In-Game-Grafik ab. Um die Film-Szenen passend integrieren zu können, hat das Team New York City sowohl gefilmt als auch in CGI nachgebaut. Die größte Herausforderung war dabei die Beleuchtung, die sich im Spiel nicht von der Realität unterscheiden darf, erzählen die Entwickler – aktuell ist dies nur schwer möglich.

Balance zwischen Gameplay und Geschichte

Das Gameplay von The Quiet Man besteht vor allem aus Prügel-Sequenzen. Diese sollen anspruchsvoll sein – gegen fünf Gegner gleichzeitig kommt der Protagonist nicht an, schließlich soll das Spiel doch auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Zu schwierig ist das Spiel aber nicht, der Fokus liegt auf der Geschichte. Diese soll nicht einfach nur einen Rahmen bieten, sondern die ganze Aufmerksamkeit des Spielers abverlangen. Es gilt, Emotionen zu erkennen, non-verbale Interaktionen zu lesen und daraus Schlüsse zu ziehen – und das nicht nur ohne Orientierung an Worten, auch das HUD fehlt.

Um den Gesundheitsstatus deines Charakters herauszubekommen, musst du also seine Verhaltensweisen lesen und verstehen. Verändern sich die Farben auf dem Bildschirm und verengt sich der Fokus, wird er nicht mehr allzu viel einstecken können, du musst also vorsichtiger agieren. Genau das macht den Reiz von The Quiet Man aus: Laut Entwickler kann jeder Spieler die Informationen anders interpretieren und erhält deshalb eine ganz individuelle Spielerfahrung.

Unser gamescom-Fazit zu The Quiet Man

Während dich andere Spiele mit Informationen nur so vollstopfen und du nur selten die Gelegenheit hast, gedanklich selbst aktiv zu werden, ist The Quiet Man genau das Gegenteil. Damit wird dich das Spiel nicht nur zum Nachdenken anregen, sondern fördert auch noch den Diskurs unter Spielern – stellst du ihnen Fragen zum Spiel, kann es sein, dass sich dir eine ganz neue Perspektive auf The Quiet Man eröffnet. Und das zeigt dir ganz subtil, wie wichtig Worte eben doch sind, damit wir wirklich alle Zusammenhänge verstehen zu können.

The Quiet Man ist zwar nicht sehr lang, kostet dafür aber relativ wenig. Damit bietet es sich an, an nur einem Tag durchgespielt zu werden – genau wie diese Spiele:

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23 kurze Spiele, die du in wenigen Stunden durchspielen kannst.

The Quiet Man erscheint als Download-Titel für den PC und die PlayStation 4. Ein Release-Datum steht bislang noch nicht fest. Nach unseren Informationen sollst du etwa drei Stunden benötigen, um The Quiet Man durchzuspielen, kosten wird es wohl 14,99 Euro.

Wie gefällt dir das Konzept von The Quiet Man? Denkst du, Live-Action-Szenen fügen sich wirklich nahtlos in das Spiel ein oder siehst du hier noch Probleme? Bist du neugierig, wie es sich anfühlt, einen tauben Protagonisten zu spielen?

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