Warum Thimbleweed Park im Jahr 2017 wichtig ist

Sandro Kreitlow

Mit Maniac Mansion, Monkey Island und Day of the Tentacle revolutionierten Ron Gilbert und Gary Winneck Videospiele. Dass die Formel der Point-n-Click-Spiele heute immer noch funktioniert, zeigt Dir Thimbleweed Park.

Thimbleweed Park - Launch Trailer.

Thimbleweed Park ist eine heruntergekommene Kleinstadt, in der Agentin Ray und Agent Reyes einen Mordfall untersuchen. Ohne zu viel vorweg nehmen zu wollen, ist dieser allerdings nur die Spitze des Eisberges. Nach und nach entwickelt sich eine verworrene Geschichte um Familienintrigen, persönliche Schicksale und dem Niedergang einer ganzen Ortschaft. Wer ist der Mörder? Warum treiben hier Geister ihr Unwesen? Und was hat es mit diesem fluchenden Clown auf sich, dessen Schminke sich im Gesicht gefestigt hat? Genau das gilt es, herauszufinden - ganz im Stile klassischer Grafik-Adventures.

Fühlt sich das nicht alt an?

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Die Entwickler Ron Gilbert und Gary Winneck haben das Adventure-Genre Ende der 80er-Jahre bis Mitte der 90er-Jahre nicht nur geprägt, sondern auch auf ein völlig neues Level gehoben - unter anderem mit Klassikern wie Maniac Mansion, Monkey Island und Day of the Tentacle. Und jetzt, 30 Jahre danach wollen sie das Point-n-Click-Genre wieder auferleben lassen.

Was macht Ron Gilbert eigentlich zu einer Legende?*

Gilbert und sein Team waren es, die in Maniac Mansion erstmals das SCUMM-System (Script Creation Ubility For Maniac Mansion) etablierten. Mit dem neuen Systemen und den Innovationen wie dem Umschalten zwischen verschiedenen Protagonisten, dem filmähnlichen Inszenierungsstil und klug konstruierten Rätseln dominiert die Lucasfilm-Spieleabteilung LucasArts in den kommenden Jahren die Welt der Point-and-Klick-Adventures. Gilbert und Winneck beweisen, dass sie von ihrem Gespür für Humor und Rätsel nichts verloren haben. Gut gemacht sind diese beiden Komponenten zeitlos.

Der Pixel-Look ist Stil-Element und passt hervorragend zur Reise ins Jahr 1987. Der Unterschied zu damals ist allerdings deutlich zu erkennen. Optisch ist Thimbleweed Park in der Beleuchtung, im Parallax Scrolling und in der Farbgebung dezent aufpoliert, jedoch ohne den Retro-Charme gleichzeitig zu reduzieren.

Nicht nur optisch passt es sich den Klassikern an, es spielt sich auch fast identisch. Nach wie vor steuerst Du per SCUMM-Menü über Verben wie Nehme / Nutze / Rede etc. Das geht dabei sogar ziemlich intuitiv und beweist, wie zeitlos diese Formel ist. Kleine Hilfen wie ein Notizbuch als Gedächtnisstütze oder ein Doppelklick, der die Spielfigur schneller laufen lässt, machen das Spiel gezielt moderner, ohne die Wurzeln zu verlieren. Die Rätsel sind dabei fast immer logisch und auch ohne Lösung gut zu knacken.

Von Monkey Island bis Thimbleweed Park: 27 Fragen mit Ron Gilbert *

Was aktuelle Titel von Thimbleweed Park lernen können

Durch die weiteren Charaktere erlebst Du die Geschichte und die Welt immer wieder anders kennen. Dazu muss alles mögliche aufgesammelt, miteinander kombiniert oder weitergegeben werden. Das ist anspruchsvoll, aber unfair ist es nie. Fakt ist: Du wirst nicht so sehr an die Hand genommen, wie in nahezu jedem aktuellen Spiele-Blockbuster.

Die Übersetzung sämtlicher Texte kommt von Boris Schneider-Johne, der schon Klassiker wie Monkey Island gekonnt ins Deutsche übertrug. Wortwitze werden nicht 1-zu-1 übernommen. Stattdessen werden eigene kreiert - ein lobenswerter Ansatz, von dem sich Publisher schwächelnder Synchronisationen eine ganze Scheibe abschneiden könnten.

Thimbleweed Park™
Entwickler: Terrible Toybox
Preis: 19,99 €

Wovon heutige Titel ebenfalls lernen können, ist die immense Liebe zum Detail. Frühere Grafik-Adventures wie beispielsweise Sierras King’s Quest waren noch meilenwert von dem entfernt, was Du heute kennst. Aktionen händisch eintippen, unzählige Bildschirmtode - das gehörte zum Alltag. Von diesem Umstand war Ron Gilbert so angenervt, dass er selbst heute noch darauf anspielt:

Unbenannt

Es gibt also viel zum Wiedererkennen, ohne dass sich Uneingeweihte abgeschreckt fühlen. Denn Handlung und Rätsel setzen keine Vorkenntnisse der alten Spiele voraus. Liebe zum Detail ist auch woanders zu finden: Die Kickstarter-Unterstützer durften eine Anrufbeantworteransage aufnehmen, die im Spiel gelandet ist. In der Stadt findest Du an manchen Stellen dicke Telefonbücher mit haufenweise Nummern, die Du anrufen kannst. Viele der Fan-Ansagen sind von deutschen Spielern eingesprochen. Außerdem entdeckst Du eine Bibliothek, in der Du Dir Buchtitel und Inhalte durchlesen kannst, die von Fans eingeschickt wurden.

Fazit

Thimbleweed Park ist die Wiederbelebung eines alten Spielgefühls, das es so heute nicht mehr gibt und Dir die Wurzeln heutiger Videospiele zeigt. Nicht umsonst nennen unzählige Entwickler heutzutage vor allem Lucas-Adventures als wichtige Inspirationen für Storytelling in ihren Spielen. Das neue Spiel von Ron Gilbert ist kurzweilig, geistreich und nimmt sich nie übertrieben ernst. Es ist ein mit Liebe zum Detail feingeschliffenes Pixeljuwel, das in der von Großproduktionen bestimmten Spielebranche angenehm auffällt. Wie gut die Formel dieser Klassiker funktioniert, beweist Thimbleweed Park mit interessanten Charakteren, witzigen Dialogen und knackigen Rätseln. Wenn Du die Faszination hinter Grafik Adventures noch nicht verstehst, ist Thimbleweed Park die beste Chance dazu.

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