Thronebreaker - The Witcher Tales im Test: Für eine Handvoll Karten

Daniel Kirschey

Krieg ist ausgebrochen und du stehst da mit einer Handvoll Karten. Hat es CD Projekt Red wirklich geschafft mit Thronebreaker: The Witcher Tales ein fesselndes Kartenspiel zu kreieren?

Thronebreaker - The Witcher Tales im Test: Für eine Handvoll Karten

Eine kleine Überraschung war es ja schon, als CD Projekt Red Thronebreaker: The Witcher Tales ankündigte. Da kommt kein neues The Witcher-Spiel, sondern die ausgebaute Singleplayer-Kampagne von Gwent. Die ist größer und komplexer geworden, ein richtiges Rollenspiel, mit Tiefe, vielen Charakteren, Quests und einem Progressionssystem. Das Tolle daran: Der Entwickler zeigt auch in diesem kleineren Ableger der großen The Witcher-Reihe, dass eine seiner größten Stärken die Art und Weise ist, wie er Charaktere zeichnet und Geschichten erzählt.

Es ist Krieg

Thronebreaker ist CD Projekt Reds erstes Spiel, das in die Zeitlinie der Hexer-Bücher fällt und nicht erst danach einsetzt. In der The Witcher-Trilogie des Entwicklers erfahren Spieler, was Geralt von Riva nach dem Ende der Bücher von Andrzej Sapkowski macht – in Thronebreaker spielen sie jedoch die Schlacht zwischen Meve, der Königin von Rivien und Lyrien, und dem Nilfgaardischem Imperium nach. Es ist der Zweite Nilfgaarder Krieg ausgebrochen und Emhyr var Emreis, der Kaiser der Nilfgaarder, marschiert in den Norden ein. Beim Versuch von ihm nach Sodden und Brugge vorzudringen, stellt sich ihm Königin Meve an der Jaruga-Brücke in den Weg.

Gwent - Thronebreaker - Einzelspieler-Trailer.

Die Geschichte ist auch interessant, weil Geralt in der Geschichte kurz vorkommt. Ganz ungewollt gerät er zwischen die Fronten und kämpft schlussendlich gegen die Nilfgaarder. Dafür wird er von Meve zum Ritter geschlagen und darf sich ab dann offiziell Geralt von Riva nennen. In Thronebreaker übernimmst du jedoch die Rolle von Meve und stellst anfänglich Truppen gegen die Invasoren auf, um sie dann später mit diesen zu stellen.

Heroes of Might & Magic und starke Charaktere

Truppen hebst du hauptsächlich auf der Übersichtskarte des Landstrichs aus. Hier wanderst du mit Meve im Heroes of Might & Magic-Stil über eine etwas statische Karte. Mit einem Klick auf Holzstabel, Goldsäcke und Fahnen, sammelt sie Holz, Gold und Truppen ein. Mit der Zeit schließen sich ihr immer weitere Charaktere an. Besonder gut ist es CD Projekt Red gelungen, dass dir die Charaktere nicht egal sind. Die sehen nämlich nicht nur wie die handgezeichneten Karten schön aus, sondern besitzen echte Persönlichkeiten.

Auch wenn die Kämpfe in Form des Kartenspiels Gwent ausgetragen werden, steht die Charakterzeichnung und -tiefe in nichts anderen großen Rollenspielen nach. Hier ist die Feder eines Entwicklerstudios wie CD Projekt Red zu spüren. Nicht nur deshalb wachsen sie einem ans Herz. Das hat auch den schlichten Grund, dass einem im Laufe des Spiels immer wieder moralische Entscheidungen aufgezwungen werden.

Wiederum typisch für die Witcher-Welt: Es gibt kein schwarz oder weiß. Alles ist grau. Je nachdem wie die Charaktere ticken, können sie mit der jeweiligen Wahl und dessen Konsequenzen Leben oder eben nicht – und wenn nicht, dann kehren diese Figuren Meve auch den Rücken zu. Das wiederum bedeute für dich als Spieler, dass du auf die Karte des Charakters im nächsten Gefecht verzichten musst. Das macht schlussendlich jede Entscheidung schwer aber spannend.

Karten-Krieg

Die Auseinandersetzungen mit anderen Soldatentruppen und größeren Monstern sind erstaunlich durchdacht. Zuerst fällt auf, dass statt der drei Felder zum Kartenablegen nur noch zwei auf dem Spielplan zu finden sind. Eine Änderung, die CD Projekt Red auch in der Online-Variante überlegt einzuführen. Den Kämpfen in Thronebreaker tut die Entschlackung gut. Sie fühlen sich schneller an. Wie es im Onlinespiel ausfällt, wird sich zeigen. Neu ist auch, dass die Anführerkarte verschwunden ist und dafür der Kommandant der Armee als 3D-Figur am Spielrand steht und in das Geschehen durch Animationen eingreift.

Ins Auge stechen vor allem Bosskämpfe beispielsweise gegen einen Mantikor, der dann nicht aus einer, sondern 6 Karten besteht: eine für den Kopf jeweils zwei für die Vordertatzen und Flügel und eine für den Skorpionschwanz. Jede Karte hat, je nachdem was sie abbildet, andere Spezialangriffe. Schlägst du aber beispielsweise beide Flügel ab, nimmt der Mantikor am Kopf mehr Schaden. Ist der Kopf hinüber, ist der ganze Mantikor hin; du musst also nicht jede Karte einzeln besiegen.

Dabei ist Thronebreaker nicht unbedingt schwer. Erst die Challenges ziehen hier mächtig an, da sie dir einen vorgefertigten Kartenstapel vorgeben und ab und zu nur ein bestimmter Weg zum Ziel führt. Es sind kleine Rätsel, die ausgetüftelt werden wollen – nerven kann es trotzdem, wenn durch einen Zug alles in Scherben liegt. Sonst kannst du dir aber dein Deck zusammenbauen wie du willst. Übrigens: Über die Kampagne schaltest du auch Karten für den Online-Modus frei.

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The Witcher: Die komplexe Hintergrund-Geschichte erklärt.

Am Ende ist mit Thronebreaker mehr herausgekommen, als sich viele wohl gedacht haben. Das ist hier aber durch und durch gut, nicht geschludert und macht ordentlich Spaß. Für die 26 Euro bekommt man ein echtes Rollenspiel mit ungefähr 30 Stunden Spielzeit – je nachdem wie schnell Spieler mit den fünf Abschnitten durch sind.

Wird dir gefallen, wenn du langsame Rollenspiele magst, auf ausgefeilte Geschichten stehst und gerne Gwent spielst.

Wird dir nicht gefallen, wenn du schnelle Action haben willst und Kartenspiele doof findest.

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