The Vanishing of Ethan Carter Test: Zu viel Spiel?

Thomas Goik 11

Meine Reise durch das wunderschöne Red Creek Valley mag beendet sein, meine Gedanken schweben aber immer noch durch diesen scheinbar leeren Ort. Und das ist es auch, was „The Vanishing of Ethan Carter“ möchte: Eine Spur hinterlassen. Das erste Spiel des Indie-Studios „The Astronauts“ versetzt mit beeindruckender Technik ins Staunen, hat aber auch eine intelligente Geschichte zu erzählen.

The Vanishing of Ethan Carter Test: Zu viel Spiel?

Paul Prospero ist ein übernatürlich begabter Detektiv, der sich dem mysteriösen Verschwinden des Ethan Carter widmet. Wenn die äußeren Umstände stimmen, ist es ihm möglich, durch Kontakt mit der Geisterwelt vergangene Ereignisse mitzuerleben. Auf seinem Weg durch das von Wäldern umringte Örtchen Red Creek Valley stößt der Schnüffler auf die Tatorte diverser Morde, die ihn schließlich auf die Spur des verschwundenen Jungen Ethan bringen.

The Vanishing of Ethan Carter.
Who you gonna call?

Das übernatürliche Element von „The Vanishing of Ethan Carter“ ist angenehm dünn aufgetragen. Hier ist nicht die Rede von schleimigem Ektoplasma und dessen Auswirkungen auf die Umwelt, ich begegne keinen Geistern, die von all den Versäumnissen ihres früheren Lebens schwadronieren. Stattdessen lässt mich das Spiel mit seiner Welt und meinen Gedanken weitestgehend allein – und das ist auch gut so.

Den Großteil meiner Zeit in diesem von Laubblättern und melancholischen Klaviertönen heimgesuchten Ort habe ich damit verbracht, durch Wälder, Häuser und über Brücken zu wandern, akribisch jeden Stein unter die Lupe zu nehmen und nach Hinweisen zu suchen, die Ethans Verschwinden aufklären könnten. An festgelegten Stellen stolpere ich dann über Tatorte, meist in Form von Blutspuren, die mich anschließend zu einer Leiche führen.

Ich muss den Umstand der Tat wiederherstellen, in dem ich etwa eine blutige Schere so hinlege, wie sie zum Zeitpunkt des Mordes auch gelegen hat. Im Anschluss aktiviere ich die besondere Fähigkeit von Detektiv Prospero und sehe die geisterhaften Erinnerungen an das Geschehen. Diese einzelnen Szenen müssen in die richtige Reihenfolge gebracht werden, um den Tathergang herzuleiten. Als Rätsel würde ich diese Passagen nicht unbedingt bezeichnen, da die Abfolge der einzelnen Erinnerungen meist sehr eindeutig ist. An diesen Stellen frage ich mich immer wieder, warum mir „The Vanishing of Ethan Carter“ im Detail zeigt, was dort passiert ist, statt die Geschichte indirekt über die Umgebung zu erzählen.

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Geisterhaftes Gimmick

Die spektrale Detektivarbeit verkommt leider zum wenig anspruchsvollen Gimmick und nimmt mir zu viel der Denkarbeit für die Lösung des Mysteriums ab. Im letzten Drittel des Spiels versucht „The Vanishing of Ethan Carter“ schließlich noch eine spielerische Abwechslung zu etablieren und läuft damit leider ins Messer. Gerade in diesen Momenten, in denen sich das Erstlingswerk von „The Astronauts“ am ehesten wie ein klassisches Videospiel anfühlt, ist es am schwächsten.

Und trotzdem fühlt es sich so an, als wäre ich dort gewesen. Als wäre ich über den riesigen, kalten Damm von Red Creek Valley gelaufen, als hätte ich das morsche Holz im Anwesen der Carters getastet, als hätte mir die untergehende Sonne in der Nase gekitzelt. „The Vanishing of Ethan Carter“ ist eines der audiovisuell beeindruckendsten Spiele, die ich je gespielt habe. Die Atmosphäre, die hier mit gezielten Klängen und immer wiederkehrender Stille erzeugt wird, ist einmalig. Aus jedem kleinen Grashalm spürt man förmlich das Herzblut der Entwickler tropfen, die diese wunderschöne kleine Welt geschaffen haben.

Fazit:

The Vanishing of Ethan Carter“ ist in seinen besten Momenten die spannungsreiche Enthüllung eines gar nicht so mysteriösen Mysteriums. In seinen Schlechtesten ist es ein anspruchsloses Rätsel-Adventure. Durch seine atemberaubend schöne, melancholische Welt und seine ergreifende Geschichte bleibt „The Vanishing of Ethan Carter“ im Gedächtnis. Nur eben nicht ganz so lange, wie es das gerne hätte.

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