Das Ende der AAA-Spiele: Stürzen sinkende Verkaufszahlen die Branche in eine Krise?

Alexander Gehlsdorf 27

Ist die AAA-Branche am Ende? Mit Titanfall 2, Watch Dogs 2 und Dishonored 2 blieben gleich drei Top-Spiele hinter den erwarteten Verkaufszahlen zurück. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Die wichtigsten fünf Gründe habe ich für Dich zusammengetragen.

Titanfall 2 im Test.
Titanfall 2, Watch Dogs 2, Dishonored 2 verkaufen sich schlecht!

Wer in den letzten Wochen auf deutschen und internationalen Videospiel-Portalen unterwegs war, ist mit Sicherheit das ein oder andere Mal über diese Überschrift gestoßen. Schlimmer noch, manche Medien prophezeiten sogar den Untergang der AAA-Branche. Auch Watch Dogs Publisher Ubisoft hat gegenüber Gamespot die schlechten Verkaufszahlen bestätigt. Und das, obwohl es sich bei den drei genannten Titeln um sehr gute Spiele handelt. Warum also kauft sie niemand? Wie so oft gibt es nicht nur einen Grund, der für die schwachen Verkaufszahlen verantwortlich ist. Vielmehr handelt es sich um das Zusammenspiel verschiedener Faktoren.

Dishonored 2: Fähigkeiten von Emily und Corvo im Detail.

Alle großen Spiele erscheinen zur gleichen Zeit

Der beliebteste Zeitraum für die Veröffentlichung eines Spiels ist offensichtlich die Vorweihnachtszeit. Schließlich steigt damit die Wahrscheinlichkeit, dass Spiele wenig später unter dem Weihnachtsbaum liegen oder inmitten der Black-Friday-Euphorie gekauft werden. Erscheinen jedoch zu viele Spiele in diesem Zeitraum, kann der Schuss nach hinten losgehen. So fiel der Release von Titanfall 2 in den selben Zeitraum wie von Battlefield 1 und Call of Duty: Infine Warfare, drei Spiele mit sehr ähnlicher Zielgruppe. Zu mehr als einem der drei Titel greifen allerdings nur die wenigsten Spieler. Dabei haben unter anderem The Witcher 3 und GTA 5 bewiesen, dass sich Spiele auch außerhalb der Vorweihnachtszeit exzellent verkaufen können.

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Zu viele Spiele richten sich an die gleiche Zielgruppe

Große Spiele-Produktionen verschlingen eine Menge Geld, weshalb Risiken gern vermieden werden. Das fertige Spiel soll sich gut verkaufen, deshalb orientieren sich Publisher gern an anderen Top-Seller-Spielen und den Erfolgen der eigenen Vergangenheit. Auf lange Sicht führt das jedoch dazu, dass immer mehr, immer ähnlichere Spiele erscheinen, die alle an die gleichen Käufer gerichtet sind. Spiele, die auf eine scheinbar sichere Erfolgsformel setzen, sind also längst kein Erfolgsgarant mehr. Da überrascht es auch nicht, dass stattdessen immer innovativere und Nischen-Spiele wie Firewatch, Inside oder Stardew Valley Aufmerksamkeit auf sich ziehen können.

Watch Dogs 2 im Grafikvergleich - PS4 vs. PC.

Kein Bedarf an neuen Spielen

2004 löste World of Warcraft einen Goldrausch aus. Online-Rollenspiele waren aus Sicht der Publisher das nächste große Ding. Es wurden zahlreiche WoW-Konkurrenten programmiert, um ein Stück vom MMORPG-Kuchen zu bekommen. Wirklich erfolgreich war jedoch keiner davon. Kein Wunder, denn wer einmal World of Warcraft spielt, braucht nebenher kein zweites Online-Rollenspiel. Im Gegenteil, Millionen Spieler begeben sich noch heute, zwölf Jahre später, regelmäßig auf Abenteuerreise durch Azeroth. Dieser Trend ist inzwischen auch in anderen Genres zu spüren. Per Season-Pass, Online-Modus und Sammelaufgaben binden einzelne Spiele ihre User immer länger an sich. Von Dauerbrennern wie League of Legends, Minecraft oder Hearthstone ganz zu schweigen. Wer regelmäßig seine Lieblingsspiele zockt, da diese auch Jahre nach der Veröffentlichung noch neue Aufgaben parat haben, hat weniger Gründe sich neue Spiele zu kaufen.

Steam flutet den Markt

40 Prozent aller Steam-Spiele erschienen allein im Jahr 2016, das berichtet etwa VG 24/7. Das Angebot auf Steam hat sich somit in kürzester Zeit nahezu verdoppelt. Noch nie hatten Spieler so viel Auswahl auf einmal, denn auch wenn Valves Vertriebsplattform mit einer Menge mittelmäßiger Produktionen geflutet wird, verstecken sich darunter auch zahlreiche Perlen. Wer bereits für wenig Geld einen Geheimtipp ergattern kann oder sich im Sale ein älteres Spiel sichert, der braucht sich kein nagelneues zum Vollpreis zulegen. Zumal dieses im nächsten Jahr mit Sicherheit auch schon im Sale angeboten wird. Bei dem Tempo, mit dem auf Steam die Preise purzeln, sind reduzierte Einkaufspreise inzwischen schließlich die Regel, sich ein Vollpreisspiel anzueignen ist hingegen die Ausnahme.

 

 

Spiele werden immer häufiger digital verkauft

Haben sich die genannten Spiele denn wirklich so schlecht verkauft? Ja, haben sie, allerdings nur im Laden. Die Aufregung um die geringen Verkaufszahlen bezog sich ursprünglich auf die Absätze britischer GameStop-Filialen. Digitale Verkaufszahlen, etwa über Steam, Origin oder PSN wurden hier nicht mit erfasst, sind in ihrer Relevanz den Ladenverkäufen heutzutage aber mindestens ebenbürtig. Titanfall 2, Watch Dogs 2 und Dishonored 2 mögen sich aus den oben genannten Gründen schlechter verkauft haben, als erwartet, ganz so katastrophal wie es in den vergangenen Wochen dargestellt wurde, ist die Situation jedoch nicht. Vielleicht sollte sich die Diskussion nicht nur mit den scheinbar geringen Verkaufszahlen auseinandersetzen, sondern auch mit der sinkenden Relevanz des Einzelhandels.

Quellen: Radio Fritz, Spieletipps, VG 24/7, Gamesindustry, Gamespot

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