The Witcher Adventure Game Kurztest: Zu viel Brett- im Videospiel

Nils Lassen 1

Viele Rollenspiel-Fans können den Start von The Witcher 3 kaum noch erwarten – mich eingeschlossen. Während sich manche gezwungenermaßen eigenhändig auf die Suche nach der Wilden Jagd machen, setzen sich andere gemütlich hin und spielen ein Brettspiel. Ein was? Ja, der Hexer Geralt hat jetzt sein eigenes Brettspiel - und eine digitale Fassung gibt es auch. Ob The Witcher Adventure Game was für jedermann oder nur für Witcher-Fans ist, erfahrt ihr in unserem Test.

Das Spiel beginnt mit einem kleinen, eingesprochenen Tutorial, an dessen Ende ich vor meinem PC saß und mir dachte: „Häää?“. Aber ich bin auch schwer von Begriff und hasse Anleitungen – learning by doing lautet meine Devise. Also rauf aufs Spielbrett!

Zu Anfang habt ihr die Wahl zwischen vier Charakteren aus dem Witcher-Universum: Hexer Geralt, seine Liebschaft und Zauberin Triss Merigold, dem Frauenschwarm und Barden Rittersporn (wer um alles in der Welt hat sich diesen Namen ausgesucht) und dem rebellischen Zwerg Yarpen Zigrin.

The Witcher Adventure Game Digital.

Aller Anfang ist schwer und nach dem dürftigen Tutorial war die erste Runde eine Katastrophe und ich wusste gar nicht, was zu tun ist. Glücklicherweise kann man sich im Menü noch einmal alles häppchenweise anhören. Das dauert aber etwas und war für jemanden wie mich, der zwei Kolonien Hummeln im Hintern hat, recht mühsam. Naja, Augen auf und durch.

The Witcher Adventure Game: Die Spielregeln

Nachdem ich das Spiel endlich verstanden hatte, ging es zurück aufs Spielbrett. Zu Beginn könnt ihr zwischen zwei Questkarten wählen, von der eine erfüllt werden muss. Jede Quest bringt Punkte und hat dabei noch  Nebenaufgaben, durch die man Zusatzpunkte erhält. Der Spieler, der die vorgegebene Anzahl an Quests zuerst erfüllt beendet das Spiel und die verdienten Punkte werden ausgewertet. Wer die meisten Punkte gesammelt hat gewinnt.

Auf dem Spielfeld, das der Witcher-Welt nachempfunden ist, reist ihr von Stadt zu Stadt und erfüllt kleine Nebenaufgaben wie Monster töten oder Siedler beschützen. Um ein Monster zu besiegen wird gewürfelt. Dabei bestimmt die Stärke des Gegners, was und wie viel gewürfelt werden muss. Im Laufe des Spieles könnt ihr euch auch kleine Aktions-Karten verdienen, mit denen ihr beispielsweise unpassende Würfel gegen passende austauschen könnt. Leider fehlten mit hier kleine Kampf-Animationen, wie es sie etwa in Hearthstone gibt, um dem Brettspiel auch einen Videospiel-Charakter zu verleihen.

Das Spiel auf dem virtuellen Brett

Das Spielbrett sieht schön aus, bietet aber zu wenig Animationen, um als Videospiel durchzugehen. Auch eine zumindest rudimentäre Sprachausgabe der Spielcharaktere hätte nicht geschadet. Außerdem hätte ich mir mehr Interaktionsmöglichkeiten zwischen den Spielern gewünscht. Für mich ist es in einem (Brett)Spiel immer wichtig, meine Gegenspieler mutwillig aufzuhalten. Das ist in The Witcher Adventure Game zwar möglich, aber nicht sonderlich gut umgesetzt. Man kann zwar mit Karten die Züge anderer Spieler manipulieren, aber irgendwie kommt dabei keine wirkliche Interaktion auf - und besonders fatal sind die gegenseitigen Sticheleien ebenfalls nicht. Auch das Witcher-Universum kommt auf dem Spielbrett nur bedingt zum Glänzen und hätte durch jedes beliebige andere Franchise ausgetauscht werden können.

Da ich kein Brettspielexperte bin, kann ich euch keine sonderlich objektiven Vor-und Nachteile des Spiels näherbringen. Für mich als Witcher-Fan war das Spiel jedoch nichts, da ich es alleine vor meinem Rechner gespielt habe und das meiner Meinung nach nicht die Art ist, in der man Brettspiele spielen sollte. Es gibt zwar einen Online-Modus, aber dort habe ich keine Mitspieler gefunden. Ob das an der mangelnden Spielerzahl oder an den Servern liegt, kann ich nicht beurteilen.

Alleine vor dem PC

So bleibt mir nur zu sagen, dass ich mit The Witcher Adventure Game leider wenig Freude hatte – und das obwohl ich großer Fan von Geralt und seinen Freunden bin. Das mag aber auch daran liegen, dass ich ein Gesellschaftsspiel ohne Gesellschaft gespielt habe. Meiner Meinung nach sollten Brettspiele immer noch an gemütlichen Abenden mit Freunden oder Familie gespielt werden. Oder aber man spielt es auf dem Tablet und vertreibt sich lange Zugfahrten mit seinem Reisegefährten. Wir können den Singleplayer-Modus von The Witcher Adventure Game also eher für iOS und weniger für einen Abend vor dem PC empfehlen.

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