The Walking Dead: Michonne ist eine Miniserie aus dem Hause Telltale Games, die sich um die beliebte Schwertschwingerin Michonne aus Comics und Fernsehserie dreht. Ich habe die erste Episode mit dem Titel „Verwickelt und verstrickt“ verschlungen und verrate euch im Test, für wen sich der Ausflug in das neue Adventure zu The Walking Dead lohnt.

 

The Walking Dead: Michonne

Facts 
The Walking Dead: Michonne

Schaut euch den Launch-Trailer zu TWD Michonne an:

Walking Dead Michonne Launch Trailer

Längst vergessen scheinen die Tage, in denen Telltales The Walking Dead die Massen begeistert hat. Mit der ersten Staffel der Adventure-Reihe haben die Macher ein fast totgeglaubtes Genre wieder salonfähig gemacht und feiern seitdem einen Erfolg nach dem anderen. Mittlerweile reden aber viele Fans zurecht davon, dass die Altmeister bei Telltale etwas eingefahren sind und sich nur noch auf altbewährte Formeln verlassen. Mit The Walking Dead: Michonne wollen sie jetzt noch einmal zeigen, dass sie es wirklich drauf haben.

Ich stelle mir dazu einige Fragen: Ergibt die Miniserie mit drei Episoden mehr Sinn für Kenner der Serie, oder zieht das Spiel auch unabhängig seiner Lizenz die Fans der Telltale-Adventures auf seine Seite? Wie viel vom Clementine-Adventure steckt noch drin? All dem gehe ich in meinem Test genauer auf den Grund. Und so viel sei verraten: Die Antwort liegt irgendwo dazwischen.

The Walking Dead - Michonne: Zwischen Weltuntergang und Wahnsinn

Die erste Episode wirft euch gleich ins kalte Wasser. Michonne ist auf dem Weg durch das Dickicht, ohne Ziel und ohne Ausweg. Fast schon abwesend säbelt sie sich durch Zombies. Etwas verfolgt sie. Keine Beißer, keine Plünderer. Etwas, dass sie seit dem Ausbruch mit sich trägt. Eine Schuld, die ihr die ganze Episode über zu spüren bekommt und welche die Grenzen zwischen Realität und Einbildung immer weiter verschwimmen lässt.

Seht hier die ersten Minuten von The Walking Dead: Michonne

Allein schon durch diese eingestreuten Elemente will ich einfach mehr von der Story erleben. Wie wird sich Michonnes Wahnsinn auf andere Menschen auswirken? Schließlich befindet sie sich wieder - wie in der Serie - in einer kleinen Gruppe, die gerade mit Ach und Krach überlebt. Und ja, wer The Walking Dead kennt, weiß, dass schon bald alles viel schlimmer wird. Dann sind nicht mehr die Beißer, sondern wieder einmal die Menschen das große Problem.

Vom Intro bis zum Abspann hält die Episode konstant ihr Tempo, wird nie zu langsam oder zu schnell. Das ist genau die Qualität, die ich bei der zweiten Staffel von Telltales The Walking Dead so vermisst habe.

Doch wie sieht es eigentlich für diejenigen aus, die bislang NUR die Fernsehserie oder NUR die Walking-Dead-Adventures kennen?

Bilderstrecke starten(19 Bilder)
17 unglaubliche Tricks in Spielen, die zeigen, wie kreativ Entwickler wirklich sind

Pluspunkte für Kenner der Walking-Dead-Serie:

  • Ihr erfahrt endlich mehr über die Hintergründe der verschwiegenen Schwertkämpferin Michonne. Dieses Wissen kann für die kommenden Folgen der Serie sicherlich nicht schaden.
  • Auch wenn die Comicvorlage in der Serie vielleicht nicht zu 100 Prozent umgesetzt wird, orientiert sich die Episode genau daran. Ihr bekommt einen Einblick auf die Psyche von Michonne.
  • Die Miniserie bringt euch einige neue Charaktere näher, die bereits ihren Auftritt in den Comics hatten. So habt ihr irgendwann ein Wiedersehen, falls sich AMC dazu entscheidet, ihnen auch in der Serie etwas Platz einzuräumen.
  • Die Einleitung fällt angenehm kurz aus. Schließlich kennen die meisten Spieler/Zuschauer den Charakter Michonne und brauchen keine langen Erklärungen, wer sie ist und was sie erlebt hat.

Pluspunkte für Fans der Telltale-Spiele:

  • Das Spiel ist typisch Telltale: Viel Story, wenig Gameplay. Gewohnte Kost sozusagen.
  • Im Gegensatz zur zweiten Season von The Walking Dead nimmt die Geschichte um Michonne und ihre Gruppe schon jetzt mehr Fahrt auf. Endlich wieder ein Gefühl wie in der ersten Staffel!
  • Da es deutlich weniger Charaktere als in der zweiten Staffel gibt, bleiben die Beziehungsgefüge übersichtlich.
  • Der eingestreute Humor, der schon in allen anderen Telltale-Spielen zu Gehör kam, findet auch hier wieder seinen Platz und lockert das Geschehen enorm auf.

Der nächste Clou von Telltale: Ein Batman-Adventure!

ABER:

Egal ob Fan von Telltale oder der Walking-Dead-Serie: Die Miniepisoden stützen sich ganz klar auf die Comic-Vorlagen von The Walking Dead. Immerhin sind die drei Folgen zwischen Ausgabe Nr. 126 und Nr. 139 angesiedelt, in denen Michonne nicht auftaucht. Einige Anspielungen und neue Charaktere, die bereits ihren Auftritt im Comic hatten, werdet ihr also nicht erkennen, wenn ihr nur die anderen Vorlagen kennt. Bis auf Michonne gibt es zudem keine weitere Figur aus der Serie oder den ersten beiden Telltale-Staffeln. Und damit solltet ihr ehrlich gesagt auch nicht in den anderen Episoden rechnen. Das ist allerdings nichts wirklich Schlimmes, schließlich lebt TWD: Michonne von seiner namensgebenden Hauptdarstellerin.

Übersetzung? Sechs, setzen!

Bei all dem Lob, dass ich für The Walking Dead: Michonne übrig hab, komme ich aber nicht um ein großes Manko herum. Die Übersetzung in den Untertiteln ist teilweise katastrophal. Beispiel? Statt sich einen Schraubenzieher zu „nehmen“ wird der mal eben gekonnt „abgeholt„. Statt jemanden „gehen zu lassen„, sollen wir ihn „loslassen„. Und das, obwohl die Person am anderen Ende des Raumes steht. Warum sich diese Fehlerchen eingeschlichen haben, bleibt mir ein Rätsel. Schließlich lief es in der Vergangenheit bei anderen Telltale-Spielen um Längen besser.

Immerhin überzeugt die Vertonung dafür auf gewohnt hohem Niveau. Anstatt die Serienschauspielerin Danai Jekesai Gurira die Rolle einsprechen zu lassen, übernimmt eine neue Sprecherin den Part. Diese Dame heißt Samira Wiley und ist vor allem durch die Serie „Orange is the new Black“ bekannt. Auch in The Walking Dead macht sie ihre Sache wirklich gut. Kennt man sich mit der englischen Stimme aus der Serie aus, vergisst man trotzdem nach wenigen Minuten den Unterschied und ist voll auf die Geschehnisse auf dem Bildschirm fixiert.

Diese 6 Telltale-Umsetzungen wünschen wir uns

Mein Test-Fazit zur ersten Episode von The Walking Dead - Michonne:

Mit der ersten Episode „Verwickelt und verstrickt“ haben die Damen und Herren bei Telltale wieder einmal ein schönes Fundament geschaffen. Leider trüben kleine Fehlerchen und eine sehr kurze Spielzeit den Gesamteindruck. Auch wenn es sich um eine Miniserie handelt, hätte ich mir eine Episode wie bei den anderen Telltale-Spielen von etwa zwei Stunden Spielzeit gewünscht. Jedoch flackerte der Abspann schon nach 80 Minuten über den Bildschirm. Schade!

Hoffen wir, dass sich diese Mankos mit der zweiten und dritten Folge bessern. Schließlich macht die Geschichte jetzt schon einen guten Eindruck und hat einige interessante Eckpunkte, welche die Wartezeit nicht gerade erträglicher machen. Im März und April sollen die anderen beiden Episoden von The Walking Dead: Michonne erscheinen. Und dank der kurzen Vorschau am Ende dieser Folge, kann ich die Fortsetzung kaum erwarten.

Die GIGA GAMES Wertungsphilosophie

 

Game-o-Mat 2016: Wir verraten dir, welches Spiel dieses Jahr perfekt zu dir passt

Wertung

7/10
“Die erste Episode von The Walking Dead: Michonne legt einen guten Grundstein für die Miniserie und macht Lust auf mehr. Jedoch gibt es Abzüge in der B-Note für schlechte Übersetzungen und die selbst für Telltale knapp bemessene Spielzeit. ”
Marvin Fuhrmann
Marvin Fuhrmann, GIGA-Experte.

Ist der Artikel hilfreich?