The Walking Dead – Season 3 im Test: Ein Gefühl von Zuhause

Marvin Fuhrmann

Die dritte Staffel von Telltales The Walking Dead ist endlich da und geht zu Beginn gleich mit zwei Episoden an den Start. Ich erkläre Dir im Test, warum die lange Wartezeit auf die neue Season vielleicht eine ganz gute Idee der Entwickler war.

The Walking Dead: Season 3 - A New Frontier - Launch-Trailer.

Mittlerweile sind knapp zwei Jahre vergangen, seitdem Telltale die zweite Staffel von The Walking Dead veröffentlicht hat. Zwei Jahre, in denen die Fans des Spiels jeden Infohappen verschlungen und nach mehr gelüstet haben. Screenshots wurden analysiert und Trailer gefühlt tausend Mal angeschaut. Und nun kommen wir alle zusammen als große Community und Familie wieder zurück zu The Walking Dead – Season 3.

Mit meinem Test zeige ich Dir, ob sich das Warten auf die neue Staffel gelohnt hat. Was erwartet Dich als Veteran und wie läuft das Adventure ab, wenn Du völlig neu in die Serie einsteigst? All das und mehr soll geklärt werden. Mit „The Ties That Bind“ (im Deutschen: Verpflichtende Band) startet die dritte Staffel von The Walking Dead gleich mit einer Doppelepisode und einem neuen Helden.

Eine Familie in der Apokalypse

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11 Spiele, die du in unter 10 Stunden durchspielen kannst

The Walking Dead – Season 3 beginnt mit einem neuen Gesicht. Javier, fast schon als Taugenichts zu bezeichnen, versucht das, was von seiner Familie nach dem Beginn der Apokalypse übrig geblieben ist, zusammenzuhalten. Doch das ist gar nicht mal so leicht, wie Du Dir sicherlich vorstellen kannst- es geht immerhin um The Walking Dead.

Wie sich die Reise entwickelt, was Clementine in all den Jahren erlebt hat und warum das Aufeinandertreffen der beiden Protagonisten dann schnell zu „S**t hits the fan“ ausartet, will ich an dieser Stelle nicht verraten. Denn im Gegensatz zum eher mauen Start der zweiten Staffel, schaffen es die Macher von Telltale diesmal, bessere Charaktere zu zeichnen und ihnen damit in kurzer Zeit mehr Leben einzuhauchen. Nach der ersten Episode garantiere ich Dir, dass Du bereits eine Verbundenheit zu einzelnen Personen haben wirst und andere Dir wiederum gestohlen bleiben können. Die knackig erzählte Story tut dann ihr Übriges zum guten Tempo des Spiels.

The Walking Dead - Season 3 als Retail-Fassung*

Übrigens: Wer völlig neu mit Season 3 in The Walking Dead einsteigen möchte, sollte keine großen Probleme haben. Zu Beginn der Reise kannst Du Dir einen vorgefertigten Spielstand anfertigen lassen oder selbst noch einmal die Entscheidungen der letzten Staffeln zusammenfassen, um Deine Clem mit ihren eigenen Charakterzügen zu kreieren. Das geht schnell und einfach von der Hand und hilft Dir auch dann, wenn Du keinen alten Speicherstand mehr besitzt, aber trotzdem nicht auf eine Ursprungsgeschichte verzichten willst.

Immer mehr Film, noch weniger Spiel

Der Punkt, an dem sich die Geister immer bei Telltale-Adventures scheiden, ist die eigentliche Spielmechanik. Denn im Grunde machst Du in den knapp zwei Stunden der ersten beiden Episoden nicht viel mehr, als Einblendungen zu drücken. Nur wenige größere Areale laden zumindest kurzzeitig zum Erkunden ein. Es steht wohl fest: Wer bislang nichts mit Telltale und dieser Art von Adventures anfangen konnte, wird auch nicht durch The Walking Dead – Season 3 zum Fan.

Und doch gibt es kleine Verbesserungen hier und da, die das Gesamtbild deutlich aufhübschen. Die Charaktere sehen weniger comic-lastig und dadurch lebendiger aus, ohne den Charme des ursprünglichen Grafikstils zu verlieren. Zudem sind die Animationen noch einmal flüssiger und die Kamerafahrten spektakulärer und vielfältiger geworden. Das mag für andere Spiele keine große Neuerung sein. Für Telltale-Adventures, die in den letzten Jahren vor allem aufgrund der angestaubten Technik Kritik kassierten, ist es aber ein Schritt in die richtige Richtung. Insgesamt wirkt der Auftakt der dritten Staffel wie ein kleiner Film, in den ich hin und wieder eingreifen konnte. Inklusive nervenzerreißender Entscheidungen und toller WTF-Momente.

Alte Fehltritte im neuen Gewand

Da sich die technische Seite von The Walking Dead und den restlichen Adventures von Telltale so gut weiterentwickelt hat, fallen die wenigen Negativpunkte umso härter ins Gewicht. Wie schon bei der Miniserie „The Walking Dead – Michonne“ gibt es gravierende Übersetzungsfehler bei den Untertiteln. So wird aus dem englischen Sprichwort „Here goes nothing“ (zu Deutsch etwa: Wird schon schiefgehen) beispielsweise „Hier bewegt sich nichts“ und vernichtet damit fast schon den Sinn der gezeigten Szene. Dies wiederholt sich leider in den ersten beiden Episoden mehrfach, sogar bei Namen wichtiger Charaktere oder Beschreibungen von Items.

Javiers Leben vor der Apokalypse im Video*

Aber immerhin sind das Dinge, die mit ein bisschen Nachhilfe und einem Patch behoben werden könnten. Nach und nach wird sich die Community mit Sicherheit zu Wort melden und mit dem Feedback The Walking Dead – Season 3 verbessern. Dann kann am Ende der Staffel auch ein Pünktchen der Wertung hinzugefügt werden, wenn der Rest auf dem aktuellen Niveau bleibt.

Das Fazit

Mit den ersten beiden Episoden von The Walking Dead – Season 3 hat Telltale gezeigt, dass die lange Wartezeit ihr Gutes hatte. Nun ist mehr Platz für bessere Technik und ausgefeiltere Charaktere als noch in der zweiten Staffel. Ich hoffe nur, dass die Geschichte nicht den gleichen Fehler wie die TV-Serie macht und sich in einer Art Soap-Opera verliert. Wenn sich Story, Erzählrhythmus und Charaktere weiter auf diesem Niveau halten und noch ein wenig an den Mängeln gefeilt wird, kann dies eine wunderbare Staffel von The Walking Dead werden, von der ich jede Minute genieße.

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